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Film-Archiv 2008
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| 25. November |
"Mond Sonne Blume Spiel"
Ein wahres Märchen von Klaus Strigel
Die junge persische Dichterin Forough Farrokhzad macht sich 1962 auf den Weg ans Ende der Welt zu den Aussätzigen, um einen Film über deren Welt zu drehen. Ihr Film "Das Haus ist schwarz" sollte Weltruhm erlangen - und ganz nebenbei eine kleine Welt verändern. Die Welt eines kleinen Jungen, der ihr begegnen durfte.
Der Junge wird innerhalb einer Nacht aus der mittelalterlichen Welt des Lepraghettos in die Aufbruchsstimmung der vorrevolutionären Teheraner Boheme geschleudert.
Ein dokumentarisches Märchen, das in einem Nordiranischen Lepraghetto seinen Ausgang nimmt und auf verschlungenen Wegen ins Münchner Westend führt: Dort macht sich der iranische Exildichter Hossein Mansouri auf die Suche nach dem Jungen - und findet eine wahrhaft orientalische Geschichte über seine eigenen Wurzeln und die Zauberkraft der Worte.
Im Anschluss Filmgespräch mit dem Regisseur Claus Strigel
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| 18. November |
"Die Schönen Künste (7)" Naxoshalle
Wer ist das Monster – du oder ich?
Niki de Saint Phalle (1995 - 93 Min.)
Dokumentarfilm von Peter Schamoni
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| 11. November |
Friedens- und Zukunftswerkstatt Naxoshalle
"Todesstaub - Uranmunition"
Dokumentation eines Kriegsverbrechens von Frieder Wagner
Weite Teile des Irak und Afghanistans gelten heute als radioaktiv verseucht. Immer mehr Babys werden dort mit schrecklichen Missbildungen geboren – eine Folge des Einsatzes von Uranmunition. Grimme-Preisträger und Dokumentarfilmer Frieder Wagner war mit den berühmten deutschen Arzt und Epidemiologen Dr. Siegwart-Horst Günther mehrfach im Irak und Kosovo unterwegs. Sein Film "Todesstaub" dokumentiert diese Kriegsverbrechen.
Es war der aus Sachsen stammende Tropenarzt und Epidemiologe Dr. Horst-Siegwart Günther, der 1991 nach dem Golfkrieg im Irak zum ersten Mal auf die höchst gefährlichen Nachwirkungen von so genannter Uranmunition (aus abgereichertem Uran, engl.: Depleted Uranium) hingewiesen hat, die dort im Krieg tonnenweise verschossen wurde.
Prof. Günther waren zu dieser Zeit im Universitätskrankenhaus von Bagdad Menschen mit unbekannten Krankheitssymptomen aufgefallen, die er in 40 Jahren Arbeit in dieser Region nie gesehen hatte. Dabei entdeckte er auch viele entsetzlich missgebildete Säuglinge und Kinder, die meistens nicht lange lebten, und dokumentierte die Fälle. Er fürchtete, diese Geschosse könnten radioaktiv sein. Darum ließ er an der Freien Universität Berlin ein solches Geschoss untersuchen und fand danach folgende Zusammenhänge heraus:
Diese radioaktive und chemisch hoch toxische Munition bewirkt einen Zusammenbruch des Immunsystems mit der Folge von schweren Störungen der Nieren, der Leber und der Lunge. Dazu verursacht sie bösartige Hauttumore und andere Krebsarten sowie genetische Störungen. Betroffen sind nicht nur Soldaten beider Seiten, sondern auch die durch das jahrelange Embargo geschädigte Zivilbevölkerung. Mit dem Wind wird dieser Todesstaub um die ganze Welt getragen.
Nachdem bei verschiedenen Golfkriegsveteranen und ihren Kindern ähnlich unheilbare Krankheitssymptome auftraten wie bei den irakischen Soldaten und ihren Kindern, war für Günther und viele andere Wissenschaftlern der Fall klar: Die Anwendung dieser hoch toxischen und radioaktiven Munition ist ein Kriegsverbrechen! Seitdem fordern Wissenschaftler das sofortige Verbot dieser Munition, die auch in Bosnien, im Kosovo und Irakkrieg 2003 wieder zum Einsatz kam und so inzwischen Hunderttausende schädigte. Nato und Pentagon leugnen dagegen bis heute diese Zusammenhänge, obwohl inzwischen nachgewiesen wurde, dass sogar Spuren von Plutonium in vielen Urangeschossen zu finden sind - und Plutonium ist der giftigste Stoff der Welt.
Der Film begleitet Professor Günther noch einmal in den heutigen Irak und den Kosovo und dokumentiert so den gefährlichen und außergewöhnlich mutigen Einsatz des 80-jährigen rastlosen Arztes dieses kaum bekannte Kriegsverbrechen, das die ganze Menschheit bedroht, publik zu machen.
Der Filmemacher Frieder Wagner: "Die furchtbaren Folgen der Urangeschosse und -bomben sind die wohl unbequemste Wahrheit überhaupt - und deshalb wird sie systematisch verschwiegen."
Zum Filmgespräch erwarten wir:
Den Regisseur Frieder Wagner,
als Vertreter der "Ärzte gegen den Atomkrieg" Herrn Prof. Ulrich Gottstein,
vom Ökoinstitut Darmstadt den Uranspezialisten Gerhard Schmidt.
Moderation: Florian Schwinn
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| 4. November |
Bewahrung der Schöpfung (3) Filmmuseum
"Biutiful Cauntri"
von Andrea D' Ambrosio und Esmeralda Calabria
Wie kommt das Dioxin in die Büffelmozzarella? Warum bleibt der Müll in den Straßen von Neapel liegen? Was ist los in der schönen Campania, in der die Camorra das Müllgeschäft in der Hand hat? Es gibt keine Müllverbrennungsanlage für die Großstadt, dafür über 1200 illegale Mülldeponien in der Region. Dort liegt der Giftmüll in den Feldern und Flüssen, daneben grasen die Schafe und Ziegen. Der Asbest liegt im Kartoffelfeld, die Autoreifen verbrennen auf den Äckern, ohne dass je die Feuerwehr auftauchen würde. Sogar im Naturreservat, in dem die geschützten Wasserbüffel leben, findet man den gefährlichsten Giftmüll "entsorgt". Die illegale Entsorgung ist ein gutes Geschäft für die Camorra, an dem auch Behörden und Firmen mitverdienen.
Wie kann so etwas im 21. Jahrhundert, im Europa des Jahres 2007 passieren, fragten sich die Filmemacher und machten sich mit der Kamera auf Spurensuche. Sie begleiten den Umweltschützer Rafaele del Giudice, der sich der Müllmafia an die Fersen heftet, sie begleiten einen Schafzüchter, dessen Tiere dem Dioxin zum Opfer fallen; sie begleiten Bauern, die auf ihren verseuchten Feldern arbeiten und leben, in unmittelbarer Nachbarschaft von Mülldeponien. "Wir sterben hier alle schweigend", sagt Rafaele.
Italien, das "Bel Paese", hat ein Problem: die Müllentsorgung. Während die brennenden Abfallberge in Neapel die Weltöffentlichkeit in Aufruhr bringen, leidet die Bevölkerung Süditaliens bereits seit Jahrzehnten unter der politischen Ohnmacht, sich der so genannten Öko-Mafia zu widersetzen. Insbesondere das Hinterland Neapels ist davon betroffen. Hier verkommt der "Garten Europas" zu einem Flickenteppich frei verfügbarer Müllhalden, in die ungehindert abgekippt wird, was verschwinden muss.
Zum Filmgespräch kommen direkt aus Italien zwei der drei Regisseur/innen,
Andrea d’Ambrosio und Esmeralda Calabria.
Moderation: Ute Süßbrich
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| 28. Oktober |
Kino-Geschichte(n) 4
"Von einem der auszog... (Wim Wenders)"
von Marcel Wehn
"Ich bin meine Geschichte." antwortet Kamikaze in Wim Wenders' IM LAUF DER ZEIT auf die Frage "Wer bist Du?" Der Geschichte von Wim Wenders spürt dieser Dokumentarfilm nach und stellt eine Verbindung zwischen dessen früher Biografie und Werk her. Im Fokus steht das Leben des Regisseurs bis zu seinem Weggang in die USA nach seinem internationalen Durchbruch mit "Der amerikanische Freund". In offenen und sehr persönlichen Gesprächen erzählt Wim Wenders von seinem behüteten Elternhaus im Oberhausen der Nachkriegszeit. Man begleitet ihn auf dieser Reise in die Vergangenheit nach Paris, wo er als junger Maler lebt und den Entschluss fasst, Filmemacher zu werden.
Er berichtet über Erlebnisse, Erfolge und Misserfolge als Filmstudent auf dem Weg zum Regisseur. Es entsteht ein Bild des Lebensgefühls und der Aufbruchstimmung der Studenten des ersten Jahrgangs an der Filmhochschule in München. Neben Wenders selbst kommen u.a. Peter Handke, Robby Müller, Rüdiger Vogler, Bruno Ganz und Lisa Kreuzer als einige seiner wichtigsten Wegbegleiter zu Wort. In ihren Aussagen und Erinnerungen sprechen sie über die wiederkehrenden Grundthemen in Wenders'
Filmen. Es geht um Identitätssuche, Einsamkeit, Freundschaft und Kommunikation. Ebenso zur Sprache kommen ganz persönliche Erfahrungen in der privaten und beruflichen Beziehung zu Wenders. In Verbindung mit Ausschnitten aus seinen frühen Filmen wird deutlich, dass Wenders immer wieder authentische Erlebnisse und Menschen seines eigenen Lebens verarbeitet hat. Der Film vermittelt dadurch einen ganz neuen Einblick in Wenders'
frühes Filmwerk.
"Dieser Film handelt von einem Mann, der nicht nur seinen Filmemacherkollegen, sondern vor allem dem Publikum beigebracht hat, im Kino Augen und Ohren offen zu halten. "Von einem der auszog - Wim Wenders' frühe Jahre" ist ein erstaunlich persönlicher Film über eine wesentliche Phase im Leben und Werk von Wim Wenders. Regisseur Wehn hat rund um die frühen Meisterwerke des Regisseurs - von "Alice in den Städten" über "Im Lauf der Zeit" bis "Der amerikanische Freund" - den richtigen Leuten zur richtigen Zeit die richtigen Fragen gestellt. Natürlich auch Wenders selbst."
Im Anschluss Filmgespräch mit Sarah Rotter, Kamerafrau von Wim Wenders,
Moderation: Nicolai Bockelmann
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27. Oktober Montag |
Kinogeschichten (3) - Sondertermin UNESCO-Tag des audiovisuellen Erbes Filmmuseum
"Auge in Auge" (2007/08, 106 Min.)
von Michael Althen und Hans Helmut Prinzler
Ein Film über die Liebe zum Kino, eine Entdeckungsreise durch hundert Jahre deutsche Filmgeschichte, die zeigt, wie nahe uns in Wirklichkeit ist, was so fern erscheint. AUGE IN AUGE spürt den großen Momenten des deutschen Kinos nach, lässt unvergessliche Bilder Revue passieren und macht Lust auf die Wiederbegegnung mit Klassikern. Filmschaffende wie Caroline Link, Doris Dörrie, Michael Ballhaus, Tom Tykwer, Wim Wenders, Dominik Graf, Christian Petzold, Ein Film über die Liebe zum Kino, eine Entdeckungsreise durch hundert Jahre deutsche Filmgeschichte, die zeigt, wie nahe uns in Wirklichkeit ist, was so fern erscheint. AUGE IN AUGE spürt den großen Momenten des deutschen Kinos nach, lässt unvergessliche Bilder Revue passieren und macht Lust auf die Wiederbegegnung mit Klassikern.
Filmschaffende wie Caroline Link, Doris Dörrie, Michael Ballhaus, Tom Tykwer, Wim Wenders, Dominik Graf, Christian Petzold, Andreas Dresen, Wolfgang Kohlhaase und Hanns Zischler erklären anhand von Szenen, welche Filme für sie wichtig waren und versuchen der Frage auf den Grund zu gehen, was eigentlich so deutsch am deutschen Film ist. So wird Schicht um Schicht freigelegt, was so oft den Blick auf unsere Filmgeschichte verstellt. Eine Hommage an das, was wir am deutschen Kino lieben.
