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Archiv des Programms seit 06. März 2007


27. November

"Brigadistas" - Der spanische Bürgerkrieg

Dokumentarfilm von Daniel Burkholz (2007 / 45 Minuten)

Dazu politische Lieder aus aller Welt von alten Schallplatten.

Im Juli 1936 putschte das Militär gegen die Spanische Republik. Aus der ganzen Welt kamen über 40.000 Freiwillige nach Spanien und kämpften in den Internationalen Brigaden gegen den Faschismus. 70 Jahre danach kehren 36 der letzten noch lebenden Kämpfer innen und Kämpfer nach Spanien zurück. In Interviews und in den Begegnungen werden die Zuschauerinnen und Zuschauer von den Brigadistas auf eine Reise mitgenommen, die von Madrid über Zaragossa nach Barcelona führt. Dabei wird deutlich, was Zehntausende von Menschen dazu bewegt hat aus der ganzen Welt nach Spanien zu kommen, um dort im Kampf gegen den Im Juli 1936 putschte das Militär gegen die Spanische Republik. Aus Faschismus ihr Leben aufs Spiel zu setzen. Doch der Film und auch die Brigadistas bleiben nicht an diesem Punkt stehen. Sie blicken nach vorn und zeigen, dass die Ideale, die damals Gültigkeit hatten, auch in der Auseinandersetzung mit der heutigen Welt von großer Bedeutung sind. Eine Auseinandersetzung, die auch heute von jungen Menschen und den junggebliebenen Brigadistas - der Jüngste 86, der älteste 99 Jahre alt - gemeinsam geführt wird.


20. November

"30 Jahre Deutscher Herbst (4)"

"Nacht und Nebel" (1976)

Dokumentarfilm von Alain Resnais

"Deutschland im Herbst" (Ausschnitt 30?)

von Rainer Werner Fassbinder

Rainer Werner Fassbinder diskutiert mit seiner Mutter über Faschismus

Gudrun Ensslin in Briefen - gelesen von Christiane und Gottfried Ensslin

"Nacht und Nebel":

Als Mahnmal gegen das Vergessen entstand 1955, zehn Jahre nach der Auflösung der Konzentrationslager, unter der Regie von Alain Resnais der Film "Nacht und Nebel". Er nimmt seinen Ausgang in den grün überwucherten Ruinen von Auschwitz und zeigt dann in einem Rundblick das Geschehen in den Todeslagern, die gnadenlose, Menschen verachtende Präzision der "Endlösung".

Einprägsame Bilder verbinden sich mit der Musik Hanns Eislers und der künstlerischen Ausdruckskraft von Schriftstellern wie Jean Cayrol und Paul Celan, die beide den Holocaust überlebten, zu einem Dokument erbarmungsloser Eindringlichkeit. Dies und seine Warnung vor kollektiver Entmenschlichung im Zuge ideologischer Verblendung verleihen dem Film eine zeitlose Aktualität.

Für die RAF war das, was dieser Film zeigt über das Vermächtnis ihrer Eltern und Großeltern, ein wesentlicher Hintergrund für ihre Rebellion. Im Anschluss an den Film nehmen Briefe von Gudrun Ensslin auch darauf deutlichen Bezug.

Die Filme und die Briefe sind Gegenstand des anschließenden Filmgesprächs mit Christiane & Gottfried Ensslin. Und mit Frank Wolff. Und der bringt sein Cello mit und lässt es auch klingen!


13. November

"30 Jahre Deutscher Herbst (3)"

"All Power to the People" - (Black Panther)

Dokumentarfilm von Lee Lew-Lee

ALL POWER TO THE PEOPLE zeigt die Black-Panther-Bewegung von ihren Anfängen als Untergrundorganisation in den 60er Jahren, hin zu der geächteten Guerrilla-Partei am Anfang der 70er Jahre bis zu ihrer Zerstörung in den 80ern. Der Film verbindet seltenes Film- und Fotomaterial aus der Zeit (z. B. Malcolm X, Dr. Martin Luther King, Huey P. Newton) mit von CIA und FBI zensierten Dokumenten (etwa 300.000 Seiten mussten durchgearbeitet werden) und Gesprächen mit den ehemaligen Justizministern Ramsey Clark und John Mitchell, Mitarbeitern des CIA, FBI und überlebenden ehemaligen Angehörigen der Black-Panther-Partei. Allen voran Bobby Seale, aber auch Dr. Mutulu Shakur, der in einem unterirdischen Gefängnis einsitzt oder Mumia Abu Jamal, der in der Todeszelle immer noch auf Gerechtigkeit hofft.

ALL POWER TO THE PEOPLE nutzt die Geschichte der Black-Panther-Partei als Spiegel, um Rassenpolitik, Gewalt, Armut, Drogen und Angst im Amerika von heute anzusehen und stellt den Bezug her zur Repression und den ungelösten Problemen der 60er.

ALL POWER TO THE PEOPLE zeigt die tragische Geschichte junger Menschen, die ermordet wurden, die in den Untergrund gehen mussten, die in die Gefängnisse kamen, ihre Identität verloren.

Diskussion mit Martin Klimke, Heidelberg Center for American Studies und Forschungsnetzwerk "European Protest Movements Since 1945" Moderation: Uwe Schmidt


06. November

"30 Jahre Deutscher Herbst (2)"

"Antonio Negri - eine Revolte die nicht endet" (90 Min.)

DokFilm von Alexandra Weltz und Andreas Pichler

Kaum ein europäischer Intellektueller hat so viel Bewunderung und Hass, soviel Zuspruch und Ablehnung auf sich vereint wie Antonio Negri. Kaum einer hatte ein derart widersprüchliches und bewegtes Leben. Negri ist Universitätsprofessor, Philosoph, Militanter, Gefangener, Flüchtling, Exilant, Staatsfeind Italiens und gilt heute neben Arundhati Roy und Noam Chomsky als eine der Gallionsfiguren der kritischen Globalisierungsbewegung. Es ist Negris Einfluss auf die außerparlamentarischen Protestbewegungen der 70er Jahre, die ihn bis heute zu einer der kontroversesten Figuren der italienischen Zeitgeschichte machen. Zwischen Fabrikbesetzungen und Massenverhaftungen wurden seine Theorien und Texte zum Bezugspunkt der radikalen Autonomiebewegung.

Von Staatsseite verstand man sie als theoretische Matrix für den um sich greifenden Terror. Negri wurde zum "cattivo maestro", zum "Verführer der Jugend" - ein Staatsfeind dem vorgeworfen wurde, der Kopf der Roten Brigaden und der Entführer Aldo Moros zu sein. Die Zuspitzung der gesellschaftlichen Konflikte Ende der 70er Jahre, endeten für Negri in Haft und späterem Exil. Erst seit April 2003 ist der heute über 70jährige wieder auf freiem Fuß.

Negris spektakuläre Rückkehr 1997 aus dem französischen Exil war der Versuch, eines der dramatischsten Kapitel der italienischen Nachkriegsgeschichte zu beenden und eine Debatte um Amnestie zu befördern. Es war auch eine Rückkehr in die Gegenwart: Während er den übergang ins neue Jahrtausend unter Meldeauflagen in Rom verbrachte, wurde sein im Jahre 2000 erschienenes Buch EMPIRE, das er gemeinsam mit dem amerikanischen Literaturwissenschaftler Michael Hardt verfasst hat, in den internationalen Medien zum "kommunistischen Manifest des 21. Jahrhunderts" erklärt. Ein theoretisches Werk, das zum Weltbestseller wird. Im September 2004 erscheint die Fortsetzung "Multitude: Krieg und Demokratie im Empire."

