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Programm 2008


4. November

Bewahrung der Schöpfung (3) Filmmuseum

"Biutiful Cauntri"

von Andrea D' Ambrosio und Esmeralda Calabria

Wie kommt das Dioxin in die Büffelmozzarella? Warum bleibt der Müll in den Straßen von Neapel liegen? Was ist los in der schönen Campania, in der die Camorra das Müllgeschäft in der Hand hat? Es gibt keine Müllverbrennungsanlage für die Großstadt, dafür über 1200 illegale Mülldeponien in der Region. Dort liegt der Giftmüll in den Feldern und Flüssen, daneben grasen die Schafe und Ziegen. Der Asbest liegt im Kartoffelfeld, die Autoreifen verbrennen auf den Äckern, ohne dass je die Feuerwehr auftauchen würde. Sogar im Naturreservat, in dem die geschützten Wasserbüffel leben, findet man den gefährlichsten Giftmüll "entsorgt". Die illegale Entsorgung ist ein gutes Geschäft für die Camorra, an dem auch Behörden und Firmen mitverdienen.

Wie kann so etwas im 21. Jahrhundert, im Europa des Jahres 2007 passieren, fragten sich die Filmemacher und machten sich mit der Kamera auf Spurensuche. Sie begleiten den Umweltschützer Rafaele del Giudice, der sich der Müllmafia an die Fersen heftet, sie begleiten einen Schafzüchter, dessen Tiere dem Dioxin zum Opfer fallen; sie begleiten Bauern, die auf ihren verseuchten Feldern arbeiten und leben, in unmittelbarer Nachbarschaft von Mülldeponien. "Wir sterben hier alle schweigend", sagt Rafaele.

Italien, das "Bel Paese", hat ein Problem: die Müllentsorgung. Während die brennenden Abfallberge in Neapel die Weltöffentlichkeit in Aufruhr bringen, leidet die Bevölkerung Süditaliens bereits seit Jahrzehnten unter der politischen Ohnmacht, sich der so genannten Öko-Mafia zu widersetzen. Insbesondere das Hinterland Neapels ist davon betroffen. Hier verkommt der "Garten Europas" zu einem Flickenteppich frei verfügbarer Müllhalden, in die ungehindert abgekippt wird, was verschwinden muss.

Zum Filmgespräch kommen direkt aus Italien zwei der drei Regisseur/innen,
Andrea d’Ambrosio und Esmeralda Calabria.
Moderation: Ute Süßbrich


11. November

Friedens- und Zukunftswerkstatt Naxoshalle

"Todesstaub - Uranmunition"

Dokumentation eines Kriegsverbrechens von Frieder Wagner

Weite Teile des Irak und Afghanistans gelten heute als radioaktiv verseucht. Immer mehr Babys werden dort mit schrecklichen Missbildungen geboren – eine Folge des Einsatzes von Uranmunition. Grimme-Preisträger und Dokumentarfilmer Frieder Wagner war mit den berühmten deutschen Arzt und Epidemiologen Dr. Siegwart-Horst Günther mehrfach im Irak und Kosovo unterwegs. Sein Film "Todesstaub" dokumentiert diese Kriegsverbrechen.

Es war der aus Sachsen stammende Tropenarzt und Epidemiologe Dr. Horst-Siegwart Günther, der 1991 nach dem Golfkrieg im Irak zum ersten Mal auf die höchst gefährlichen Nachwirkungen von so genannter Uranmunition (aus abgereichertem Uran, engl.: Depleted Uranium) hingewiesen hat, die dort im Krieg tonnenweise verschossen wurde.

Prof. Günther waren zu dieser Zeit im Universitätskrankenhaus von Bagdad Menschen mit unbekannten Krankheitssymptomen aufgefallen, die er in 40 Jahren Arbeit in dieser Region nie gesehen hatte. Dabei entdeckte er auch viele entsetzlich missgebildete Säuglinge und Kinder, die meistens nicht lange lebten, und dokumentierte die Fälle. Er fürchtete, diese Geschosse könnten radioaktiv sein. Darum ließ er an der Freien Universität Berlin ein solches Geschoss untersuchen und fand danach folgende Zusammenhänge heraus:

Diese radioaktive und chemisch hoch toxische Munition bewirkt einen Zusammenbruch des Immunsystems mit der Folge von schweren Störungen der Nieren, der Leber und der Lunge. Dazu verursacht sie bösartige Hauttumore und andere Krebsarten sowie genetische Störungen. Betroffen sind nicht nur Soldaten beider Seiten, sondern auch die durch das jahrelange Embargo geschädigte Zivilbevölkerung. Mit dem Wind wird dieser Todesstaub um die ganze Welt getragen.