Dies ist nicht einfach nur eine weitere Dokumentation zur Filmgeschichte, sondern ein Film über die Liebe zum Kino, eine Entdeckungsreise durch über hundert Jahre Film in Deutschland, eine Zeitreise durch die deutsche Filmgeschichte. Zehn Filmmenschen von heute erinnern sich an ihre Lieblings filme von gestern: Tom Tykwer spricht über Friedrich Wilhelm Murnaus NOSFERATU, Wolfgang Kohlhaase über MENSCHEN AM SONNTAG von Robert Siodmak und Edgar G. Ulmer, Wim Wenders über M - EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER von Fritz Lang, Christian Petzold über Helmut Käutners UNTER DEN BRÜCKEN, Hanns Zischler über Alexander Kluges ABSCHIED VON GESTERN, Andreas Dresen über SOLO SUNNY von Konrad Wolf, Michael Ballhaus über Rainer Werner Fassbinders DIE EHE DER MARIA BRAUN, Dominik Graf über ROCKER von Klaus Lemke, Doris Dörrie über ALICE IN DEN STÄDTEN von Wim Wenders und Caroline Link über den ersten HEIMAT-Zyklus von Edgar Reitz. Die persönlichen Erinnerungen sind mit Filmausschnitten verbunden.
Die zehn Liebeserklärungen werden vertieft durch fünf spezielle Filmessays: Berlin im Film, Film im Nationalsozialismus, Film in der DDR, eine filmische Deutschlandreise und die Frage: Was ist das Deutsche am deutschen Film? Schließlich werden sechs Motive assoziativ erschlossen: Augen der Männer, Blicke der Frauen, Küsse, Schreie, Rauchen, Telefonieren - quer durch die deutsche Filmgeschichte. Wenn man den Film wie ein Rätselspiel anschaut, dann kann man die Titel von rund 250 deutschen Filmen erraten. Wenn der Film eigene Erinnerungen auslöst, dann möchte man (hoffentlich) viele der alten Filme wiedersehen.
Im Anschluss: Michael Althen und Hans Helmut Prinzler im Gespräch mit Claudia Dillmann
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21. Oktober
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Naxoshalle
"Tod in Teheran" - Auftragsmord im Namen Gottes
Ein Film von Thomas Giefer
"Auch wenn sie meinen Körper zerreißen, sie werden mich nicht von dir reißen", schreibt Parvaneh Forouhar ihrem Mann in einem Brief zum vierten Hochzeitstag.
35 Jahre später, am 28. November 1998, werden die bekannten iranischen Oppositions politiker gemeinsam in ihrem Haus in Teheran ermordet. Ihre in Deutschland lebende Tochter Parastou erfährt telefonisch vom Tod ihrer Eltern. Als sie zwei Tage später die Leichen identifizieren muss, ist sie sprachlos über die Brutalität des Verbrechens: Mit Dutzenden von Messerstichen sind die 60-jährige Parvaneh und der 70-jährige Dariush Forouhar hingerichtet worden. Das Haus ist verwüstet, ganze Wagenladungen von Dokumenten, ihr politisches Lebenswerk, sind verschwunden.
Grimmepreisträger Thomas Giefer hat die Forouhars noch kurz vor ihrer Ermordung getroffen und das letzte Interview mit ihnen aufgenommen – ein berührendes Filmdokument des alten Liebespaars und - unvorhergesehen - ein Testament ihrer lebenslangen politischen Partnerschaft.
Der Film rekonstruiert die haarsträubenden Details dieses politisch und religiös motivierten Mordes, begleitet Parastou Forouhar (*) bei ihrer Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit und verfolgt die Spuren des Verbrechens bis ins Machtzentrum des islamischen Gottesstaats.
Eine Innenansicht von religiösem Fanatismus und staatlichem Terror - zugleich aber auch ein Film über die Liebe, den Tod und den ewigen Traum von der Freiheit.
Filmgespräch mit dem Regisseur Thomas Giefer und der Protagonistin des Films,
Parastou Foruhar sowie dem iranischen Journalisten Ahmet Taheri.
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| 10. August |
Sommermusiktheater (1) Sommerwerft 22 Uhr Open Air
"Opernfieber"
Ein Film von Katharin Rupp (2004 / 70 Min.)
Es klingt wie ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten, aber es gibt sie tatsächlich, die bezahlten Stimmungsmacher, der italienischen Oper: Die "Claqueure". Ihr Ruf ist berüchtigt, die Geschichten und Mythen, die sich um sie ranken sind schillernd und bunt. Für viele gelten sie immer noch als einflussreich und gefährlich, für andere sind sie nichts als lästige Parasiten, aus glanzvolleren Tagen.
Alfredo, 28 kennt die Oper, liebt sie und lebt von ihr. Er sorgt sich sehr um die Zukunft des Hauses "San Carlo" in Neapel - und um seine eigene.
Er ist "Capo di Claque", Chef einer ganzen Bande von Claqueuren, die über das Weh und Wohl der Akteure richten. In eine Arie hineingeräuspert, gehustet, genießt, etwas laut fallen gelassen, zu früh oder gar nicht geklatscht, aber auch mit feurigem Applaus, Bravi-Rufen von den Rängen und brennender Begeisterung Karrieren befördert - allerdings nur wenn gezahlt wird. üblich sind zwanzig Prozent der Gage, vielleicht auch als kleiner Obolus an das Armenviertel Neapels aus dem Alfredo kommt.
Er zeigt uns, wie man "Claquer" wird und was zum Handwerkszeug gehört. Er sitzt bei jeder Probe im Parkett und macht sich Notizen. Später geht er mit der Partitur zum Maestro und zusammen legen die Beiden fest, wo wann welche Reaktion bei der Premiere gewünscht ist. Am Abend der Vorstellung "dirigiert" quasi Alfredo seine Claqueure.
Dafür wird er schließlich bezahlt. Manchmal weigert sich ein Künstler, mit den Claqueurs zu arbeiten. Die Konsequenzen können vernichtend sein.
Alfredo und seine "Tiffosi" sind nicht die Einzigen, die dieser Betätigung nachgehen. Nahezu jeder Opernbetrieb verfügt über seine ihm zugehörigen Claqueure, die untereinander streng hierarchisch organisiert sind. Auf Tourneen reisen Claqueure "ihren" Sängern hinterher, um sie auch an anderen Spielstätten zu "betreuen", dann treffen sie auf die dortigen Lokalmatadore.
Filmgespräch mit Vita Spieß, Kamerafrau (Sehstern Filmproduktion). Mod.: Sabine Imhof
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7. Oktober Dienstag |
Zum Tag des Flüchtlings im Oktober - Heimat und Flucht Filmmuseum
"News from Home" (2006 - 97 Min.)
Von Amos Gitai
Im 1948er Krieg von seinem palästinensischen Besitzer verlassen; von der israelischen Regierung als "leer stehend" enteignet; 1956 an jüdisch-algerische Immigranten vermietet; von einem Universitätsprofessor gekauft, der es 1980 in ein drei-geschossiges Haus umbaut...
Dieses Gebäude in West-Jerusalem ist nicht mehr der Mikrokosmos, der es vor 25 Jahren war. Seine Bewohner leben in alle Himmelsrichtungen verstreut. Der gemeinsame Ort hat sich aufgelöst, bleibt aber ein emotionales und physisches Zentrum im Herzen des israelisch-palästinensischen Konflikts. Konkrete Realität ist zu versprengten Geschichten und Erinnerungen geworden. Eine neue Identität, eine neue Diaspora haben sich entwickelt.
Gitai hat eine Art menschlicher Archäologie geschaffen. Er untersucht die Beziehungen zwischen den Einwohnern des Hauses, Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Israelis und Palästinensern. Alle werden auf ihre Art ein Symbol für das Schicksal der Region, der Welt.
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| 30. September |
Die Schönen Künste (5) Filmmuseum
"Bierbichler"
Film von Regina Schilling (2007 / 90 Min.)
Josef Bierbichler ist einer der renommiertesten Theater- und Filmschauspieler Deutschlands. Er spielt an allen großen deutschsprachigen Bühnen, wurde mehrfach zum "Schauspieler des Jahres" gewählt und erhielt für seine Hauptrolle im Kinofilm "Winterreise" 2006 den deutschen Filmpreis.
Regina Schilling hat den Ausnahmeschauspieler über zwei Jahre begleitet, seine zeitweiligen Weggefährten Werner Herzog und Herbert Achternbusch und Luisa Francia befragt, vor allem aber hat sie den Bauern- und Wirtssohn vom Starnberger See, der seit seiner Geburt 1948 im Gasthof der Familie lebt, zum Reden gebracht.
Bierbichler gibt offen Auskunft über seine Hassliebe zum Theater, über den Ursprung und die Sehnsucht nach der Kunst, darüber wie er mit dem Schauspielerdasein hadert und auf der Suche nach neuen Wegen ist. Man sieht ihn bei Theaterproben, folgt ihm während der Vorbereitungen zu seinem Theaterstück "Holzschlachten. Ein Stück Arbeit", in dem er Schauspieler, Regisseur und Dramaturg in einer Person ist.
Besondere Momente erlangt der Film durch Bierbichlers tagebuchartige Videoaufzeichnungen in und um sein Gasthaus. Er hält Situationen fest, in denen er ansonsten kein Kamerateam zulässt.
Das komplexe Porträt eines zarten Berserkers und Querkopfs, der die deutschen Bühnen und Filme (Werner Herzog "Herz aus Glas", Tom Tykwer "Die tödliche Maria", Michael Haneke "Code unbekannt") mit seiner unheimlichen, körperlichen Präsenz erfüllt.
Zum Filmgespräch kommen die Regisseurin Regina Schilling sowie Stephan Buchberger, der Produktionsleiter des "Ensemble Moderne", und Hermann Kretzschmar, Pianist beim Ensemble Moderne. Moderation: Elke Peters
Mehr Infos unter www.realfictionfilme.de
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| 23. Sept |
Lebenswelten (2) - Globalisierung und Entwicklungspolitik Naxoshalle
"Die Würde der Namenlosen"
Film von Fernando E. Solanas (2005 / 112 Min.)
Die "Würde der Namenlosen" erzählt die Geschichte von unzähligen Heldinnen und Helden des Alltags, die ihre eigene, ermutigende Antwort auf Hunger und Massenarbeitslosigkeit in Argentinien geben und an eine andere, bessere Zukunft glauben. Solanas zeigt anhand von einigen Schicksalen die Auswirkungen des Privatisierungs- und Ausverkaufswahns in Argentinien und was Entlassungen, wirtschaftlicher Niedergang und der Rückzug des Staates aus dem Sozial- und Bildungsbereich konkret bedeutet. Die Männer und Frauen, die Fernando Solanas in "die Würde der Namenlosen" porträtiert, zeigen, dass Widerstand möglich ist, Eigeninitiative weiterhelfen kann und das Beharren auf Würde sich lohnt.
Nachdem sich der argentinische Altmeister Fernando Solanas in MEMORIA DEL SAOUEO mit den neoliberalen Strukturen auseinandergesetzt hat, die in seiner Heimat die Wirtschaft ausverkauft und zerstört haben, widmet er sich in seinem neusten Dokument den betroffenen Menschen und zeigt Formen des Widerstands: Arbeiter öffnen geschlossene Firmen, Bauern verhindern Zwangsversteigerungen, Arbeitslose setzen die Regierung unter Druck. Ein starkes, ein bewegendes Stück Kino, das voll ins Leben eintaucht, dort, wo die Kameras sonst kaum hinkommen.
Der argentinische Filmemacher und politisch aktive Zeitgenosse Fernando Solanas hat sich von Beginn seiner Karriere an als engagierter Künstler bewiesen: Sein dokumentarisches Mammutwerk LA HORA DE LOS HORNOS (1968) zählt noch heute zu den Schlüsselmomenten der lateinamerikanischen Filmgeschichte.
Zum Filmgespräch kommen Mauricio Salazar (Mexiko / Evang. Akademie Bad Boll), Stefan Diefenbach (Weltladen Bornheim).