Die beiden Regisseure des Films Alexandra Weltz und Andreas Pichler machen sich in ihrem Dokumentarfilm auf die Suche nach der Geschichte Antonio Negris, suchen nach biographischen, theoretischen und historischen Entscheidungspunkten und porträtieren ein außergewöhnliches Leben zwischen Philosophie und Revolte. In Begegnungen mit Negri und seinen politischen Weggefährten und Freunden zeichnet der Film Kontinuitäten und Brüche von den 60er Jahren bis heute nach.

Anschl. Diskussion mit den Regisseuren Andreas Pichler und Alexandra Weltz sowie der Frankfurter Publizistin Michaela Wunderle ("Die Roten Brigaden" in: Kraushaar - "Die RAF und der linke Terrorismus".
Moderation: Wolfgang Voss


30. Oktober

"30 Jahre Deutscher Herbst (1)"

"Der unsichtbare Aufstand" (89 Min.)

Spielfilm von Constantin Costa-Gavras

Als die Tupamaros, die legendäre Stadtguerilla Uruguays, den anscheinend unbescholtenen US-Bürger und Verkehrsexperten Philip Michael Santore in Montevideo entführen, versteht zunächst niemand die Hintergründe dieser Tat. Doch als der liberale Journalist Carlos Ducas (O.E. Hasse) mit eigenen Nachforschungen beginnt, stellt sich schnell heraus, dass der Amerikaner keinesfalls so harmlos ist wie zunächst angenommen. Vielmehr unterstützt Santore als hochkarätiger Militärberater im Auftrag der US-Regierung unter dem Deckmantel der Entwicklungshilfe den Polizeiapparat des repressiven uruguayischen Militärregimes. Der Plan der Guerillas, Santore gegen politische Gefangene auszutauschen, scheint aufzugehen. Doch im letzten Moment spürt die Polizei die Kernmannschaft der Entführer auf und zeigt sich nicht weiter verhandlungsbereit. Zu diesem Zeitpunkt bleiben 24 Stunden bis zum Ablauf des Ultimatums - 24 Stunden, die über Leben und Tod Santores entscheiden.

Der unsichtbare Aufstand ist ein packender Politkrimi des griechisch-französischen Regisseurs Constantin Costa-Gavras, der bereits mit seinem 1969 realisierten Film Z dieses Genre stilbildend beeinflusste. Mit beklemmender Eindringlichkeit schildert Der unsichtbare Aufstand die sozialen und politischen Missstände in einem südamerikanischen Land und stellt die zwielichtigen Praktiken des amerikanischen Imperialismus in ein kritisches Licht. Costa-Gavras beruft sich in seinem Film auf den authentischen Fall des Agenten Daniel Mitrione, der 1970 in Uruguay als Entwicklungshelfer getarnt im Auftrag der US-Regierung das diktatorische Regime unterstützte. Durch die geschickte Besetzung der Rolle des umstrittenen Polizeiberaters mit dem glühenden Sozialisten Yves Montand gelingt dem Regisseur eine spannende Gratwanderung zwischen Anklage und Rechtfertigung revolutionärer Gewalt.

Für die Träume der RAF von einer Stadtguerilla in Deutschland war dieser Film ein großes Vorbild. Deshalb zeigen wir ihn als Ergänzung zum Deutschen Herbst 1977 und freuen uns über eine kontroverse Diskussion!

Im Anschluss Diskussion mit den Frankfurter Publizisten Gerd Koenen und Wolf Wetzel. Koenen war SDS-Mitglied; er arbeitet zur Zeit an dem Buch "Traumpfade der Weltrevolution - Das Guevara-Projekt". Wetzel kommt aus der Autonomiebewegung (L.U.P.U.S.-Gruppe) und arbeitet zur Zeit an dem Buch "Tödliche Schüsse".

Moderation: Ulrike Holler


29. Oktober

"30 Jahre Deutscher Herbst (Eröffnung) 1977 und 2007"

1977: "So war der Deutsche Herbst 1977" von Jutta Ditfurth

2007: "neueWUT III: DAS WAR DER GIPFEL!" Dokumentarfilm von Martin Keßler (Werkstattfassung)

30 Jahre Deutscher Herbst 1977 bis 2007: Diesem Themenfeld widmen wir fünf Abende. Gleichwohl werden Sie auf der Leinwand keine RAF-Leute zu Gesicht bekommen. Zur Eröffnung wird Jutta Ditfurth mit einem Vortrag das Jahr 1977 markieren. Martin Keßler zeigt eine erste unvollständige Werkstattfassung seines neuen Filmes "Das war der Gipfel!" (Heiligendamm 2007) in der Reihe "Neue WUT".

Juni 2007. Ostseebad Heiligendamm. Der größte Polizeieinsatz in der Geschichte der Bundesrepublik. über 17 000 PolizistInnen, selbst die Bundeswehr, "sichern" das rituelle Gipfeltreffen der "mächtigsten Frauen und Männer der Welt", den sogenannten "Weltwirtschaftsgipfel". Trotzdem gelingt es circa 12 000 GlobalisierungskritikerInnen immer wieder, die wichtigsten Zufahrtsstrassen zum hermetisch mit Zaun und Stacheldraht abgeriegelten Tagungsort zu blockieren. Und ihre Kritik an dem gegenwärtigen Weltwirtschaftssystem und Ihre Alternativen öffentlich zu machen. Bereits Wochen zuvor hat die Bundesanwaltschaft mit Hausdurchsuchungen versucht, den Protest durch Terrorismusvorwürfe in Misskredit zu bringen.Trotz der Einschüchterungsstrategie kommen ganze Nachbarschaften mit Kind und Kegel ins Protestcamp "Reddelich", um die aus aller Welt angereisten GlobalisierungskritikerInnen zu bestaunen, mit Ihnen zu diskutieren.

Im Anschluss Diskussion mit Jutta Ditfurth und Martin Keßler.

Moderation: Wolf Lindner


23. Oktober

"Aché -- die afrikanische Seele Kubas" (1995 / 85 Minuten)

Dokumentarfilm von Elke Jonigkeit

...mit großer Gesprächsrunde!

Eine Suppenschüssel ist eine Suppenschüssel. Ein Stein ist ein Stein. Aber ein Stein in einer Suppenschüssel kann ein Gott sein, ein afrikanischer Orisha, der im Verborgenen alle Anfeindungen, alle Unbill der Jahrhunderte überdauert hat.

Die Sklavenschiffe brachten seinerzeit nicht nur Arbeitskräfte nach Kuba - sondern Menschen: Männer, Frauen und Kinder mit einer faszinierenden Gedanken- und Gefühlswelt, magischen Kulten, rhythmischen Tänzen und Gesängen - und mit einem Himmel voller Götter. Die Orishas sind allgegenwärtig: sie kreisen als Geier über dem Ozean, bewachen in Form eines Steins mit Augen und Mund aus Kaurismuscheln das Haus und verlangen, dass man sich täglich um sie kümmert, zu ihnen spricht, ihnen zu essen und zu trinken gibt.

Ihnen zu Ehren veranstaltet man Feste, auf denen die Götter von den Gläubigen Besitz ergreifen, sie "wie Pferde reiten" , ihnen Einblicke ins Jenseits gewähren "für die es sich zu leben lohnt".