Nachdem bei verschiedenen Golfkriegsveteranen und ihren Kindern ähnlich unheilbare Krankheitssymptome auftraten wie bei den irakischen Soldaten und ihren Kindern, war für Günther und viele andere Wissenschaftlern der Fall klar: Die Anwendung dieser hoch toxischen und radioaktiven Munition ist ein Kriegsverbrechen! Seitdem fordern Wissenschaftler das sofortige Verbot dieser Munition, die auch in Bosnien, im Kosovo und Irakkrieg 2003 wieder zum Einsatz kam und so inzwischen Hunderttausende schädigte. Nato und Pentagon leugnen dagegen bis heute diese Zusammenhänge, obwohl inzwischen nachgewiesen wurde, dass sogar Spuren von Plutonium in vielen Urangeschossen zu finden sind - und Plutonium ist der giftigste Stoff der Welt.

Der Film begleitet Professor Günther noch einmal in den heutigen Irak und den Kosovo und dokumentiert so den gefährlichen und außergewöhnlich mutigen Einsatz des 80-jährigen rastlosen Arztes dieses kaum bekannte Kriegsverbrechen, das die ganze Menschheit bedroht, publik zu machen.

Der Filmemacher Frieder Wagner: "Die furchtbaren Folgen der Urangeschosse und -bomben sind die wohl unbequemste Wahrheit überhaupt - und deshalb wird sie systematisch verschwiegen."

Zum Filmgespräch erwarten wir:
Den Regisseur Frieder Wagner,
als Vertreter der "Ärzte gegen den Atomkrieg" Herrn Prof. Ulrich Gottstein,
vom Ökoinstitut Darmstadt den Uranspezialisten Gerhard Schmidt.
Moderation: Florian Schwinn


18. November

"Die Schönen Künste (7)" Naxoshalle

Wer ist das Monster – du oder ich?

Niki de Saint Phalle (1995 - 93 Min.)

Dokumentarfilm von Peter Schamoni


25. November

"Mond Sonne Blume Spiel"

Ein wahres Märchen von Klaus Strigel

Die junge persische Dichterin Forough Farrokhzad macht sich 1962 auf den Weg ans Ende der Welt zu den Aussätzigen, um einen Film über deren Welt zu drehen. Ihr Film "Das Haus ist schwarz" sollte Weltruhm erlangen - und ganz nebenbei eine kleine Welt verändern. Die Welt eines kleinen Jungen, der ihr begegnen durfte.

Der Junge wird innerhalb einer Nacht aus der mittelalterlichen Welt des Lepraghettos in die Aufbruchsstimmung der vorrevolutionären Teheraner Boheme geschleudert.

Ein dokumentarisches Märchen, das in einem Nordiranischen Lepraghetto seinen Ausgang nimmt und auf verschlungenen Wegen ins Münchner Westend führt: Dort macht sich der iranische Exildichter Hossein Mansouri auf die Suche nach dem Jungen - und findet eine wahrhaft orientalische Geschichte über seine eigenen Wurzeln und die Zauberkraft der Worte.

Im Anschluss Filmgespräch mit dem Regisseur Claus Strigel


9. Dezember

"Bewahrung der Schöpfung (4)" Filmmuseum

Viaggio nel Irpina d'Oriente

Dokumentarfilm von Paolo Muran

Reisen unternehmen, nicht in die Ferne, sondern in die unmittelbare Nachbarschaft, in erdbebenzerstörte und vergessene Dörfer, Reisen über Straßen, in Gassen, auf Plätze, Reisen auf frei stehende Treppen, in offene Türen und Fenster, Reisen in das stille und weite Hinterland Neapels. Im Landstrich Irpinia erleben der Filmemacher Paolo Muran mit dem der ortsansässige Schriftsteller Franco Arminio vom Untergang bedrohte Inseln. Sie erleben, wie sich deren Einwohner widersetzen, auf ihre Weise gegen Erdbeben, Emigration und geplante Mülldeponien.

Der Film zeigt das Alltagsleben am Rande Europas und spürt darin Bilder auf, aus Poesie, Widerstand und Solidarität. "Irpinas Dörfer", sagt der Reisende Franco Arminio, "sind reelle Schaufenster zum Bodensatz der globalisierten Welt, und sie ziehen daraus ihre Kraft für einen Neuanfang."

Eingeladen zum anschließenden Filmgespräch sind:
Paolo Muran, Regisseur
Franco Arminio, Schriftsteller und Gründer der "Paesologie"



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