Als "special guest" kommt der argentinische Opernsänger Walter Castillo aus Buenos Aires zum Diskutieren und auch zum Singen.
Moderation: Ulrike Schneiberg / hr2-Kultur
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22. September Montag |
PREVIEW - früher als in der ARD! Naxoshalle
"Die Sudetendeutschen und Hitler (2 x 45 Min.)"
Zwei Filme von Henning Burk und Pavel Schnabel
Am 22. und 29. September jeweils um 22.15 Uhr zeigt der HR in der ARD den Doppelpack "Die Sudetenbeutschen und Hitler". Bei naxos.KINO IM THEATER können Sie die beiden Filme vorab sehen und mit den Regisseuren als auch mit der zuständigen Redakteurin des Hessischen Rundfunks, Esther Schapira, diskutieren. Nach weiteren Gesprächspartnern suchen wir noch. Lassen Sie sich diese Gelegenheit nicht entgehen!!!
Menschen werden geschlagen, bespuckt, davon gejagt. In überfüllten Zügen verlassen sie für immer ihre Heimat. Die Bilder der Vertreibung der Sudetendeutschen haben sich im kollektiven Gedächtnis der Deutschen festgesetzt. Im Bewusstsein der Tschechen dagegen sind andere Bilder präsent: Frauen, die Blumen streuen für den Führer Adolf Hitler, Sudetendeutsche, die "Heil" schreien und den rechten Arm zum Deutschen Gruß recken. Tatsächlich galt der "Sudetengau" als "Mustergau", hatte die NSDAP nirgendwo sonst so viele Mitglieder. Der ungeschönte Blick zurück auf die nationalsozialistische Begeisterung der Sudetendeutschen wurde hierzulande jahrzehntelang überlagert durch die furchtbaren Bilder der Vertreibung und schnell missverstanden als Versuch, der politischen Rechtfertigung.
Erst heute scheint es möglich zu sein, nicht das Unrecht der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft gegen das Unrecht der grausamen Vertreibung aufzurechnen. Doch wie dünn das Eis der Verständigung selbst im neuen vereinten Europa ist, zeigt die aktuelle Debatte um das Zentrum der Vertreibung in Berlin. Bis heute ist zwischen Deutschen und Tschechen strittig, wie viele Sudetendeutsche bei Massakern getötet wurden, an Entkräftung starben oder mit Selbstmord auf den Verlust ihrer Heimat reagierten. Historiker gehen von rund 30 000 Toten aus. Die Dimension dieser Tragödie hat jahrelang den Blick auf die Vorgeschichte getrübt, die im Mittelpunkt des ARD Zweiteilers "Die Sudetendeutschen und Hitler" steht.
Zum 70. Jahrestag des Münchner Abkommens unternimmt das deutsch-tschechische Autorenduo Henning Burk und Pavel Schnabel den Versuch, der Perspektive beider Seiten gerecht zu werden. Die Dokumentation verzichtet dabei auf die gängigen Schuldzuweisungen. Im Mittepunkt stehen die Erinnerungen der Menschen, die selbst Teil dieser Tragöde waren und das einzigartige böhmisch-mährischen Völkergemisch als Zeitzeugen erlebt haben: Volksdeutsche, Juden, Tschechen, Sozialdemokraten. In ihren Erinnerungen suchen die Autoren Antwort auf die Frage, wie der Hass entstand, der in den Gewaltexzessen der Vertreibung gipfelte. In ihren Erzählungen wird der unselige Verlauf dieses tragischen historischen Konflikts persönlich spürbar. Zugleich differenziert sich der Blick. Nicht
"die Deutschen" und "die Tschechen" sprechen, sondern Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Erkenntnissen, darunter Deutsche, die sich zur tschechoslowakischen Republik bekannten, sudetendeutsche Hitlergegner, die am Ende für die Tschechen nur noch unerwünschte Deutsche waren.
(ca. 20 Uhr) - Die Sudetendeutschen und Hitler
Teil I: Heim ins Reich (1918-1938)
"Jetzt sind wir frei, so haben wir gedacht. Jetzt können wir endlich deutsch sein." Katharina Jaschek erinnert sich noch gut an den September 1938, als das Sudetenland "heim ins Reich" kehrte. "Bei den Deutschen war es eine ungeheure Freude. Das ganze Dorf hat gejubelt und gesungen" erzählt auch Josef Skrabek, Sohn einer Deutschen und eines tschechischen Postbeamten. Die Skrabeks aber ahnten, was nun passierte. Der Vater verlor seine Stelle, die Familie floh nach Prag. Die Freude der Deutschen steht am Ende, der Jubel der Tschechen am Anfang der ersten Folge des ARD-Zweiteilers.
Die Unterzeichnung des Münchner Abkommens am 29. September 1938 markierte das vorläufige Ende eines uralten Konflikts zwischen Tschechen und Deutschen, dessen kritische Phase 1918 mit dem Zerfall der Donaumonarchie beginnt. Mit einer Revolution gelingt es den Tschechen zusammen mit den Slowaken auf dem Boden der einstigen österreichischen Kronländer "Böhmen und Mähren" die erste tschechoslowakische Republik zu gründen. Was für die Tschechen ein Durchbruch war zu einer eigenen Identität, war für die mehrheitlich Deutsch sprechende Bevölkerung ein Alptraum. Aus der früher tonangebenden deutsch sprechenden Bevölkerung Böhmens und Mährens ist im neuen Staat Tschechoslowakei eine Minderheit geworden, die verzweifelt um ihr kulturelles und wirtschaftliches Überleben kämpft.
Deutsche Schulen werden reihenweise geschlossen, wie Fritz Hawelka sich erinnert, dessen Vater als deutscher Lehrer arbeitslos wurde. Die Kinder sollen auf tschechische Schulen gehen und Tschechisch, die neue Amtssprache, lernen. Doch für einen Jungen wie Herbert Fleissner in Eger, wo die meisten Deutsch sprechen, kommt das nicht in Frage. Je heftiger die Deutschen bedrängt werden, Tschechoslowaken zu werden, umso stärker wird ihr Widerstand. Daraufhin besetzen tschechoslowakische Truppen die deutschsprachigen Grenzgebiete zu Deutschland und Österreich, das so genannte Sudetenland. Bei gewalttätigen Protesten gibt es die ersten Toten. 50 Deutschböhmen sterben, als an mehreren Orten Regierungstruppen in die Menge schießen. Die Repressionen nehmen zu, die Benachteiligungen durch den tschechischen Staat wachsen. Der Schutz für die deutsche Minderheit steht nur noch auf dem Papier.
Da sieht eine Mann seine Chance: beflügelt durch die Machtübernahme Hitlers in Deutschland, gründet 1933 der Sudetendeutsche Konrad Henlein eine Sammlungsbewegung, die sich Autonomie und Selbstbestimmung der Deutschen auf die Fahnen schreibt. Je radikaler ihre Parolen werden, umso mehr Zulauf erhält sie. Die Tschechen erleben, wie aus ihren deutschen Nachbarn überzeugte Nazis werden. Lumir Tucek erinnert sich an einen Besuch seiner Eltern bei einer Versammlung der Sudetendeutschen Partei im heimatlichen Bilina: "Sie sprachen über Leute, die sie kannten: "Der war dort. Und der auch... Die waren doch immer anständig und jetzt sind sie so". Nicht alle Sudetendeutschen unterstützen Konrad Henlein. Der Sozialdemokrat Lorenz Knorr etwa gehört zu jenen, die sich heftige Saalschlachten mit den Henlein-Leuten liefern und er schmuggelt politisches Aufklärungsmaterial über die deutsche Grenze. Doch auch er kann nicht verhindern, dass die Mehrheit sich immer klarer auf Seiten der Nazis stellt.
Was dies insbesondere für die jüdischen Sudetendeutschen bedeutet, erzählt Eva Mändel-Roubickova: "Da war jeden Montag am Abend eine Hitlerrede und da sind die Leute brüllend auf die Straße und haben uns Steine in die Fenster geworfen und haben gebrüllt Juden raus, also das war wirklich unerträglich." Gezielt und mit tatkräftiger Unterstützung Hitlers provoziert die Henlein-Partei Unruhen und versucht, die Krise so anzuheizen, dass ein Krieg unvermeidlich scheint. Die Tschechen machen mobil und sind überzeugt, Hitler militärisch aufhalten zu können: aus eigener Kraft und mit Unterstützung der Verbündeten England und Frankreich. Doch der Kampf bleibt aus. Zu groß ist die Friedenssehnsucht in Europa, der Wunsch, nach dem verheerenden Ersten Weltkrieg einen neuen Krieg auf alle Fälle zu verhindern.
Die Alliierten unterzeichnen das Münchner Abkommen. Den Preis zahlen die Tschechen. Ihre gut gerüstete Armee muss kampflos zusehen, wie das Land zerstückelt wird. "Damals habe ich überhaupt nicht verstanden, warum wir nicht kämpfen. Ich war völlig überzeugt davon: Auf unserer Seite ist das Recht, wir müssen doch siegen" erinnert sich Lumir Tucek. Die Macht aber lag jetzt in den Händen der Deutschen. Und sie nutzten sie umgehend, um sich an ihren Gegnern zu rächen.
(ca. 20,50 Uhr) Die Sudetendeutschen und Hitler
Teil II: Verlorene Heimat (1938-1945)
"Unsere Heimkehr ins Reich ist die Erfüllung eines Jahrhunderte langen Traumes, für den schon unsere Väter gekämpft und gelitten haben," hatte Konrad Henlein, der Führer der Sudetendeutschen Partei, gejubelt als die Tschechoslowakei durch das Münchner Abkommen gezwungen worden war, die Grenzgebiete mit deutscher Mehrheit an das Deutsche Reich abzutreten. "Wir sind auf der richtigen Seite! Es war ein Hochgefühl" erinnert sich Herbert Fleissner an seine Begeisterung als junger Mann. Nur acht Jahre später sollte sich der tragische Irrtum zeigen. Die Sudetendeutschen bezahlten bitter für den Jubel für Hitler - mit dem endgültigen Verlust ihrer Heimat.
Teil 2 der Dokumentation beginnt mit Hitlers Triumph, der Angliederung des Sudetenlandes an das Deutsche Reich. Für die meisten Sudetendeutschen ist es ein Augenblick großer Freude, für die anderen aber beginnt jetzt das große Zittern. Der junge Sozialdemokrat Lorenz Knorr wird sofort verhaftet und gefoltert. Er soll unterzeichnen, dass er sich fortan "für den Sozialismus Adolf Hitlers" entscheidet und bereit ist, "treu dem Führer zu dienen. Das hab ich nicht unterzeichnet."
Konrad Henlein macht aus dem Sudetenland einen "Mustergau". 20 000 Hitlergegner werden verhaftet, 2500 allein sofort ins KZ Dachau gesperrt. Rudolf Küchlers jüdischer Vater wird ins KZ Oranienburg gesperrt, seine deutsche Mutter flüchtet mit ihm nach Prag, so wie Zehntausende Juden, Tschechen und sudetendeutsche Hitlergegner. Der damals 13jährige Vladimir Novak musste mit seiner Familie sein Zuhause sofort verlassen, um der Verhaftungswelle in Aussig zu entkommen. "Wir konnten nichts mitnehmen, mussten alles da lassen, um es später zu holen. Aber dazu kam es nicht mehr. Nachdem das Grenzgebiet abgetrennt worden war, hatten wir keine Gelegenheit mehr zurückzukehren."
Sie finden Zuschlupf bei Freunden. Auch die jüdische Familie Mändel aus Saaz ist auf der Flucht. Zu fünft wohnen sie in einem Zimmer. Prag ist völlig überfüllt mit Flüchtlingen, die hoffen, hier in Sicherheit zu sein. Doch wenig später zeigt sich, wie berechtigt die Befürchtung der Tschechen war, dass es Hitler tatsächlich nicht um die Befreiung der Sudeten ging, sondern um die Eroberung der Tschechoslowakei. Im März 1939 marschiert die deutsche Armee in Prag ein und errichtet auf dem Boden der übrig gebliebenen "Resttschechei" das "Protektorat Böhmen und Mähren".