HAVANNA - an alte römische Tempel, an kostbare Ausgrabungen aus der Antike, könnten die Ruinen in Havannas Straßen erinnern - wäre da nicht der kubanische Alltag, geprägt von Armut, Verfall und Lethargie. In diesen Zeiten höchster Not besinnen sich immer mehr Menschen auf die Weisheiten ihrer schwarzen Vorfahren, auf deren überlebensstrategien - zu denen nicht zuletzt auch ihre religiösen Vorstellungen gehören. Die Trommel isst; sie schläft; sie singt; sie spricht. Durch sie sprechen die Götter:

Mit dem Trommelschlag nimmt der Mensch Verbindung mit ihnen auf. Mit Yemaya, der Göttin des Meeres, aus der das Leben fließt. Mit Chango, dem Gott der Trommeln - dem Herrscher über Sex, Rhythmus und Zeit. Mit Ochun, der Göttin der Liebe.

Dies ist der Rahmen, in dem der Film sich bewegt. Es werden Bilder gezeigt, die absolut authentisch sind - durchdrungen von dem religiösen Trancezustand, in den die Eingeweihten bei ihren rituellen Tänzen geraten.

Erst nach mehreren Aufenthalten innerhalb von vier Jahren gelang es der Autorin, einen Zugang zu dieser Glaubensgemeinschaft zu schaffen, um in ihrem Kreis diese Szenen mit der Kamera aufnehmen zu können.


16. Oktober

Zum Welternährungstag

Leben außer Kontrolle - Von Genfood und Designerbabies (95 Min.)

Bertram Verhaag und Gabriele Kröber

Mitte der 80iger Jahre findet die Wissenschaft mit der Gentechnologie den Schlüssel, sich die Erde und vor allem ihre Geschöpfe endgültig untertan zu machen. Plötzlich schien alles möglich!

20 Jahre später begeben wir uns auf eine Weltreise, um die fortschreitende Genmanipulation bei Pflanzen, Tieren und Menschen zu erkunden: Wegen einer katastrophalen Ernte bei gentechnisch veränderter Baumwolle stehen viele indische Bauern vor dem Ruin, verkaufen eine Niere oder begehen Selbstmord.

In Kanada weht genmanipulierter Rapssamen auf die Felder benachbarter Biobauern und macht damit ökologischen Anbau unmöglich. Das isländische Parlament verkauft das gesamte Genpotenzial seiner Bevölkerung an eine private Firma, die die Daten wiederum gewinnbringend an die Pharmaindustrie und Versicherungen weiterverkaufen will.

Als "Vampirprojekt" wird ein Forschungsprojekt bezeichnet, bei dem 700 sogenannten aussterbenden Völkern unter dem Vorwand gesundheitlicher Vorsorge Blut-, Haar-, und Speichelproben entnommen werden. Die Genproben verschwinden in den Labors der Industrie und sollen wertvolle Patente ermöglichen.

Weltweit bieten nur eine Handvoll idealistischer Wissenschaftler der Industrie die Stirn und untersuchen - unabhängig von deren Geld - die Auswirkungen transgener Tiere und Pflanzen auf die Umwelt und auf unsere Gesundheit, wenn wir diese genmanipulierten Lebensmittel zu uns nehmen.

Mit großer Diskussionsrunde (siehe Tagespresse)


09. Oktober

"Die Spur des Vaters" - Nachforschungen über einen unbeendeten Krieg

Dokumentarfilm von Christoph Boekel (1989 / 75 Minuten)

Der Film folgt 1987 der Marschroute von Boekels Vaters von 1941 durch die Ukraine und Rußland bis in die vordersten Gräben 60 km vor Moskau. Der Versuch einer Rekonstruktion anhand von Tagebuchaufzeichnungen und Photographien des Vaters, Berichten von überlebenden in der damaligen Sowjetunion und Gesprächen mit seinem Vater.

Christoph Boekels Film, eine präzise, stille, zornige und todtraurige Beschwörung deutscher Schuld, hat alle Aufmerksamkeit verdient.
(Der Spiegel)

Boekels gnadenlose und deshalb schockierende Abrechnung mit der Vergangenheit seines Vaters ist jedoch weit mehr, als die entlang vergilbter Tagebücher geführte Suche nach schrecklichen Zeugnissen über Hitlers Rußlandinvasion, an der Boekel sen. als pflichtgetreuer und später dann seelisch ausgebrannter Soldat teilnahm. über das private Schaudern hinaus gelingt es dem Dokumentarfilmer, die Schuld und Seelenqual einer ganzen Generation aufzuzeigen.
(Stuttgarter Nachrichten.)

Die vielleicht größte Stärke dieses Versuchs über den Krieg ist, dass er Widersprüche stehen läßt, daß er zweifelhafte Rechtfertigungen nicht mit halben Wahrheiten korrigiert. Christoph Boekel und seinem sowjetischen Kamerateam ist mit dieser Spurensuche, die vom Dokumentarfilmstudio Moskau großzügig unterstützt wurde, ein wichtiges Zeugnis über Krieg und Faschismus, über persönliche Verstrickung und persönliche Schuld gelungen.
(Frankfurter Rundschau)


02. Oktober

"Weiße Raben" - Der überlebenskampf der Kriegsheimkehrer

Dokumentarfilm von Tamara Trampe und Johann Feindt (2006 / 90 Minuten)

Adolf-Grimme-Preis 2007

2. Juni 2001, so steht es in dem alten Videoband eingeblendet. Eine russische Familie feiert ausgelassen den Abschied vom Sohn Petja. Der 18-jährige geht als Soldat nach Tschetschenien. Mit 19 ist er ein Krüppel: er hat einen Arm und ein Bein verloren. Auf eine Mine sei er getreten bei seiner Tätigkeit im Bataillon für besondere Aufgaben. Welche Aufgaben das waren, darüber schweigt er. In Kriegshandlungen sei er nicht verwickelt gewesen. Nun muss er lernen, mit Prothesen umzugehen und am Leben nicht zu verzweifeln. Eine Last, mit welcher der gleichaltrige Kiril nicht klar kommt. Körperlich ist er unversehrt, seine Seele aber zerbrochen. Er trinkt, ihm wird Raub vorgeworfen und die Vergewaltigung von Kindern. Nach seiner Rückkehr aus dem Krieg ist er ein anderer Mensch geworden. Nun sitzt er im Gefängnis und wartet auf seine Verurteilung. Die ehemaligen Soldaten sind sich selbst und allen anderen fremd geworden - wie weiße Raben unter all den schwarzen. Auch Katja geht es so. Sie sei so schnell erwachsen geworden, sagt die Krankenschwester. Die Arbeit im Lazarett habe sie gezeichnet.

Drei Jahre lang haben Tamara Trampe und Johann Feindt ihre Protagonisten immer wieder besucht und dabei beobachtet, wie sie versuchen, nach einem schmutzigen Krieg wieder in der Gesellschaft Fuß zu fassen. So wie Sergej, der schon in Afghanistan gekämpft hat. Immer noch verfolgen ihn Alpträume: Er träumt, ein 14-jähriges Mädchen habe seinen Kameraden erschossen. Da habe er das Mädchen an den Haaren gepackt und an eine Wand geschleudert. Nur die Haare habe er dann noch in den Händen gehalten. Auf die Frage "War das nur ein Traum?" antwortet er leise: "Ehrlich gesagt, es war so."

"Weiße Raben" ist ein Film über die Spuren, die der Krieg in den Körpern und Seelen der Menschen hinterlässt. Damit ergänzt er auf notwendige Weise das Wissen über den Krieg, das die Nachrichtenbilder liefern, um die existentielle Dimension. "Weiße Raben" bleibt jedoch nicht bei den Schrecken stehen, sondern bringt den Zuschauer, ohne ihn jemals überreden zu wollen, dazu, mit den Tätern, die auch Opfer sind, mitzuempfinden.


25. September

"callmebabylon" - Die geduldigen Hotlines

Dokumentarfilm von Andreas Pichler (2003 / 75 Min.)