Vor allem die tschechischen Studenten protestieren und gehen auf die Straße. Ihr Widerstand wird blutig niedergeschlagen. Neun Studentenführer werden erschossen, 1200 Studenten verhaftet und ins KZ verschleppt, die tschechischen Universitäten geschlossen.
Mit Kriegsbeginn verändert sich die Situation für die Sudetendeutschen dramatisch. Aus "Heim ins Reich" ist "Raus an die Front" geworden. Der Widerstand der Tschechen wächst und zeigt sich nun auch in der Sabotage der deutschen Waffenproduktion in Pilsen und Brünn. Reinhard Heydrich soll für Ruhe sorgen. Er überzieht das Land mit einer neuen Terrorwelle, Teil seines Auftrags, ganz Böhmen und Mähren nach dem Krieg zu germanisieren und die Tschechen zu vertreiben. Im Mai 1942 stirbt Heydrich nach einem Attentat. Die Rache der Deutschen ist furchtbar. In den folgenden Wochen werden etwa 2000 Menschen getötet, darunter die Bewohner des Dorfes Lidice, dass vollständig ausgelöscht wird.
Als 1945 die Alliierten näher rückten, drehen die Tschechen den Spieß um. Eine Wut- und Hasswelle richtet sich gegen alles Deutsche. Die Deutschen werden gezwungen, Kennzeichen zu tragen. Bei den folgenden "wilden Vertreibungen" werden Tausende ermordet. "Geradezu buchstäblich von einer Minute auf die andere sind aus friedlichen tschechischen Nachbarn plötzlich geradezu fratzenhaft entstellte Gesichter geworden, die mit einer geradezu unglaublichen Menge an unflätigsten Ausdrücken über uns hergefallen sind und all die Wut, all der Zorn, die sich während der Besatzungszeit von 39 bis 45 angesammelt hatten, die sind auf einmal auf uns, auch auf uns Kinder, niedergeprasselt", erinnert sich Otfrid Pustejovsky. Der Befehl zum Massaker von Aussig kommt aus dem Innenministerium, das die Roten Garden in die Stadt schickt. Mindestens 100, vielleicht aber auch 200 oder mehr Menschen sterben. Sie werden ertränkt, erschossen, erschlagen. Am Ende haben fast drei Millionen Deutsche ihre Heimat verloren und unzählige Tschechen und Juden.
(ca. 21.45) Filmgespräch
mit Esther Schapira, Hessischer Rundfunk
Pavel Schnabel, (Regisseur)
Dr. Jörg Osterloh, Fritz-Bauer-Institut Frankfurt
Lorenz Knorr, Zeitzeuge
Alfred Herold, Landesvorsitzender Hessen des Bundes der Vertriebenen
Moderation: Susanne Hillebrand und Wolf Lindner
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| 16. Sept |
Lebenswelten (1) - Globalisierung und Entwicklungspolitik Naxoshalle
"Der große Ausverkauf"
Film von Florian Opitz (2007 / 94 Min.)
Vier Tragödien auf vier Kontinenten: Was dunkle Häuser im südafrikanischen Soweto, tragische Zugunglücke in Großbritannien, schlechte Krankenversorgung in Manila und ein Wasserkrieg im bolivianischen Cochabamba miteinander zu tun haben. Florian Opitz' Dokumentarfilm Der große Ausverkauf handelt von den negativen Folgen der Privatisierung öffentlicher Dienste und gibt Augen öffnende Einblicke in das Leben der betroffenen Menschen. (...)
Lange gesucht hat er seine "Helden"; wollte er doch Protagonisten zeigen, die nicht passive Opfer der Privatisierung sind, sondern ihr Schicksal in die Hand nehmen und aktiv bekämpfen. Und er wurde fündig - auf vier unterschiedlichen Kontinenten:
Da gibt es den 32-jährigen Bogani unterwegs auf den staubigen Straßen des südafrikanischen Townships Soweto. Unter der Operation "Licht an!" schließt er die Häuser wieder ans Stromnetz, deren Bewohner die horrenden Stromrechnungen des privaten Anbieters ESKOM nicht mehr bezahlen konnten. Illegal natürlich.
Dann gibt es die Geschichte der im Slum von Manila lebenden 53-jährigen Minda Lorando, deren Sohn an einem Nierenleiden erkrankt ist und zweimal wöchentlich eine Dialyse benötigt. Seit das philippinische Gesundheitssystem privatisiert wurde, und folglich mittellosen Menschen keine medizinische Versorgung gewährt wird, ist es längst zu Mirandas Hauptbeschäftigung geworden, fortwährend neue Geldgeber für die Behandlung ihres Sohnes aufzutreiben. (...)
Die dritte Geschichte porträtiert den britischen Lokführer Simon Weller, der Einblicke in den desaströsen Zustand des Britischen Bahnsystems nach der Privatisierung der British Rail in Großbritannien gibt. Reisen per Zug ist auf der Insel tatsächlich kein Vergnügen: Verspätungen. schmutzige, voltgestopfte Züge, teure Preise sind die eine unangenehme Seite. Ein marodes Schienennetz, ausbleibende Investitionen und unabgeglichene Fahrpläne die andere, dunklere, zu tödlichen Unfällen führende Seite.
Und dann sind da die Bürger Cochabambas, der drittgrößten Stadt Boliviens, die gegen einen US-Konzern kämpfen, der die Wasserversorgung der Stadt unter seine Kontrolle gebracht und die Trinkwasserpreise bis zur Unbezahlbarkeit hochgetrieben hat.
Vier Geschichten, die nicht nacheinander, sondern geschickt ineinander verwoben erzählt werden, decken die fatalen Folgen der Privatisierung auf.
Dr. Stefan Bergheim, Senior Economist,
Macro Trends, Deutsche Bank Research
Ursula Artmann, Weltladen Frankfurt
N. N. (attac) und Angelika Wahl (initiativen gegen Privatisierung)
Moderation: Petra Diebold
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| 9. Sept. |
Der Film & Das Buch Naxoshalle 20:00 Uhr
"Der Film: Fesseln spürt wer sich bewegt"
Dokumentarfilm von Thomas Carle (1982 / 60 Min.)
"Das Buch: Tödliche Schüsse" von Wolf Wetzel
Dokumentarische Erzählung (Unrast Verlag 2008)
Szenische Lesungen mit Wolf Wetzel u. a.
Das Buch setzt ein, wo der Film aufgehört hat: mit den tödlichen Schüssen auf zwei Polizisten am Rande der Startbahn West.
Der Film beginnt mit Aufnahmen des stacheldrahtbewehrten und parolenübersäten Bauzauns des Startbahngeländes, die unterlegt sind mit Radioaufnahmen des US-Militärsenders AFN und einer deutschen Nachrichtenmeldung. Es folgen spätsommerliche Bilder vom Hüttendorf und einem gemeinsamen Essen der Bewohner mit Originalton. Das erste Interview schließt sich an, ein junger Mann erläutert sein Verhältnis zur Gegengewalt und läßt erkennen, dass er eine intelligente Gewaltanwendung gegen die Staatsmacht für gerechtfertigt hält, aber auch, daß diese Einstellung problematisch für andere Startbahngegner ist. Dass zwischen den Startbahngegnern keine Einigkeit vorherrschte, wird durch die Aussagen von Hausfrauen aus den Umliegergemeinden belegt, die die Hüttendorfbewohner skeptisch betrachteten.
In einem Interview erzählt eine jungen Frau von ihrer schweren Kindheit und dem Aufenthalt in einer Erziehungsanstalt - es wird ein Einzelschicksal gezeigt. Dass sie eine zweite Heimat im Hüttendorf gefunden hat, scheint die bürgerlichen Kritiker zu bestätigen, die sagten, dass im Hüttendorf gar nicht die Betroffenen wohnten, sondern nur "irgendwelche Freaks".
Doch plötzlich ist das Dorf nicht mehr Gegenstand des Films. Die Bauarbeiten für die Verlegung der Okrifteler Straße beginnen, die Großdemonstration mit Tausenden von Teilnehmern zeigt die nun wieder geschlossen auftretende Gegnerschaft. Die Streitereien um die Legitimität von Gewalt wurden dadurch ad absurdum geführt, als die Polizeimacht anfing, Nato-Stacheldraht auszulegen und schlagstockbewehrte und gepanzerte Polizisten aufmarschieren zu lassen.
Die Kamera ist inmitten der Reihen von Demonstranten, als die Polizisten anfangen, gegen die Sitzblockaden vorzugehen. Die Aufnahme wurden mitten im Geschehen gemacht, der heftige Eindruck der Bilder wird verstärkt durch den Originalton, einem Chaos aus Schreien, Maschinenlärm und anderem Krach. Die Hilflosigkeit der friedlichen Demonstranten gegen die rücksichtslose Polizeigewalt wird deutlich, aber der Film zeigt durch Nahaufnahmen auch, dass auf der anderen Seite zumeist junge Polizisten stehen.
Carle versuchte weiter, Aussagen der Startbahngegner aufzuzeichnen. Denn noch immer wurden auf Seiten der Demonstranten Diskussionen um Gewalt geführt und immer wieder wurden Gesprächsangebote an die Polizisten gemacht. Und immer wieder antwortet die Staatsgewalt mit Wasserwerfern, und selbst die Anwendung der Chemischen Keule ist im Film zu sehen. Die Eskalation der Gewalt zeigt der Film in nächtlichen Aufnahmen, in denen Demonstranten gegen den Betonzaun des Startbahngeländes vorgehen. Das gleißende Licht der Polizeischeinwerfer und das Durcheinander der Schreie und Geräusche auf der Tonspur machen deutlich, dass hier Extremsituationen gefilmt wurden. Es folgen schockierende Bilder von Schlagstockeinsätzen vom "Blutigen Sonntag" am 11.10.1981. Ein Startbahngegner zeigt den zertrümmerten Helm eines Sanitäters und berichtet von brutalen Polizisten und den vielen schwerverletzten Demonstranten. Der Film zeigt das Ende des Hüttendorfes und die Zerstörung der Bauten, mit denen er begonnen hatte, ein alter Mann erzählt seine Beobachtungen des Polizeieinsatzes gegen wehrlose Demonstranten.
Wieder schließen sich Gespräche mit Startbahngegnern an, die die Machtlosigkeit gegenüber den Politikern als bedrückend empfinden. Die Aufnahmen von der Silvesternacht 1981 zeigen andere Eindrücke, die Gewalt ist schon zum Selbstläufer geworden. Der Film schließt mit Meldungen, dass die Startbahn West von vornherein ein militärisches Projekt gewesen sei und dass der Antrag für ein Volksbegehren Anfang 1982 abgelehnt wurde.
http://www.thomascarle.de/13fesseln.html
http://www.deutsches-filminstitut.de/sozialgeschichte/mov/f035.htm
"Tödliche Schüsse":
Am 2.11.2007 jährte sich ein Ereignis, das als Novum in die Geschichte sozialer Bewegungen eingehen sollte: Im Verlauf einer Nachtaktion am Frankfurter Flughafen, an der sich ca. 400 StartbahngegnerInnen beteiligten, wurden tödliche Schüsse auf Polizeibeamte abgegeben.
Die dokumentarische Erzählung basiert auf über fünfzehn Interviews mit damals Beteiligten. Im Zentrum der Erzählung steht die Rekonstruktion dieser nächtlichen Demonstration: Die LeserInnen begleiten die ProtagonistInnen durch den Wald, an die Startbahn, zurück nach Hause, ins Polizeigewahrsam, zum Verhör - eingeholt von Ereignissen, die ihr bisheriges Leben gewaltig ins Wanken brachten (Hüttendorfräumung/1981, Tod von Günther Sare/1985, Tschernobyl/1986, Strommastaktionen / 1986, Demonstration gegen die Plutoniumfabriken Alkem-Nukem in Hanau/1986).
Auch wenn die Auseinandersetzung um die "Startbahn West" im Mittelpunkt dieses Buches steht, so ist es auch ein Buch über die 80er Jahre und den Versuch, zwischen kommunistischen Kaderparteien und Alternativbewegung, zwischen der Roten Armee Fraktion (RAF) und dem "Marsch durch die Institutionen" neue Wege zu gehen.
Ausschnitte des Buches werden Ihnen präsentiert durch eine szenische Lesung mit Wolf Wetzel und anderen.
Filmgespräch mit Thomas Carle (Regisseur) und Wolf Wetzel (Autor). Moderation: Wolf Lindner
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| 26. August |
Sommermusiktheater (4) in der Naxoshalle
MONKS -THE TRANSATLANTIC FEEDBACK
Film von Dietmar Post und Lucia Palacios (USA/D/SP - 100 min)
Adolf-Grimme-Preis 2008
Die Avantgarde-Mönche
In dem ungewöhnlichen Musik-Dokumentarfilm "monks - the transatlantic feedback" von Dietmar Post und Lucia Palacios geht es um die legendäre, stilbildende Beat-Band "The Monks", über die "Rolling Stone" schrieb: "Bis heute gibt es nichts in Kunst, Rock, Punk- oder Nut-Rock, das der verrückten konzeptuellen Strenge des Images der Monks und dem rohen, Avant-Biergarten-Sound der einzigen LP der Gruppe 'Black Monk Time' nahe kommt."
Mitte der 60er Jahre kam es in Deutschland zu einem einzigartigen deutschamerikanischen Kulturaustausch: Fünf in Deutschland lebende, amerikanische Ex-Soldaten, die während ihrer Militärzeit eine Beat-Band gegründet hatten, trafen auf zwei deutsche Künstler und Beat-Fans. Gemeinsam entwarfen sie ein Band-Konzept, das mit dem gängigen Bild des Beat brach: Die "Monks" schnitten sich die Haare kurz, rasierten sich Tonsuren und trugen anstelle von Krawatten Galgenstricke um den Hals. Ihre Musik war minimalistisch und aggressiv, ihre Texte ironisch und radikal, ihre ästhetik provokant und dadaistisch.
Die besondere Situation zwischen Adenauer-Politik und Vietnamkrieg, amerikanischer Pop- und wachsender deutscher Gegenkultur manifestierte sich in den radikalen Anti-Kriegsliedern der Monks und der eigenwilligen Melange aus anglo-amerikanischem Pop und deutscher Avantgarde Heute gelten die "Monks" als geniale Wegbereiter diverser moderner Musikströmungen; Bands wie Faust, Can, Amon Düül oder Kraftwerk sowie verschiedene Protagonisten des Punk können als ihre direkten Nachfahren angesehen werden.
Aus den persönlichen Erinnerungen der fünf Musiker und umfangreichem Archivmaterial rekonstruierten die Dokumentarfilmer Dietmar Post und Lucia Palacios diesen besonderen Moment deutsch-amerikanischer Zeit- und Popgeschichte.
"Während die Beatles in den 60er-Jahren Massenhysterien unter Europas Teenagern auslösten, lief in ihrem Schatten eine nicht minder spannende Geschichte ab: fünf amerikanische GIs, in Deutschland stationiert, die nicht von Liebe sangen, sondern von Vietnam, Hass und Kaltem Krieg. Die Monks verkörperten mit ihren tranceartigen, monotonen Rhythmen und ihrer Radikalität eine Gegenkultur in Reinform - und überforderten damit den Großteil der entstehenden Jugendbewegung, wie "Beatclub"-Ausschnitte von Konzerten der Band dokumentieren, auf denen das Publikum weitgehend ratlos umherblickt.
Visionär und minimalistisch war der Sound dieser Band, seiner Zeit Lichtjahre voraus. Dass die Monks nun nicht länger nur einem kleinen Zirkel von Musikexperten ein Begriff sind, wo sie schon lange als Wegbereiter für Elektroacts wie Kraftwerk gefeiert werden, ist diesem Film zu verdanken. Anhand von Musik, Interviews mit Bandmitgliedern und Zeitzeugen, Foto- und Videomaterial rekonstruieren Dietmar Post und Lucia Palacios die Geschichte der Band. Nicht nur in musikalischer Hinsicht ist das sehens- und hörenswert; thematisiert der Film doch auch die Selbstzweifel und das Weiterleben von Menschen mit einem ausgeträumten Traum. Das macht ihn zu einem berührenden Dokument der Musikgeschichte."
(Kultur-News)
Zum Filmgespräch kommen Katya Mader, Filmredakteurin bei 3sat, die diesen Film "ins Programm gehoben" hat, und Klaus Walter, Musikjournalist, Discjockey und Radiomoderator bei hr3. Es moderiert Petra Widmayer.
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| 19. August |
Sommermusiktheater (3) im Filmmuseum 20:00 Uhr
"Touch the Sound "
Film von Thomas Riedelsheimer (D/UK 2004 - 100 min.)
Eine alte Fabrikhalle, irgendwo im Ruhrgebiet. Evelyn Glennie, vielleicht die klassische Perkussionistin schlechthin, nimmt eine neue CD auf. Sie spielt und improvisiert mit Fred Frith, dem Altmeister der Avantgarde-Musik. Was hier beginnt, ist eine Reise um die Welt, durch Bilder und Klänge.
Der Filmemacher Thomas Riedelsheimer geht mit auf diese Reise, deren Wege von den Geräuschen und Rhythmen des täglichen Lebens tief in die innere Welt des Klangs führen. Vom Atmen zum Herzschlag, von der Stille zur Musik, vom Hören zum Sehen und zum Fühlen. Niemand könnte diese Beziehung zwischen Rhythmus und Materie, Klang und Sehen besser erkunden als Evelyn Glennie, die nach herkömmlichen Begriffen weitgehend taub ist. Für Evelyn Glennie ist das Hören eine Form der Berührung.
Wie schon in Rivers and Tides durchbricht Thomas Riedelsheimer die konventionellen Kategorien der Wahrnehmung und die scheinbare Linearität der Zeit. Gemeinsam mit Evelyn Glennie und ihren musikalischen Partnern tauchen wir eine in eine faszinierende Welt, in der Klang Materie ist, in der wir anfangen, Bilder zu hören und Klänge zu sehen.
Text: Piffl, filmz.de
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| 18. August |
Sommermusiktheater (2) und Kurzfilme Sommerwerft 22 Uhr Open Air
"Nomaden der Straße"
Ein Film von Gregor Buchhaus, Paulus Jakob und Arian Andiel (österreich 2005 - 60 Min.)
Das Debut dreier junger, österreichischer Dokumentarfilmer, mit dem sie sich erstmals einem breiteren Publikum vorstellen möchten.
Auf einer Reise durch zahlreiche europäische Städte, mit dem Ziel, Strassenmusiker und -performer zu porträtieren, gelang es ihnen, ein äußerst poetisches Bild dieses oftmals unterschätzten Genres zu zeichnen.
Großartige Künstler, Musiker, Gaukler, Artisten aus aller Welt füllen diesen Film mit ihren einzigartigen Darbietungen, beleben die Strassen Europas mit ihrer Individualität; ein variationsreicher Kontrast zu Tourismus, Konsum und Geschäftigkeit.
Die Sprache des Filmes ist bildhaft, bezaubernd, inspirierend - und entführt den Zuschauer auf eine phantastische Reise in die Welt der "Busker".
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| 17. August |
Sommermusiktheater (1) und Kurzfilme Sommerwerft 22 Uhr Open Air
"El Acordeon del Diablo - Das Akkordeon des Teufels"
Ein Film von von Stefan Schwietert(Kolumbien/Deutschland 2001 - 90 Min.)
EL ACORDEON DEL DIABLO ist eine Reise an die kolumbianische Karibikküste, in die Heimat des großen Sängers und Komponisten Pacho Rada. Mit ihm taucht der Film ein in die Musik der Karibik, in das Reich von Cumbia, Vallenato und Son. Es ist eine Welt von Musikern wie Alfredo Gutierrez, der die Stierkampfmusik seiner Heimat in einen fiebrigen, pulsierenden Big-Band-Sound verwandelt. Oder Israel Romero, unbestrittener Star und König des Vallenato-Akkordeons, der sich mit seinem Neffen El Morré einen atemberaubenden Zweikampf unter Akkordeonvirtuosen liefert.
Francisco 'Pacho' Rada selbst ist heute 93 Jahre alt. Er lebt in einer Wellblechhütte am Stadtrand von Santa Marta, während seine Musik die Hitparaden stürmt. Seine Lebensgeschichte aber ist eine Legende. Sie inspirierte Gabriel Garcia Marquez zur Figur des Troubadours "Francisco El Hombre", die sich wie ein roter Faden durch seinen Roman "Hundert Jahre Einsamkeit" zieht. In EL ACORDEON DEL DIABLO erzählt Pacho Rada seine Version der Geschichte. Mit vier Jahren hält er zum ersten Mal ein Akkordeon in der Hand und läßt es nie wieder los. Er zieht als junger Mann von Dorf zu Dorf, von Fest zu Fest, spielt und singt für ein paar Centavos, komponiert dabei unzählige Lieder. Und er berichtet von jener Nacht, in der er den Teufel in einem Akkordeonduell bezwang und seine Seele rettete.
Wie in den Romanen von Marquez sind auch in den Erinnerungen von Pacho Rada die Grenzen zwischen Fantasie und Realität aufgehoben. Für ihn, der 422 Enkel und Urenkel hat, ist der tägliche überlebenskampf in Kolumbien so wirklich wie Fabeln und Märchen über Hexen und Ungeheuer. Der Film folgt ihm auf seiner Reise in beiden Welten: in ein Land, das von Armut und Gewalt zerrissen wird, und in ein Reich fantastischer Legenden und mitreissender Musik.
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| 12. August |
Palästina (4) in der Naxoshalle
"Balagan"
Film von Andres Veiel (1994 / 90 Min.)
Friedenspreis der Berliner Filmfestspiele (1994)
Deutscher Filmpreis 1994
BALAGAN, die hebräische Umschreibung für das Chaos in Kopf und Bauch, erzählt von zwei jüdischen und einem palästinensischem Schauspieler aus Israel, die seit vielen Jahren zusammenarbeiten - unter anderem auch in dem in Deutschland gefeierten und umstrittenen Theaterstück ARBEIT MACHT FREI. Die schauspielerische Arbeit bedeutet für die Darsteller Madi, Moni und Khaled in einem Land im Kriegszustand ein großes persönliches Risiko. Die gemeinsam erarbeitete Aufführung und das Leben der Schauspieler verschmelzen in BALAGAN zu einer explosiven Mischung.
Madi, Tochter eines überlebenden, sieht ihre Theater-Arbeit als Blasphamie an: Die Holocaustrituale sind in Israel in ihren Augen zur Religion verkommen; sie stellen nur noch ein "Opium für die Massen" dar. Madi balanciert auf den Grenzen der Tabuzonen, wenn sie sich etwa in verführerischer Weise zur "Faszination" des Horst Wessellied bekennt und es mit israelischen Nationalliedern vermischt vorträgt.
Der jüdisch orthodoxe Schauspieler Moni wird zwischen seinen religiösen Ansprüchen und der Theaterarbeit zerrissen. Seine Familie sieht ihn als gefährdet an, weil er mit dem Palästinenser Khaled zusammenarbeitet.
Khaled - der früher nichts von der Shoah wusste - beschäftigt sich für das Stück zum ersten Mal mit dem Holocaust; er gilt unter seinen Freunden aus dem Dorf als Verräter, weil er sich in ihren Augen mehr für die Leiden der Juden als für die seines eigenen Volkes interessiert.
"Die Arbeit von Andres Veiel geht an jene Schmerzgrenze, die nur erreicht, wer beim Blick auf die Massenvernichtung der Juden bereit ist, alle Gewissheiten des moralischen Urteils und der Ordnung stiftenden historischen Deutung auf die Probe zu stellen." (Neue Züricher Zeitung)
"Das Großartige an dem Film ist, dass er keine Tabus scheut und deshalb allen Fundamentalismen - welcher Art auch immer - Paroli bietet." (Walter Jens)
BALAGAN wurde als der "aufregendste Film" des INTERNATIONALEN LEIPZIGER DOKUMENTARFILM FESTIVALS gefeiert und gleich mit zwei Preisen ausgezeichnet. Auf den Berliner Filmfestspielen erhielt BALAGAN den Friedensfilmpreis, gestiftet und verliehen von Walter und Inge Jens. Daneben wurde er mit dem DEUTSCHEN FILMPREIS in Silber ausgezeichnet.