Adolf-Grimme-Preis 2004

Wer sind die geduldigen und freundlichen Stimmen an den Tausenden von Hotlines in so genannten Call Centers, mit denen heute alle großen Firmen ihre Kunden betreuen? Es sind junge Menschen wie Johanna, Albert, Vincenzo und Salim: Moderne Vagabunden, Anfänger, Quereinsteiger. Während sie mit uns sprechen, sitzen sie irgendwo in der Welt, wo keiner es erwarten würde - zum Beispiel im "Teleport" von Amsterdam, einer Gegend in Hafennähe mit der europaweit höchsten Dichte an Call Centers. Moderne Kommunikationstechnik macht es möglich. Dieser Film erzählt von der Welt am anderen Ende der Telefonleitung.

Johanna aus Deutschland z. B. kam mit ihrem holländischen Freund nach Amsterdam. Sie haben sich in Australien kennen gelernt und wissen noch nicht, ob sie hier bleiben werden. Oder Vincenzo. Er ist aus Lebenshunger nach Amsterdam gekommen. Und der Liebe wegen. Er wird weiterziehen, auf der Suche nach einem kreativeren Job.

Die Arbeit im Call Center, bei der so immaterielle Produkte wie Information, Kundenbindung und Vertrauen produziert werden, ist schon lange ein wichtiger Arbeitsmarkt. Bereits 1,5 Prozent sämtlicher Arbeitsplätze in Europa befinden sich in den 16.000 Call- und Customer-Care-Centers. Die meisten der im Durchschnitt 23jährigen Beschäftigten bleiben dort nur gut ein Jahr, um dann weiter zu ziehen - in ein anderes Land, einen anderen Beruf, ein anderes Leben. Ihre Lebensweise korrespondiert sehr gut mit den Bedürfnissen der Call Center, von denen sie grundsätzlich nur zeitlich befristete Arbeitsverträge für ihren aufreibenden Job bekommen. Hier gilt das Primat der Flexibilität: der Personalstand der Call Center wird stets umgehend den Veränderungen in der Marktlage angepasst. Call me Babylon ist eine Recherche am Horizont der Welt, die vor unserer Tür steht.


18. September

"Auf dem Weg zu den Engeln" Das Kinderhospiz Sternenbrücke

Dokumentarfilm von Holger Vogt (88 Min.)

Erzählt wird die Geschichte von Filiz, Melvin und Marcel, von 3 Familien mit Kindern, deren Leben von tödlichen Krankheiten bedroht ist. Und von 2 Familien, deren Kinder schon gestorben sind - Sarah und Fabian. Dazu kommt das ehemalige Heimkind Pauline, deren "Familie" die Hospizmitarbeiter sind. Das kleine Mädchen stirbt während der Dreharbeiten. Die Familien haben Kinder, die schwerstkrank, schwertsbehindert und pflegebedürftig sind. Sie leiden unter den Lasten des Alltags, die das Schicksal des Kindes Kind mit sich bringt und - unter der Gewissheit des nahenden Todes. Die zentrale Frage des Films ist: Wie stehen Menschen das durch?

Etwa 22.000 todkranke Kinder leben in Deutschland. 4600 sterben jedes Jahr. Es gibt nur 7 Kinderhospize mit etwa 70 Betten und die können den Familien oft nicht helfen, weil die Krankenkassen sich weigern, die Kosten zu tragen.

Erst 1998 entstand das erste deutsche Kinderhospiz. Die STERNENBRüCKE in Hamburg eröffnete als zweite Einrichtung dieser Art vor drei Jahren. Es ist die bisher einzige in Norddeutschland, einem Einzugsgebiet mit circa 3000 unheilbar kranken Kindern. Die kindgerechte Versorgung und Pflege sterbender Kinder ist in Deutschland nach wie vor Stiefkind der Medizin, der Krankenkassen und der Politik. Dokumentiert wird der Alltag im Kinderhospiz. Eine Langzeitbeobachtung von Juni bis Weihnachten 2005.


11. September

Keine Vorstellung!!!


04. September

"Bahn unterm Hammer" (2006 / 73 Min.)

Von Leslie Franke & Herdolor Lorenz

"Warum muss diese Bahn an die Börse gehen?" fragt zu Beginn des Films der Finanzkolumnist der Financial Times Lucas Zeise. Der Film geht dieser Frage nach und bringt erstaunliche Fakten und Schemata zu Tage: Er zeigt eine Bahn, die bereits seit Jahren auf Privatisierungskurs steuert, alles für die Börse tut und immer weniger für den Kunden.

Neben dem durch die Morgensonne gleichsam vergoldet erscheinenden ICE auf der Neubau-Hochgeschwindigkeitsstrecke stehen überwucherte und verrostete Schienenpaare irgendwo abseits der Zentren. Sie führen auf den Prellbock: Symbolfür den Abbau von Mobilität und den Rückzug aus der Fläche.

"Je länger wir für den Film recherchiert und gedreht haben, desto irrsinniger erschien uns die Bahnprivatisierung", sagen die Filmemacher Herdolor Lorenz und Leslie Franke über den Werdegang des Films. "Es gibt keinen sachlichen Grund für die Privatisierung, Experten raten ab, aber es gibt einen enormen Druck auf die Politik, die Bahn auch weit unter Wert zu verkaufen. Am besten mit Gleis und Bahnhof und allen Zügen." Herdolor Lorenz und Leslie Franke von Kernfilm haben bereits die Dokumentation "Wasser unterm Hammer" gedreht, in der gezeigt wird, wie das lebensnotwendige Gut Trinkwasser privatisiert wird. Ein überaus erfolgreicher Film, von dem bereits mehr als 3000 Kopien im Umlauf sind. Trotzdem fand sich für ihr neues Projekt "Bahn unterm Hammer" kein Fernsehsender, der diesen kritischen Dokumentarfilm mitfinanzieren wollte. So ist dieser neue Film des Kernfilmteams durch "Filmförderung von untern" entstanden, über 800 Förderer haben die ihn finanziert. Im Anschluss an den Film laden wir Sie zu einer Podiumsdiskussion ein über den Film und das Reiz-Thema "Bahn" & Privatisierung. Diskutanten sind

  • Die Filmregisseure;
  • Hans-Gerd öfinger von der Gewerkschaft TransNet;
  • Ein Vertreter der IHK Frankfurt (Standortpolitik) - angefragt;
  • Gregor Amann, SPD - MdB aus Frankfurt;
  • Monika Lege von "Robin Wood".
  • Die Deutsche Bahn weigert sich, über den Film öffentlich zu reden
  • Moderation: Ulrike Holler und Viola Lin


28. August

100 Jahre Naxoshalle -- Der Familienfilm

"Der Schuh des Patriarchen" (1988 / 110 Min.)

Aufstieg und Fall der Bally-Dynastie

Dokumentarfilm von Bruno Moll

Dieser Film ist ein Juwel aus der Spezialkiste des Schweizer Dokumentarfilms. Er beschreibt die Entwicklung des Bally-Unternehmens von der Hosenträgerfabrikation über die Schuhfabrik Bally Holdinggesellschaft zur Tochter der Oerlikon-Bührle-Holding AG. Die bald 140jährige Firmengeschichte steht modellhaft für die Entwicklung einer Firmendynastie zum Managerunternehmen. Er beschreibt beispielhaft die Philosophie und das Selbstverständnis der Patriarchen von gestern und heute. Insofern ist die Familie Bally im Film ein guter "Stellvertreter" und doch wieder ganz anders als die Unternehmerfamilie Pfungst, früher Eigentümer der Naxos-Union und ab 1917 der Pfungst-Stiftung. Im "Schuh des Patriarchen" sind Bild und Wort fragmentarisch montiert zu einer imaginären Zusammenkunft der alten, selbsternannten Herrscher und der modernen angestellten Manager.

"Das Verhältnis zwischen oben und unten, die Selbstherrlichkeit der Herrschenden wird entlarvt. Es geht um die peinliche Beredsamkeit der Manager und Industriellen und um das Schweigen der grauen Masse. Ein an die beste Tradition des Schweizer Dokumentarfilms anknüpfender Film." Tessiner Zeitung.

Zum Filmgespräch kommt der Regisseur Bruno Moll aus der Schweiz. Barbara Wolf von der Dr. Arthur Pfungst-Stiftung erzählt über die Frankfurter Unternehmerfamilie Pfungst, der die Firma Naxos-Union und auch die Naxoshalle gehörte. Die Pfungst�s waren aufgeklärte Juden und sehr sozial eingestellt. 1917 überführten sie das Unternehmen in die Dr. Arthur Pfungst-Stiftung. Marie Pfungst war die letzte überlebende; sie starb 1943 im Konzentrationslager Theresienstadt. "Zuständig" für die Arbeitnehmer-Brille ist der langjährige hessische DGB-Vorsitzende Dieter Hooge.


21. August

"100 Jahre Naxoshalle - Der Film"

"Stillegung" (1987 / 86 Min.)

Dokumentarfilm von Klaus Wildenhahn

Klaus Wildenhahn ist als Gast in der Naxoshalle!!!

100 Jahre alt wird die Naxoshalle in diesem Jahr. Stillgelegt wurde sie schon 1989. Zwei Jahre vorher, im Sommer 1987, wurde das Thyssen-Hüttenwerk in Oberhausen stillgelegt, Exemplarisch für zwei Jahrzehnte Plattmachen beschreibt der berühmte Dokumentarfilmregisseur Klaus Wildenhahn das Geschehen. Das Hüttenwerk gehörte zu den traditionsreichsten Industriebetrieben Deutschlands. Es war auch Schauplatz einiger Spielfilme und galt als Wahrzeichen des Ruhrgebietes schlechthin. Aber auch das hat es nicht vor dem Plattmachen bewahrt.

"In einer völlig unüblichen Direktheit und Selbstverständlichkeit markiert Klaus Wildenhahn die Stelle, an der grundsätzliche Veränderungen im gesellschaftlichen und individuellen Leben spürbar werden und an der hier am exemplarisch erforschten Beispiel mit aller Wucht die Interessen von Kapital und Arbeit aufeinander prallen." (epd Film 1988)


14. August

Keine Vorstellung!!!


07. August

"22 Uhr Weseler Werft open air"

"Antonio Negri - eine Revolte die nicht endet" (90 Min.)

Dokumentarfilm von Alexandra Weltz und Andreas Pichler

Kaum ein europäischer Intellektueller hat so viel Bewunderung und Hass, soviel Zuspruch und Ablehnung auf sich vereint wie Antonio Negri. Kaum einer hatte ein derart widersprüchliches und bewegtes Leben. Negri ist Universitätsprofessor, Philosoph, Militanter, Gefangener, Flüchtling, Exilant, Staatsfeind Italiens und gilt heute neben Arundhati Roy und Noam Chomsky als eine der Gallionsfiguren der kritischen Globalisierungsbewegung. Es ist Negris Einfluss auf die außerparlamentarischen Protestbewegungen der 70er Jahre, die ihn bis heute zu einer der kontroversesten Figuren der italienischen Zeitgeschichte machen. Zwischen Fabrikbesetzungen und Massenverhaftungen wurden seine Theorien und Texte zum Bezugspunkt der radikalen Autonomiabewegung. en will, schreibt bis Ende Juni an redaktion@xinemascope.de).

Von Staatsseite verstand man sie als theoretische Matrix für den um sich greifenden Terror. Negri wurde zum "cattivo maestro", zum "Verführer der Jugend" - ein Staatsfeind dem vorgeworfen wurde, der Kopf der Roten Brigaden und der Entführer Aldo Moros zu sein. Die Zuspitzung der gesellschaftlichen Konflikte Ende der 70er Jahre, endeten für Negri in Haft und späterem Exil. Erst seit April 2003 ist der heute über 70jährige wieder auf freiem Fuß.

Negris spektakuläre Rückkehr 1997 aus dem französischen Exil war der Versuch, eines der dramatischsten Kapitel der italienischen Nachkriegsgeschichte zu beenden und eine Debatte um Amnestie zu befördern. Es war auch eine Rückkehr in die Gegenwart: Während er den übergang ins neue Jahrtausend unter Meldeauflagen in Rom verbrachte, wurde sein im Jahre 2000 erschienenes Buch EMPIRE, das er gemeinsam mit dem amerikanischen Literaturwissenschaftler Michael Hardt verfasst hat, in den internationalen Medien zum "kommunistischen Manifest des 21. Jahrhunderts" erklärt. Ein theoretisches Werk, das zum Weltbestseller wird. Im September 2004 erscheint die Fortsetzung "Multitude: Krieg und Demokratie im Empire." Die beiden Regisseure des Films Alexandra Weltz und Andreas Pichler machen sich in ihrem Dokumentarfilm auf die Suche nach der Geschichte Antonio Negris, suchen nach biographischen, theoretischen und historischen Entscheidungspunkten und porträtieren ein außergewöhnliches Leben zwischen Philosophie und Revolte. In Begegnungen mit Negri und seinen politischen Weggefährten und Freunden zeichnet der Film Kontinuitäten und Brüche von den 60er Jahren bis heute nach.


07. August

"Naxoshalle 19:30 Uhr (!)"

"MPS - Jazzin' the Black Forest" (89 Min.)

Musikdokumentarfilm von Elke Baur

Keinen anderen europäischen Jazzproduktionen wurde in den letzten Jahren so viel Beachtung geschenkt, wie dem deutschen Jazzlabei MPS (Musik Produktion Schwarzwald). Sowohl Sammler als auch DJ's aller Kontinente sorgen dafür, dass die Scheiben aus den 60er und 70er Jahren aus Villingen zu Höchstpreisen den Besitzer wechseln. So wurden viele vom Gründer und Besitzer Hans-Georg Brunner Schwer (HGBS) im eigenen Tonstudio produziert. Dabei veröffentlichten nicht nur einheimische Musiker wie Wolfgang Dauner, Albert Mangelsdorff, Eberhard Weber, die Gebrüder Kühn oder Volker Kriegel ihre Platten auf dem gegründeten Label, auch Stars wie z.B. Oscar Petersen, George Duke, Jean-Luc Ponly, Lee Koniti, Charly Manane, Kenny Ciark, Francis Boland, Cecil Taylor, oder Dave Pike gehörten zum festen Künstlerstamm. Seit den 90er rücken die junge DJ-Szene, wie Oliver Korthals (Mojo Club) oder Rainer Trüby die MPS-Originale wieder ins Bewusstsein einer Hörergene-ration zum Zeitpunkt der Aufnahmen noch nicht einmal geboren waren. Erinnerungen vieler Jazz Stars und ehemaliger Mitarbeiter/innen sowie nie gezeigte musikalische Archiv-Dokumente lassen eine Jazz-ära und den "Most Perfect Sound" von HGBS, wie Freunde den Gründer Hans-Georg Brunner Schwer nannten, lebendig werden.


06. August

"22 Uhr Weseler Werft open air"

"Heavy Metal auf dem Lande" (60 Min.)