Filmbilder:
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Zum Filmgespräch kommen der palästinensische Arzt Yassid Bashir und Khalil Toama aus dem Vorstand der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft ("Ich betrachte mich nicht als Friedenskämpfer sonder als Kämpfer fär Gerechtigkeit..."). Angefragt ist aus Berlin der junge Buchautor Martin Schäuble. Er hat vor kurzem das Buch "Die Geschichte der Israelis und Palästinenser" veröffentlicht.
Moderation: Sandra Zimmermann
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| 05. August |
Palästina (3) in der Naxoshalle 20 Uhr
"Asurot - Eingeschlossen"
Ein Film von Anat Even und Ada Ushpiz (Israel 2001 / 73 Min.)
Goldene Taube Leipzig 2001
Im Stadtzentrum von Hebron leben drei palästinensische Witwen mit ihren insgesamt elf Kindern in einer absurden Lage: seit 1997 befindet sich ihr Haus exakt auf der Grenze - die Vorderseite steht unter israelischem Kommando, die Palästinenser überwachen die Rückseite. Auf dem Dach befindet sich ein israelischer Militärposten und auch im Treppenhaus wimmelt es nur so von Soldaten. Die Frauen dürfen die Grenze nicht passieren; sie sind Gefangene in ihrem eigenen Haus.
Die israelischen Filmemacherinnen zeigen die drei Frauen in ihrer ganzen Menschlichkeit - fernab vom stereotypen Bild palästinensischer Frauen, das in der israelischen Gesellschaft aufrechterhalten wird.
"Als israelische Regisseurinnen, die die zunehmenden Folgen der Unterdrückung in den besetzten Gebieten und in unserer eigenen Gesellschaft leid sind, wollten wir die Willkür der Besatzung schildern, wie sie sich durch die vergitterten Fenster eines besetzten Hauses darstellt, um den schmalen Grad zwischen einem Lächeln und einem Schuss zu zeigen.
Die Intimität und Zuneigung, die sich während der einjährigen Dreharbeiten zwischen uns und Najwa, Nawal und Shiam entwickelt hat, machte es uns möglich, sie in ihrer ganzen Menschlichkeit, als echte Frauen, weit entfernt von dem stereotypen Bild, das unsere Gesellschaft von palästinensischen Frauen hat, zu zeigen"
Filmbilder:
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(Anat Even & Ada Ushpiz)
Zum Filmgespräch erwarten wir Thomas Seiterich, Redakteur bei Publik-Forum und seit vielen Jahren engagiert für den Frieden in Nahost, und die Produzentin des Films "Eingeschlossen", Irit Neidhardt (Middle East Cinema)
Moderation: Nicolai Bockelmann und Wolf Lindner
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| 29. Juli |
Palästina (2) im Filmmuseum 20:00 Uhr
"Film 1: Eines Tages werden wir zurückkehren..."
Von Hannes Gulde und Stefanie Landgraf (1980 / 43 min)
Fast drei Millionen Palästinenser leben als Vertriebene und Flüchtlinge in der ganzen Welt verstreut. Im Libanon sind es allein über 500tsd. in 20 Lagern.
Das Bild heutiger Lagerwirklichkeit (1979/81) ist bestimmt durch die militärischen, politischen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Einrichtungen, die palästinensische Befreiungsorganisation PLO seit Ende der 60er Jahre dort aufgebaut hat, und die seitdem immer Ziel israelischer Angiffe waren.
Vor diesem Hintergrund zeigt der das Leben in palästinensischen Lagern wie Al Rasehdiya im Südlibanon und Bourj Al Barajne in Beirut. Dort wächst eine neue Generation auf, die Palästina, die Heimat ihrer Eltern, nur noch aus Erzählungen kennt.
Auf die Jugend haben verschiedene Einrichtungen der PLO erziehungs- ausbildungsmäßig einen großen Einfluss. Im Film stellen wir einige vor erfahren von den Jugendlichen, was sie lernen und von welchen Hoffnungen und Erwartungen ihre Zukunftsvorstellungen bestimmt sind.
"Film 2: Auf der Suche nach Frieden"
Ein Film von Hannes Gulde und Stefanie Landgraf (2007 / 20 Min.)
Der Hauptfilm mit dem Titel "Die Geschichte von den traurigen Orangen" ist noch im Entstehen. Gedreht wurde e im Dezember 2007 auf den Spuren des Films "Eines Tages werden wir zurückkehren" und seiner Protagonisten. Wir zeigen eine 20-Minuten-Vorab-Fassung für das FWU.
Mit der Staatsgründung von Israel 1948 wurden 3 Millionen Palästinenser vertrieben, 100tsde von ihnen leben bis heute unter schwierigen und oft menschenunwürdigen Bedingungen verstreut in Lagern im Nahen Osten leben.
Am Beispiel von mehreren Familien haben die Filmautoren Landgraf & Gulde zwischen 1979 und 1981 die Lebensbedingungen in libanesischen Lagern sowie 1989 in der Westbank dokumentiert. Ebenso die von der PLO geschaffenen Infrastrukturen, in der ihre Kinder aufwuchsen.
Fasziniert von den Geschichten und Bildern im Film möchten die 19jährige Yasmin aus München und ihr Freund Andreas wissen, was aus diesen Familien, ein Viertel Jahrhundert später geworden ist. Ob sie immer noch in Lagern leben, ob sich ihre Hoffnungen auf ein besseres Leben, auf Frieden und Heimat erfüllt haben?
Yasmin und Andreas bereisen die Westbank, wo sie den Menschen von früher begegnen. Sie zeigen ihnen auf ihrem Laptop die alten Filmszenen und erleben ihre bewegte Reaktionen, sich selbst in einem Film von vor so langer Zeit wiederzusehen
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| 23. Juli |
Sondervorstellung TIBET im Filmmuseum 20:00Uhr
"Die Roten Drachen und das Dach der Welt"
Ein Film von Marco Keller und Ronny Pfreundschuh (2008 / 80 Min)
Leuchtend goldene Dächer. über der Altstadt von Lhasa geht die Sonne auf und hüllt den Potala Palast in zartes Licht. Unzählige Tibeter kommen von überall her, um die heiligen Tempelanlagen zu besuchen. Sie werfen sich nieder und drehen dabei ihre Gebetsmühlen.
Mitten im Pilgerstrom sitzt ein Mönch in weinroter Robe und rezitiert heilige Schriften. Es sind die Klischees vom "Dach der Welt", zu denen natürlich auch majestätische Schneeberge gehören. Ein kleiner Junge in gelbem Gewand, der als wichtige Wiedergeburt entdeckt wurde, gehört ebenso dazu wie die Nomaden, die wie eh und je ihren Herden hinterher ziehen.
All diese Bilder zeigt der Dokumentarfilm Die roten Drachen und das Dach der Welt auch. Er bettet sie ein, zeigt sie als das, was sie sind: Facetten aus dem tibetischen Alltag. Und der ist weit weniger bunt und erhebend als die mystifizierenden Vorstellungen des Westens von friedliebenden buddhistischen Mönchen und Pilgern in farbenfrohen Trachten, die sich lächelnd, betend und meditierend unter der chinesischen Besatzung behaupten. Gewagt wurde hier eine Reise ins Detail, gedreht wurde unauffällig und auf höchst sensible Art.
Dabei entstanden Aufnahmen und Aussagen, die in dieser Form bisher kaum gezeigt wurden.
Sie beschreiben das Aufeinandertreffen zweier Welten, Kulturen und Geisteshaltungen. Die Filmemacher zeichnen ein Porträt Tibets, das den Alltag in einem mehr und mehr von Chinesen dominierten Land zeigt. Neben vielen (meist jungen) Tibetern kommen auch Chinesen zu Wort, wodurch das Dilemma, in dem Tibet sich derzeit befindet, deutlich wird. Mit der Fertigstellung der neuen Bahnlinie nach Lhasa schreitet die "Kolonialisierung" Zentraltibets unaufhaltsam voran. Im Schatten dieser Entwicklungen bleibt vielen Tibetern nur noch die Flucht über den Himalaya und damit ein ungewolltes, oft unwürdiges und entfremdetes Leben im Exil. Doch ein Flüchtlingsdrama überschattet selbst diese allerletzte Option...
Im Anschluss Filmgespräch mit den Regisseuren und anderen Gästen
Filmbilder:
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| 22. Juli |
Palästina (1) in der Naxoshalle 20 Uhr
1: "Am Rande der Hoffnung"
Ein Film von Gerd Schneider (2007 / 50 Min.)
2: "Rewind and Replay"
Ein Film von Nathalie el-Jorr (2006 / 40 Min.)
Am Rande der Hoffnung:
Im August 2005 zieht sich die israelische Armee nach fast dreißig Jahren aus dem Gazastreifen zurück. Tage- und wochenlang ist der Rückzug Thema in der Weltpresse. Einmal mehr bestimmt der Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis die Weltpolitik.
Während die Welt auf den winzigen Streifen Land an der ägyptischen Grenze blickt, geht das Leben im Westjordanland rund um Ramallah seinen gewohnt absurden Gang. Von der hoffnungsvollen Stimmung in anderen Teilen der Welt, bzw. den wütenden Protesten der Siedler ist hier wenig zu spüren. Die Menschen gehen ihrer Beschäftigung nach, sofern sie eine Arbeit haben, warten in langen Reihen am zügig wachsenden Checkpoint Qalandia, ohne zu wissen, ob sie heute durchkommen werden.
Der 35-jährige Ramadan Affanah kennt diesen Alltag, der weit von Normalität entfernt ist: Er ist Kameramann für den arabischen Sender Al-Jazeera. Geboren und aufgewachsen im Flüchtlingslager Qalandia, hat er es als einer der Wenigen zu einem guten Job gebracht. Aus dem Blickwinkel des Kameramannes fängt er ein, was in seinem Heimatland an der Tagesordnung zu sein scheint:
Fliegende Checkpoints, die ohne ersichtlichen Grund den ohnehin chaotischen Verkehr für Stunden lahm legen, bewaffnete Aufmärsche der Al-Aqsa-Brigaden, die eine trügerische Hoffnung in den elenden Flüchtlingslagern mitten im geschäftigen Ramallah versprechen, zornige Demonstrationen gegen die monströse Mauer, die sich innerhalb von Minuten in einen Hexenkessel von Steinen und Gummigeschossen verwandeln, als die Israelische Grenzpolizei aufmarschiert.
Die Kamera gibt Ramadan Sicherheit, gibt ihm das Gefühl, etwas Sinnvolles in diesem ausweglosen Durcheinander zu leisten. Obwohl er selbst keine Lösung des Konflikts sieht, gibt er die Hoffnung nicht auf, dass es eines Tages Frieden geben könnte. Dass sein vierjähriger Sohn in einem freien Palästina aufwächst und gehen kann, wohin er will.
Ganz in der Nähe seines Elternhauses baut sich Ramadan ein kleines Haus, sein ganzer Stolz. Einen Steinwurf entfernt schlängelt sich die Grenzmauer auf den Checkpoint Qalandia zu. Ihr Anblick erinnert ihn jeden Tag daran, dass sein ganz normaler Traum von einem ganz normalen Leben mit Haus, Kind und Auto, von dem auch seine Landsleute träumen, weit entfernt von Normalität ist.
Um die Hoffnung nicht ganz zu verlieren, stürzt er sich in seine Arbeit als Kameramann. Indem er filmt und einfängt, wie grotesk der Alltag seiner Heimat ist und in dem Wissen, dass der Sender diese Bilder in die Welt übermittelt, wird das Chaos für ihn erträglicher, besteht immer noch eine Chance, dass "die Welt" einschreitet.
Der Film erzählt von dieser Spannung zwischen Hoffnung und Ohnmacht, von Hilflosigkeit und Zuversicht. Von Gewalt und Wut. Viel geschieht, doch nichts ändert sich. Jeden Tag.