Dokumentarfilm von Andreas Geiger

Donzdorf am Rande der Schwäbischen Alb: dörflicher Ortskern, Neubaugebiet, Schwimmbad, spitzer Kirchturm, Supermarkt. Hier, in tiefer schwäbischer Provinz, befindet sich die größte unabhängige Heavy-Metal-Plattenfirma der Welt. Sie betreibt Filialen in Los Angeles und anderen Weltstädten, und ihr Vertrieb beliefert weltweit jeden erdenklichen Ort.

Markus Staiger, ein junger Mann aus Donzdorf, hat aus seiner Begeisterung für Heavy Metal eine der größten Plattenfirmen dieser Branche gemacht. Ausgehend von ihm und seiner Firma "Nuclear Blast Records" beobachten wir das teilweise skurrile Miteinander von beschaulichen Dorfbewohnern und einer kruden Hard-Rock-Szenerie und entdecken, dass diese Musikkultur, unbemerkt von den städtischen Subkulturen, längst ein fester Bestandteil des Landlebens geworden ist.


31. Juli

"22 Uhr Weseler Werft open air"

"Der Tag als die Beatles beinahe nach Marburg kamen" (67 Min.)

Dokumentarfilm von Michael Wulfes

September 1966. Ein Fremder betritt den Friseursalon Kilian gleich neben dem Marburger Bahnhof und bittet darum, seine Beatles-Mähne ein wenig zu stutzen. Ferdie, der korpulente stark kurzsichtige Junior des Hauses, übernimmt die Aufgabe. Im Laufe ihres Gesprächs macht der Fremde Kilian ein sensationelles Angebot: Er, ein persönlicher Freund John Lennons, könnte die Beatles - schon damals absolute Weltstars - überreden, demnächst in Marburg ein Konzert zu geben, wenn, ja wenn Kilian jr. bereit sei, die Organisation vor Ort zu übernehmen. Ferdie, der seit Jahren mit wenig Fortune versucht, irgendetwas Großes auf die Beine zu stellen, sagt begeistert zu. Vielleicht kann er auf diesem Weg ja auch seinen hartherzigen Vater endlich von seinen Qualitäten überzeugen. Kilian mietet die Stadtsäle an, er lässt Plakate und Eintrittskarten drucken und spannt Freunde als Helfer ein. Als dann auch die Oberhessische Presse vom kommenden Konzert berichtet, sind Marburgs Beatfans aus dem Häuschen - zumindest ein beträchtlicher Teil von ihnen. Eine Lawine ist losgetreten...

Der Münchner Regisseur Michael Wulfes, ein geborener Marburger, hat eine TV-Dokumentation über diese amüsante Episode gedreht. Die bitter-süße Geschichte erzählt von einer tragischen Vater-Sohn Beziehung, vom Leben und Träumen der jungen Leute in der kleinen Stadt Marburg. Es geht um Beatclubs und Miniröcke, um Ausbruchsversuche und moralische Abgründe. Wir befinden uns nämlich in den Jahren kurz vor Beginn der "68er". Natürlich spielt die Beat-Musik eine ganz zentrale Rolle....


31. Juli

"Rosen, Dornen und Träume" (74 Min.)

Musikalischer Dokumentarfilm von Tatiana Yankina und Ralf Brings

Naxoshalle 19:30 Uhr (!)

Abgeschieden von der Außenwelt leben 95 Bühnenkünstler aus der ehemaligen Sowjetunbn gemeinsam in einem Altenwohnsitz in St. Petersburg. Hier haben sich die alten Schauspieler, Tänzer, Maler und Opernsänger ihre eigene Theaterwelt geschaffen. Alte Leidenschaften erwachen und jeder möchte wieder im Rampenlicht stehen. Der Tod, so sagen sie, kommt erst wenn sie aufhören zu spielen. Das "Haus der Veteranen der Bühne" ist ihre letzte große Bühne, ein Ort der Hingabe, leidenschaftlicher Gefühle, Sehnsüchte und Träume. Vier Jahre haben die Hamburger Filmemacher Tatiana Yankina und Ralf Brings das Künstleraltenheim an der Newa besucht. Ihr Film zeigt, wie die Bühnenveteranen mit Pathos, Eitelkeit, Witz, aber auch eiser-ner Disziplin dem schleichenden Verlust ihres Könnens trotzen und dokumentiert liebevoll den leidenschaftlichen Lebensabend eines unsterblichen Ensembles von Exzentrikern und Diven. FBW-Auszeichnung: "wertvoll".

Mehr zum Film auf: www.rosen-dornen-und-traeume.agdok.de

Dazu ein Vorfilm: "Hauptsache Lehmann" (12 Min.)

Dokumentarfilm von Birgit Lehmann

Das erste, was du im Leben verpasst bekommst, ist dein Name. Dazu brauchst du noch nicht einmal geboren zu sein, ja noch nicht einmal gezeugt. Bums und du heißt Lehmann, ohne dass du Einspruch einlegen kannst. Und dann musst du dich auch noch mit einem Allerweltsnamen abfinden!

Der 12-minütige Dokumentarfilm zeigt humorvoll, wie Lehmänner ihr Namensschicksal meistern.


30. Juli

"22 Uhr Weseler Werft open air"

Kurzfilmwettbewerb - Radio X hat Geburtstag

Seit 10 Jahren ist der Sender ein Forum für die unabhängige Kultur in Frankfurt. Die Redaktion Xinemascope feiert das zusammen mit der Sommerwerft, in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Gestaltung (HfG) in Offenbach, mit einem Kurzfilmprogramm, das die versteckten Schätze der lokalen Filmszene auf die Leinwand und drahtlosen Kopfhörer der Werft bringt. Zwei Stunden Kino, wie man es woanders leider selten zu sehen bekommt. (Wer einen Beitrag vorschlagen will, schreibt bis Ende Juni an redaktion@xinemascope.de).


Sommerwerft - Festival 2007
Kooperation "Kino im Theater" und "Theater Antagon"

Musik und Revolution - unter diesem Motto präsentieren das Kino im Theater und das Theater Antagon im Rahmen des Sommerwerft-Festivals sechs Dokumentarfilme.

Orte sind die Weseler werft an der Flößerbrücke (Open Air) und die Naxoshalle.

Anfangszeiten: Naxoshalle an den beiden Dienstagen um 19:30 Uhr (!)

Weseler Werft Montag und Dienstag 22 Uhr open air Eintritt: 6 ¤ (ermäßigt 4 ¤)

Wer jeweils Montag / Dienstag zwei oder drei Veranstaltungen besucht, zahlt bei den weiteren Filmen nur noch die Hälfte.(3 ¤).

 

24. Juli

"Fluten" (2004 / 75 Minuten)

Dokumentarfilm von Niels Bolbrinker

"Zweimal in ihrem Leben ist meine Mutter in eine schwere Depression gefallen: einmal in den frühen fünfziger Jahren nach dem plötzlichen Tod meines Vaters, das andere Mal vor gut zehn Jahren, als sie Rentnerin war und mein Stiefvater starb.

Seit einiger Zeit hat sie begonnen, ihre Erinnerungen in Form von fragmentarischen Geschichten und Liedern auszudrücken. Thema dieser verschlüsselten Erzählungen sind immer wieder schwere Traumatisierungen: In der Kriegszeit wurde sie als junges Mädchen Zeugin furchtbarer Gewalt, und in der Nachkriegszeit wurde ihr Entsetzen über den jähen Tod ihres Mannes mit dem Terror von Elektroschocks behandelt.

über Jahrzehnte wurde in der Familie über diese Ereignisse geschwiegen. Nun, als Fünfundsiebzigjährige, legt meine Mutter Spuren aus, die zu ihren Erinnerungen zurückführen."