Filmbilder:
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Rewind and Replay:
Dieser Film dokumentiert die ungewöhnliche Reise von drei jungen Frauen aus Hessen in das Innere der Zedernrepublik Libanon. Nathalie el-Jorr, Anna Myung-Sook Kim und Karoline Schwikal versuchen innerhalb von vier Wochen hinter das Medienbild von Terror und islamischem Fundamentalismus zu blicken und kommen dabei einigen bemerkenswerten Menschen ihrer eigenen Generation erstaunlich nahe.
Der Film nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise in den Libanon, gedreht im April 2006, drei Wochen später war Beirut Ziel von Bombenangriffen der israelischen Luftwaffe. Drei junge Filmemacherinnen aus Hessen treffen in der Großstadt Beirut Menschen ihrer Generation und lernen den Alltag dieser Stadt kennen und verstehen.
Filmbilder:
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| 10. Juni |
Kinogeschichte(n) (2) in der Naxoshalle
"Comrades in Dreams - Leinwandfieber"
Ein Film von Uli Gaulke
COMRADES IN DREAMS vereint leidenschaftliche Kinomacher aus Nordkorea, Amerika, Indien und Afrika. In bedingungsloser Liebe zu ihren Kinos, ringen sie allabendlich darum, sich und ihr Publikum zum Träumen zu bringen. Immer wieder durchdringen sich dabei Alltagsgeschichten und Leinwandstories gegenseitig.
Sie leben Tausende Kilometer von einander entfernt und verfolgen doch den gleichen Traum. In "COMRADES IN DREAMS" treffen wir auf Menschen, die das Kino zu ihrem Lebensinhalt gemacht haben.
Da ist zum einen Han Jong Sil, die Nordkoreanerin mit ihrem hinreißenden Lächeln. Sie genießt das Leben und ist doch zwischen Propaganda, eigenen Träumen und Ernteerträgen gefangen. Mit ihren Filmen will sie das Leben der Menschen verbessern. Verletzlich, einsam und von Sehnsucht erfüllt, leuchtet sie wie ein Komet im Meer des Gleichseins.
Auch Penny Tefertiller, aus Wyoming, USA hat ihr Leben in den Dienst der Kommune gestellt. Sie hat sich vorgenommen, den Jugendlichen und den Einsamen, einen Haltepunkt zu geben. Sie lebt ebenso missionarisch ihren Traum vom Kino wie Han Jong Sil in Nordkorea, mit selbstloser Leidenschaft und Güte.
Kraftstrotzend und selbstbewusst sind Lassane und seine Mitstreiter Luc und Zakaria aus Ouagadougou. Sie setzen alles daran, in Burkina Faso, einem der ärmsten Länder der Erde, Kino zu machen. Dabei riskieren sie viel: Sie vernachlässigen ihre Familien und stürzen sich in wirtschaftliche Abenteuer. Und das alles nur, um einem heruntergekommenen Open-Air Kino neues Leben einzuhauchen.
Für den Inder Anup dagegen läuft es vortrefflich. Sein Zeltkino platzt aus allen Nähten, wenn er die Hits aus der Region Maharashtra vorführt. Im Tempel gesegnete Filmrollen und ein Gespür für gute Filme haben ihn zum ungekrönten König der Wanderkinos gemacht.
Das eigentliche Kino jedoch findet außerhalb der Säle statt. Mit großer Liebe für Details werden immer wieder die unterhaltsamen Geschichten rund um die Vergnügungstempel ausgekostet: Tränen für den großen Führer, Cowboys in der Kirche, Eifersüchtige Ehefrauen und wie die Titanic nach Nordkorea kommt sind nur einige der Anekdoten. Die verbindende Kraft der Träume lässt unsere Helden zu einander finden. Die große Suche nach dem kleinen Glück ist dabei ein ständiger Begleiter und erinnert daran, dass die besten Geschichten nicht nur auf der Leinwand zu finden sind.
"Uli Gaulke zeigt auch großes Gespür darin, die unterschiedlichsten Mentalitäten und Gedanken der Menschen, die sie mit ihren Programmen erreichen wollen, greifbar und reizvoll zu portraitieren. Mit all dem erweist sich der aufwendig und detailreich bebilderte Film als charmant, spannend, witzig und nachdenklich - doch vor allem als eines: faszinierend. HERAUSRAGEND" - Frankfurter Neue Presse
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| 17. Juni |
Die Schöpfung bewahren (2) im Filmmuseum
"Kampf um den Regenwald"
Ein Film von Christoph Kühn
Verschwunden im Dschungel von Borneo... Ein Mann und sein Volk im Widerstand gegen die Vernichtung des größten Urwalds der Welt!
Bruno Manser lebte von 1984 bis 1990 mit dem Urvolk der Penan im Dschungel von Borneo und eignete sich ihre Sprache und Kultur an. Die Penan nahmen ihn in ihre Gemeinschaft auf und nannten ihn den "Penan-Mann". Als die ersten Bulldozer auftauchten, um den Regenwald abzuholzen, machte Manser durch spektakuläre Aktionen auf das ökologische und menschliche Desaster aufmerksam und schuf sich dadurch mächtige Feinde. Im Frühjahr 2000, auf einer geheimen Reise zu den Penan, verschwand er spurlos...
"KAMPF UM DEN REGENWALD" dringt auf Brunos Spuren in den Dschungel ein. Die Penan, seine zweite Familie, erzählen von ihren Ängsten und gemeinsamen Abenteuern mit Bruno, seinen Kämpfen mit Riesenschlangen, seinen Begegnungen mit Geistern - und wie er alle im Widerstand gegen die Holzfäller einte. Im Verein mit bewegenden Selbstzeugnissen entsteht ein neues Bild des zornigen Umweltschützers und Menschenrechtlers, der ein leidenschaftlicher Naturforscher, Mystiker und Romantiker war - immer auf der Suche nach seinem utopischen Traum aus Kindheitstagen...
Die Geschichte vom Kampf der letzten Waldnomaden gegen die Habgier und Zerstörungswut der Industrieländer im Dschungel von Borneo, miterlebt vom großen Regenwaldaktivisten Bruno Manser. Im Jahr 2000 ging er verschollen. Sein Traum lebt fort...
"Wenn ich gross bin, möchte ich einen guten Beruf haben, der mit der Natur zu tun hat, zum Beispiel Naturforscher... Könnte ich nur einmal nach Sumatra, Borneo und Afrika und dort im tiefen Dschungel zwischen Gorillas, Orang Utans und anderen Tieren wie ein Höhlenbewohner hausen. Ich möchte alle Fabriken, die nicht lebensnotwendig sind, dem Erdboden gleichmachen. Einen grossen Wald mit klaren Bächen und vielen Tieren an dieser Stelle leben lassen."
Aus einem Aufsatz des 12-jährigen Bruno Manser
Filmbilder:
Regisseur Christoph Kühn
Stefan Ziegler (WWF Deutschland), Experte für Borneo und Artenschutz
Moderation: Florian Schwinn (hr2-kultur)
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| 03. Juni |
Kinogeschichte(n) (1) in der Naxoshalle
"Gegenschuss - Aufbruch der Filmemacher"
Ein Film von Dominik Wessely
Die Filmemacher des Neuen Deutschen Films wie Werner Herzog, Rainer Werner Fassbinder und Wim Wenders stehen für das junge, rebellische Kino der Post-Adenauer-Zeit. Die Dokumentation "GEGENSCHUSS - Aufbruch der Filmemacher" beleuchtet nun die Geschichte des Gravitationszentrums der Bewegung: des legendären Filmverlag der Autoren.
"GEGENSCHUSS - Aufbruch der Filmemacher" ist aber viel mehr als nur eine filmhistorische Dokumentation: Es ist das Portrait einer Künstlergemeinschaft, ein Generationenportrait.
Es stellt die wichtigsten Protagonisten des deutschen Filmwunders der 1970er Jahre vor und leuchtet den Hintergrund dieser Erfolgsgeschichte aus: Denn der Kampf einer kleinen Gruppe junger, unabhängiger Autorenfilmer für selbstbestimmte Arbeitsbedingungen, gegen die Fremdbestimmung durch eine kapitalstarke Altproduzentenbranche - das ist auch der Konflikt zwischen der ersten deutschen Nachkriegsgeneration und ihren Vätern, die das Handwerk noch in der Filmindustrie des Dritten Reiches erlernt hatten.
Interviews, Filmausschnitte und seltene, teilweise noch unveröffentlichte Archivaufnahmen haben die Filmemacher Laurens Straub und Dominik Wessely zu einer rise-and-fall story verwoben, die über alle Zutaten einer großen Kinoerzählung verfügt: Freundschaft. Erfolg. Eifersucht. Zerstörung. Tod.
Wer schon immer mal erfahren wollte, wie Werner Herzog zu seiner ersten 35mm-Kamera kam (geklaut), wie Rainer Werner Fassbinder mit schnöseligen Kulturjournalisten umging (?), und was Wim Wenders wirklich über Alexander Kluges Kleidungsstil denkt (??), der findet Antworten auf all diese Fragen in GEGENSCHUSS. Und noch viel mehr.
Näheres zum Film und den Kino-Finder mit aktuellen Spielorten und -zeiten könnt Ihr nachlesen unter
www.gegenschuss.kinowelt.de
Zum Filmgespräch kommen die Filmverlags-Regisseure Hans Noever und Burghard Schlicht.
Moderation: Wolf Lindner
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| 27. Mai |
1968: Frankfurt und die Welt (4) in der Naxoshalle
"Patrice Lumumba - eine afrikanische Tragödie"
Ein Film von Thomas Giefer (45 Min., 2000)
"Nachdem er tot ist, hört Lumumba auf, eine Person zu sein. Er wird zu ganz Afrika".
Jean Paul Sartre
Eine der ersten Aktionen der APO in West-Berlin war die verbotene Demonstration gegen den Besuch des kongolesischen Ministerpräsidenten Moise Tschombe 1964. Er galt als Mörder des gewählten Patrice Lumumba, 1960 der erste Ministerpräsident des formal unabhängigen rohstoffreichen Kongo.
Lumumba hatte Belgien kritisiert, die frühere Kolonialmacht und meinte die Unabhängigkeit des Kongo ernst. Damit kam er als "kommunistisches Sicherheitsrisiko" auf die Liquidierungslisten von CIA und belgischem Geheimdienst".
John Foster Dulles, CIA-Direktor, sagte: "Im Interesse der freien Welt haben wir beschlossen, dass die Beseitigung Lumumbas das vorrangige Ziel unserer verdeckten Aktion ist". Patrice Lumumba wurde 1961 auf einer Waldlichtung erschossen. "Wir haben die Körper in Stücke geschnitten. Der größte Teil wurde in Salzsäure aufgelöst, den Rest haben wir verbrannt", sagte 40 Jahre später einer der Mörder, ein belgischer Geheimdienstoffizier, der im Auftrag auch des belgischen Königshauses gehandelt hatte.
Teilnehmer Filmgespräch: Thomas Giefer,
Klaus Meschkat
Moderation: Manfred Zieran
Filmbilder:
Patrice Lumumba
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| 26. Mai |
Die Schöpfung bewahren (1) in der Naxoshalle
Sondervorführung zur "Woche der biologischen Vielfalt"
"Darwins Albtraum (Darwins Nightmare)"
Ein Film von Hubert Sauper (107 Min., 2004)
Irgendwann in den sechziger Jahren wurde eine fremde Fischart in den Viktoriasee in Ostafrika eingesetzt - es war ein kleines wissenschaftliches Experiment. Der Nilbarsch, ein hungriges Raubtier. Dieses hat es innerhalb von drei Jahrzehnten geschafft, fast den gesamten Bestand der ehemals 400 Fischarten auszurotten. Unternommen wurde dagegen jedoch nichts, denn bis heute sind die weißen Filets des Nilbarsches ein weltweiter Exportschlager. An den Ufern des größten tropischen Sees der Welt landen jeden Abend riesige Frachtflugzeuge, um am nächsten Morgen wieder in die Industrieländer des Nordens zu starten, beladen mit Hunderten Tonnen frischer Fischfilets.
In Richtung Süden jedoch ist eine andere Ladung an Bord: Waffen. Für die unzähligen Kriege im dunklen Herzen des Kontinents. Dieser florierende globale Handel von Kriegsmaterial und Lebensmitteln hat an den Ufern des größten tropischen Sees der Welt eine seltsame Stimmung und Menschenmischung erzeugt, welche die "Darsteller" dieses Films repräsentieren: einheimische Fischer, Agenten der Weltbank, heimatlose Straßenkinder, afrikanische Minister, EU-Kommissare, tansanische Prostituierte, russische Piloten...
Um diesen Projekt zu realisieren bedurfte es einer minimalistischen Methode. Mein ständiger Begleiter Sandor, meine kleine Kamera und ich. In Tansania konnten wir kaum einmal als normales Filmteam auftreten. Um mit den Frachtflugzeugen hin- und her zu fliegen, mussten wir uns mit weißen Hemden, gebügelten Hosen und gefälschten Papieren bewegen, als Piloten verkleidet gingen wir durch die Kontrollen. In den Dörfern sah man selten Weiße, und man hielt uns demnach für Missionare. In den Fischfabriken fürchtete man, wir seien Hygienekontrolleure der EU, und in den Bars der Hotels mussten wir australische Geschäftsmänner darstellen, denn Missionare sieht man dort ungern. Wir waren immer dort, wo man eigentlich nichts zu suchen hat: Im Tower des Flughafens, an welchem die Holzkisten mit den Waffen aus- und die Fische eingeladen werden, bei den Prostituierten, wo gewöhnlich Kunden nicht mit Kameras sitzen, an den Müllhalden der Fische, die außer den Geiern und den Maden kaum jemand gefunden hatte, und wo kein Westler je Zutritt hatte.
Werner Rätz (attac)
Florian Wicker (Forschungsinstitut Senckenberg)
Moderation: Florian Schwinn
Filmbilder:
Darwins Albtraum
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| 20. Mai |
1968: Frankfurt und die Welt (3) in der Naxoshalle
"Z"
Spielfilm von Konstantin Costa-Gavras (127 Minuten / 1969)
Die nationale Friedensbewegung eines ungenannten mediterranen Landes hat bei der Durchführung einer pazifistischen Konferenz erhebliche Schwierigkeiten: Zuerst wird den Teilnehmern der Zutritt zu einem gemieteten Saal verweigert. Dann kündigt ein anonymer Anrufer ein geplantes Attentat auf den Parteipräsidenten der Pazifisten an - eine Information, deren Echtheit der in Kenntnis gesetzte Generalstaatsanwalt anzweifelt. Schließlich wird den Konferenzteilnehmern von der Polizei ein viel zu kleiner Saal zugestanden. Vor dessen Türen versammeln sich nicht nur Hunderte von Anhängern der Friedensbewegung, sondern auch gewaltbereite Mitglieder der konservativen rechtsgerichteten Partei, um - ungehindert von einem abwartenden Polizeiaufgebot - die Zusammenkunft zu stören.
Bereits beim Betreten des Saales handelt sich der Präsident der pazifistischen Partei Schläge ein. Nach seiner Rede wird er von einem vorbeifahrenden Wagen aus niedergeschlagen. Kurz darauf stirbt er an den Folgen seiner Kopfverletzung. Von offizieller Seite wird der Tod des Parteipräsidenten als Unfall dargestellt. Während Zeugen und Beteiligte bestochen und beeinflusst werden, gelingt es nur einem findigen Journalisten und dem ermittelnden Untersuchungsrichter, ihre Neutralität zu wahren. Bei ihrer Suche nach den wahren Todesursachen geraten sie in ein gefährliches Netz aus Verstrickungen und Lügen, in dem Polizei und oberste Führungskräfte des Militärs die Fäden ziehen.
Unterstützung für die Produktion dieses Spielfilms fand Costa-Gavras bei Yves Montand, Jean-Louis Trintignant, Irene Papas und anderen hochkarätigen Schauspielern, die für die Umsetzung des wichtigen Filmstoffs auf den Großteil ihrer Gage verzichteten. So zählt "Z" nicht nur aufgrund seiner inhaltlichen Brisanz, sondern auch aufgrund des schauspielerischen Staraufgebots zu den bemerkenswertesten Klassikern seines Genres. Darüber hinaus gelingt es dem Film durch eine virtuose Kameraführung und Montagetechnik, die dramatische innere Verfassung der Protagonisten visuell erfahrbar zu machen."
Teilnehmer Filmgespräch: Kosta Markou, Jutta Ditfurth
Moderation: Florian Schwinn
Filmbilder:
Bild 1
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| 13. Mai |
1968: Frankfurt und die Welt (2) im Filmmuseum
"4 Tote in Ohio - ein amerikanisches Trauma"
Ein Film von von Claus Bredenbrock und Pagonis Pagonakis (60 Min., 2007)
In Gegenwart der amerikanischen Fernsehsender CBS, NBC und ABC werden am 4. Mai 1970 an der Universität von Kent im US-Bundesstaat Ohio vier Studentinnen und Studenten erschossen und neun weitere zum Teil schwer verletzt. Von Soldaten der Nationalgarde.
Am Vormittag dieses 4. Mai haben sich Studenten der Universität friedlich auf dem Campus versammelt, um gegen die Ausweitung des Vietnam-Krieges nach Kambodscha zu demonstrieren. Bewaffnete Nationalgarde marschiert auf und eröffnet das Feuer, "ohne bedroht oder in Gefahr zu sein", wie später das FBI feststellt. Innerhalb von nur 13 Sekunden werden mindestens 67 Schüsse abgefeuert.
Die Studenten Allison Krause, Bill Schroeder, Sandy Scheuer und Jeff Miller sind auf der Stelle tot. Dass sie mehrheitlich deutsche Namen tragen, ist kein Zufall; ihre Vorfahren waren aus Deutschland in die USA emigriert. Sandy Scheuers Vater Martin Scheuer war in den dreißiger Jahren aus Nazi-Deutschland geflohen, weil er wollte, so hatte er einmal gesagt, "dass seine Kinder in einem freien Land aufwachsen."
Trotz einiger hundert Augenzeugen wird kein Soldat der Nationalgarde für die Schüsse auf unbewaffnete Studenten zur Verantwortung gezogen.
Jimi Hendrix kommentiert das Massaker in Berkeley mit seinem Stück "Machine Gun".
Auch in der Bundesrepublik kommt es zu Solidaritäts- und Protestaktionen für die Toten der Kent State University.
Teilnehmer am Filmgespräch: die Regisseure Claus Bredenbrock und Pagonis Pagonakis
Wilhelm Mausbach, Universität Heidelberg
Prof. Joachim Hirsch, Ffm
Moderation: Jutta Ditfurth
Filmbilder:
Ohio
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| 6. Mai |
1968: Frankfurt und die Welt (1) in der Naxoshalle
"Aufrecht gehen - Rudi Dutschke"
Ein Film von Helga Reidemeister (92 Min., 1988)
Am 11.April 1968 wurde Rudi Dutschke, Symbolfigur der damaligen Protestbewegung, in Berlin von einem Attentäter niedergeschossen und schwer verletzt. Als Reaktion auf dieses Attentat erschütterten die schwersten Unruhen der Nachkriegszeit die Bundesrepublik. Helga Reidemeister macht sichtbar, wo sich die persönliche Lebensgeschichte Rudi Dutschkes mit gesellschaftlichen Entwicklungen, Widersprüchen, Fragen und Konflikten schneidet. Die Frauenbewegung, die Friedens-und Ökologiebewegung bis hin zu den Bürgerinitiativen und Grünen wären ohne die 68er Revolte nicht vorstellbar. Der Film enthält Gespräche mit Weggefährten Rudi Dutschkes, mit Freunden, mit "antiautoritär" erzogenen Jugendlichen aus der APO- Kinderladen-Bewegung, die bezeugen, dass Einfluss und Wirkung der damaligen Protestbewegung in unterschiedlichen Formen weitergeht.
Aus dem Film: Ein Dialog zweier alter Freunde von Rudi Dutschke:
"Also, ich glaube, dass man ganz ohne Gewalt bestimmt nicht auskommt", sagt Karola Bloch.
"Selbstverständlich bin ich für Gewalt, nicht nur gegen Sachen, sondern gegen solche Menschen, die dem Fortschritt schaden, da habe ich gar keine Skrupel", sagt die alte Dame und bläst den Rauch ihrer Zigarette steil in die Luft.
"Da bin ich zu sehr als Revolutionärin aufgewachsen. Ohne Gewalt wäre keine Revolution gelungen."
"Also..." Helmut Gollwitzer räuspert sich, "also, als Jünger Jesu"
Karola Bloch: "Als was?"
Teilnehmer am Filmgespräch:
Jutta Ditfurth
Prof. Wolfgang Dreßen
Moderation: Wolf Lindner
Wolf Wetzel stellt sein neues Buch vor und signiert Kaufexemplare bei Bedarf: "Tödliche Schüsse" - eine dokumentarische Erzählung.
Filmbilder:
Rudi Dutschke
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| 29. April |
Zum Tag der Pressefreiheit: im Filmuseum
"Gefesselte Worte"
Ein Film von Sylvie Banuls
Der Pressefreiheit geht es schlecht. Weltweit wird sie ignoriert, unterdrückt, mit Füßen getreten. Für die verfolgten Medienmacher aus aller Welt ist die "Maison des Journalistes" in Paris eine Art Rettungsanker, ein Ort, in dem die Flüchtlinge nach den erlittenen Verfolgungen, der Irrfahrt des Exils und den prekären Unterkünften in der fremden Stadt wieder Fuß fassen und sechs Monate lang ihre Koffer abstellen können. Jeder von ihnen hat eine eigene Geschichte und seinen ganz besonderen Blick. Irak, Kuba, Ukraine, Burundi, Kamerun, Kongo... die Repression hat in den verschiedenen Ländern ein unterschiedliches Gesicht. Die Erinnerungen der Journalisten an Gefängnis und Folter werfen ihre Schatten auf die weißen Wände der MDJ, sind verdammte Gedanken, die sie bis in die Freiheit verfolgen...
Im Anschluss große Diskussion über Zensur und Pressefreiheit, u. a. mit Regisseurin Sylvie Banuls, mit Journalisten aus Deutschland und der Welt und mit Menschenrechtlern. Es moderieren Sabine Imhof und Wolf Lindner
Gäste beim Filmgespräch sind unter anderen:
Mainat Kourbanova / Tschetschenien, lebt zur Zeit in Darmstadt. Korrespondentin der Moskauer Zeitung "Nowaja Gazeta" und für den amerikanischen Radiosender "Liberty". Freie Mitarbeit bei verschiedenen europäischen Medien (Kriegsberichterstattung aus dem Kaukasus). Stipendiatin des "Writers in Exile"-Programms des P.E.N.-Zentrums Deutschland. Zur Zeit Elsbeth-Wolffheim-Stipendiatin der Stadt Darmstadt.
Alaa Sadoon / Irak, (geb. 1974) verheiratet, drei Kinder, arbeitet als freier Journalist in Baghdad für NY Times Magazine, The Chicago Tribune, The Guardian, Corbis photo agency, Getty Images. Dafür erhielt er Morddrohungen. Mehrfach wurde er in seinem Hause angegriffen und überlebte Mordanschläge nur knapp. Schon unter Saddam Hussein schrieb er kritische Artikel über Themen, von denen er überzeugt war, die Welt müsse davon erfahren.
Christoph Maria Fröhder, ist als Regisseur und Kamera in der ganzen Welt herumgekommen, insbesondere in Kriegs- und Krisenregionen. Er hat das "Fesseln von Worten und Bildern" in allen Variationen erlebt. Fröhder kommt direkt aus Kabul ins Filmmuseum.
Christian Heinrici, Neue Rheinische Zeitung (Köln): ein kritisches Online-Medium, das von Journalisten ehrenamtlich gemacht und ins Netz gestellt und durch eine Klageflut bedrängt wird.
Die Mainzer Sektion von amnesty international, die bundesweit zuständig ist für verfolgte Journalisten, wird ebenso einen Vertreter benennen wird wie "Peporter ohne Grenzen".
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