Der Film folgt diesen Spuren, versucht sie zu entschlüsseln und beschäftigt sich, ausgehend von einer individuellen Biographie mit dem Fortwirken kollektiver Verletzungen und den Versuchen, sie zu heilen.

 

17. Juli

"Die Blume der Hausfrau"

Dokumentarfilm von Domnik Wessely

Ein Film mit Kultstatus. Endlich gibt es auch mal was zu lachen. Obwohl: Manchmal bleibt einem das Lachen auch im Halse stecken. Dominik Wessely hat 5 Staubsaugervertreter einen Monat lang begleitet auf ihrer Tour durch die deutsche Provinz. Herausgekommen ist ein Film voller Situationskomik und mit einem verschmitzten Blick in deutsche Wohnzimmer. Wer immer schon einmal wissen wollte, wie Andere auf Vertreterbesuch reagieren, kommt bei diesem Film auf seine Kosten.


10. Juli

Keine Vorstellung / Theaterferien


03. Juli

Keine Vorstellung / Theaterferien


26. Juni

"LOSERS AND WINNERS - Arbeit gehört zum Leben" (2006 / 96 Min.)

Dokumentarfilm von Ulrike Franke und Michael Loeken

400 chinesische Arbeiter zerlegen im Ruhrgebiet die Kokerei Kaiserstuhl in Einzelteile und verschiffen sie in ihre Heimat: Abbruch West - Aufbau Fernost. Die letzten Dortmunder Koker müssen den Chinesen dabei helfen, ihren eigenen Arbeitsplatz abzubauen.

Eineinhalb Jahre lang begleiten wir die Demontage einer gigantischen Industrieanla-ge und dokumentieren Geschichten entlang des Verschwindens: Wie die Koker im Pott Ankunft und Arbeitsweise der Chinesen erleben, was sie fühlen, wenn sie mit der modernsten Kokerei der Welt auch ihren Stolz schwinden sehen, aber auch die Belastungen und Konflikte in der 60-Stunden-Woche der chinesischen Arbeiter fernab ihrer Heimat und ihrer Familien, zwischen Zukunftseuphorie und Zweifeln.

Zwei Welten treffen aufeinander. Doch wer ist am Ende Gewinner, wer Verlierer, wenn die Arbeit samt "Wirtschaftswunder" auswandert und eine deutsche Region das Phänomen Globalisierung auf einmal ganz konkret am eigenen Leib zu spüren be-kommt, während im Reich der Mitte täglich neue Visionen entstehen und vergehen?


19. Juni

"Schotter wie Heu" (2002 / 98 Min.)

Dokumentarfilm von Wiltrud Baier und Sigrun Köhler

Der Dokumentarfilm "Schotter wie Heu" porträtiert Deutschlands kleinste Bank. Der einzige Angestellte ist ein Antikapitalist.

Der Vorstandstisch, "auch für Kunden- und Anlagegespräche", befindet sich neben dem Waschbecken. Der "Buchhaltertrakt" ist ein Schreibtisch mit Stuhl direkt dahinter. Die Rechenmaschine ist von 1938 und funktioniert durch Kurbeln. Der Kundenschalter ist nicht aus Holz. In der untersten Schublade befinden sich die Luftballons, die Dekoration für den Weltspartag. Willkommen in Deutschlands kleinster Bank. Fritz Vogt, geschäftsführender Vorstand seit 1967 und einziger Angestellter der Raiffeisenbank Gammesfeld, ist den Medienrummel um ihn und seine kuriose Kreditinstitution gewohnt. Fernsehteams besuchen ihn regelmäßig, auch zu Talkshows ist er schon eingeladen gewesen. Alle wollen sie von ihm dasselbe wissen: wie das geht, eine Bank zu führen, so ganz ohne Computer, Laserdrucker, Internet? Kein Zweifel: Fritz Vogt ist der wichtigste Mann im Dorf. Die Kinder im Kindergarten, die Arbeiter auf der Baustelle, die Gäste in der Kneipe, alle kennen ihn, denn alle haben sie ihm ihr Geld anvertraut.

Den Kuhstall des Landwirts Vogt zeigt "Schotter wie Heu" zwar auch. Aber genauso die Feuerwehr, den Edeka, die Kirche, die Kneipe, das Schotterwerk. Nicht den Bankdirektor mit der Mistgabel, die ganze Gemeinde Gammesfeld im Landkreis Schwäbisch Hall haben Baier und Köhler zur Hauptperson in ihrem Film gekürt. Dafür mussten sie allerdings länger als die zwei Tage bleiben, die es das Team von Fernsehen ausgehalten hat


13. Juni

"Serengeti darf nicht sterben" (1959 / 84?)

Dokumentarfilm von Bernhard & Michael Grzimek

Oscar-Preisträger 1960!!!

1957 starteten Professor Bernhard Grzimek, Präsident der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, und sein Sohn Michael ihr Forschungsprojekt über die Wanderungen der Weißschwanzgnus und nahmen die Dreharbeiten zu einem Film über dieses Thema auf. Sie flogen mit ihrem berühmten "zebragestreiften" Flugzeug nach Tansania. Etwa ein Jahr danach, als noch nicht einmal die Hälfte des Films gedreht war, verunglückte Michael Grzimek beim Absturz seines Flugzeugs tödlich. "Serengeti darf nicht sterben" erhielt einen Oscar, machte die Serengeti weltweit bekannt und stärkte die Sensibilität der Bevölkerung für die schwierige Lage der wilden Tiere Afrikas. Heutzutage wird die Serengeti von Filmteams aus aller Welt besucht. Viele von ihnen filmen immer wieder die gleichen alten Geschichten. Aber diese Geschichten sind zeitlos, sie können von Generation zu Generation neu erzählt werden - und sie sorgen dafür, dass "Serengeti" ein Begriff unseres gängigen Wortschatzes und damit einer der bekanntesten Nationalparks der Welt bleibt.

Zum anschließenden Filmgespräch über Tier- und Naturschutz haben Dr. Christoph Schenck Geschäftsführer der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt) und Grzimek-Enkel Christian Grzimek zugesagt.

10.30 Uhr: Sonderveranstaltung für Schulen
18.30 Uhr: Abendvorstellung. Anschließend Filmgespräch
Eintritt frei!!!


12. Juni

Preview am Tag vor der Erstsendung in der ARD

"Der Tag als Theo van Gogh ermordet wurde" von Esther Schapira und Kamil Taylan

Erste öffentliche Aufführung mit der Redaktion, den Filmemacher/innen und prominenten Gästen!!!

Nach Ausstrahlung des Films "Submission" über die Unterdrückung der Frau durch den Islam erhielt der Regisseur Theo van Gogh verstärkt Morddrohungen. Am 2. November 2004 wurde er gegen neun Uhr in der Amsterdamer Linnaeusstraat ermordet. Eine öffentliche Hinrichtung. Ein ganzes Land steht unter Schock. Bis heute. Der Attentäter ist der 26 Jahre alte Marokkaner Mohammed Bouyeri, der in den

Niederlanden geboren wurde und aufgewachsen ist. Er besitzt die marokkanische und niederländische Staatsbürgerschaft und galt als gut integriert. War es also ein überraschender Amoklauf, die tragische Tat eines psychisch gestörten jungen Mannes?

Esther Schapira ( "Drei Kugel und ein totes Kind", "Der Tag als ich ins Paradies wollte") schildert in ihrem neuen Dokumentarfilm die Hintergründe dieser öffentlichen Hinrichtung. Schapira geht den Spuren des Mörders nach und findet heraus, dass es sich bei Mohammed Bouyeri keineswegs um einen Einzeltäter handelt, sondern um eine unter Beobachtung des niederländischen Geheimdienstes stehenden Terroristenzelle. Bouyeri hatte Kontakte bis in die oberen Ebenen der Al Quida. Die Autorin zeigt aber auch, dass der Mord an van Gogh eigentlich einer jungen und engagierten holländischen Abgeordneten galt, Aiaan Hirsi Ali, eine Frauenrechtlerin aus Somalia, die mit van Gogh zusammen den Film "Submission" entwickelt hatte. Aiaan Hirsi Ali warnt in "Der Tag als Theo van Gogh ermordet wurde" , vor der Politik der Verharmlosung der islamistischen Gefahr und ruft zur Verteidigung der Demokratie auf. Mit Theo van Gogh wurde nicht nur ein umstrittener Filmemacher ermordet, sondern auch der Freiheit des offenen Wortes der heilige Krieg erklärt. "Ein Mord wie der an Theo", sagt einer seiner besten Freunde im Film, "ist wirkunsgvoller als jeder große Anschlag mit 200 Toten. "Der Tag als Theo van Gogh ermordet wurde" ist eine beklemmende Dokumentation über die erschreckende internationale Vernetzung des Terrors.

Ausnahmsweise im Mousonturm / Studiobühne, Waldschmidtstraße 4 (schräg gegenüber der Naxoshalle)


5. Juni

Dienstag auf Naxos: Der Kampf gegen Parkinson

"Vom Schaukeln der Dinge"(2005 / 80 Min.)

Dokumentarfilm von Beatrix Schwehm

Der Schauspieler, Kabarettist, Autor und Rugby-Fan RUDOLF HöHN ist auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Mit der Diagnose Morbus Parkinson bricht alles zusammen - einerseits. Anderseits macht sie ihn offen für Begegnungen völlig anderer Art. Höhn gründet das Behinderten-Theater "Pschyrembel" und wird Pressesprecher des Bremer Rugbyclubs. Er schreibt nicht nur Artikel, Aufsätze und Satiren für die Rugbymannschaft, sondern auch Theaterstücke und Kabaretttexte.

Beatrix Schwehm begleitet Höhn ein Jahr lang. Ihr Film zeigt seine ungebrochene und intensive Leidenschaft für Bühne, und Rugby - Gegensätze, die für ihn vieles gemeinsam haben. "... Höhn lebt in seiner dritten Halbzeit, und dieser Film zeigt sehr berührend, aber nie sentimental, wie er sich darin eingerichtet hat." Info unter: www.ventura-film.de


29. Mai

Dienstag auf Naxos: Fünf Geschichten aus Lauchhammer

"Aussicht auf Hoffnung" Dokumentarfilme der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" Potsdam-Babelsberg

Die Stadt Lauchhammer in Südbrandenburg war zu DDR-Zeiten eine wirtschaftliche Vorzeigeregion mit Braunkohleverarbeitung und Schwerindustrie. Die Wende brachte den totalen Abbruch der industriellen Infrastruktur. Im "Armenhaus des Landes Brandenburg" leben heute die meisten Langzeitarbeitslosen Deutschlands (mehr als 50% der Arbeitslosen). Wer kann, sucht sich Arbeit anderswo.

Niemand schaut gerne in diese Region. 5 Filmteams der HFF-Potsdam taten es und

fuhren im Dezember 2002 zu Recherchen nach Lauchhammer. Sie besuchten stillgelegte Tagebauten, Arbeitsämter, "Arbeitslosenfrühstücke" und Jugendclubs; vor allem sprachen sie immer wieder mit den Bewohnern der Stadt. Sie fanden Menschen, die bereit waren sich zu öffnen - und Geschichten, die lohnen erzählt zu werden.

Im Sommer 2003 wurden die Begegnungen zu Dreharbeiten intensiviert und zu Kurz- porträts von fünf Menschen, die in Lauchhammer leben, geformt. Zusammen geben die Filme einem Zustand ein Gesicht: Während viel zu oft nur Statistikzahlen das Bild bestimmen, bietet "Aussicht auf Hoffnung" mal auf ernste, mal auf amüsante Weise, echte Einblicke in eine postindustrielle Wirklichkeit. Die fünf Filme:

-"Es geht ja um Mutti" von Michael Würfel

-"weiter, weiter" von Nikolas Jacob

-"Kohle zu Kohle" von Manuel Zimmer

-"Im Zwischenraum" von Dirk Hilbert

-"Familiensache" von Min-Lay Nahrstedt


22. Mai

Dienstag auf Naxos: Die Brücke von Mostar

"Die Amateure und der General" (2005 / 99 Min.)

/ von Helge Cramer

Mitten im Bosnien-Krieg brach im Südwesten des Landes der erste christlich-muslimische Krieg im modernen Europa aus: katholische Kroaten und muslimische Bosniaken, die sich bis dahin gemeinsam gegen die Serben verteidigt hatten, kämpften um die Vorherrschaft in der Herzegowina und um ihre Hauptstadt Mostar. Ein Jahr lang bombardierte die kroatische Bürgerkriegsarmee aus dem christlichen Westteil der Stadt die muslimische Altstadt. Am 9. November 1993 fiel die weltberühmte Stari Most, die osmanische Alte Brücke vom Mostar.

Drei Mostarer, vor dem Krieg Nachbarn und Freunde, beobachten den Wiederaufbau des muslimischen Weltkulturerbes an der Neretva:

Jeder der drei Protagonisten erzählt seine eigene Geschichte vom Leben, vom Krieg und vom Sterben an der Alten Brücke - und von der Wiedergeburt der Stari Most, die nach dem christlich-muslimischen Bürgerkrieg als Brücke zwischen den Menschen im christlichen West- und dem muslimischen Ostteil der Stadt wiederaufgebaut wurde.


15. Mai

"Sterne am verbrannten Himmel"
Die Frauen von Kabul (54 Min.)

von Elke Jonigkeit

Dieser Film sagt mehr über die Gründe der Zerrissenheit dieses Landes und seiner Menschen aus als der schnelle Nachrichtenjournalismus, der Politikern und Kriegsführern das Wort gibt. Er zeigt uns einzigartige, bisher nie gesehene Bilder der afghanischen Welt hinter den Schleiern: Wir folgen der Regisseurin ins Frauengefängnis von Kabul, in dem Frauen für ihre selbstbestimmte Liebe gefangengehalten werden. Wir erleben die Arbeit einer ärztin in einer primitiven Klinik in einem Dorf, in dem ihre Familie fast vollständig ausgelöscht worden ist, weil sie seinerzeit in der Sowjetunion studiert hatte. Wir begleiten sie beim Gang ins berüchtigten Stadion von

Kabul, in dem Frauen unter den Taliban gesteinigt wurden. Wir lernen die 14jährige Chatiba kennen, die sich die Hände blutig näht am harten Stoff der Tschadari. Wir freuen uns an der Hoffnung der jungen Frauen, die endlich lernen dürfen und von einer beruflichen Zukunft träumen. Diese Momentaufnahmen und die Geschichte der drei Protagonistinnen aus einem früheren Film von Elke Jonigkeit fügen sich zu einem eindringlichen Portrait des heutigen Afghanistan, das das ganze Ausmaß der Tragödie des Landes offenbart. Gemeinsam ist den Frauen: durch ihren Kampf für ein selbstbestimmtes Leben verletzten sie die Grundregeln der afghanischen Männerwelt und mussten teuer dafür bezahlen. Trotzdem haben sie nicht aufgegeben. Elke Jonigkeit traf Frauen, deren Kraft, Mut und Schönheit ungebrochen sind. Die "Frauen von Kabul" leuchten "wie Sterne am verbrannten Himmel".

Mit dem Film entstand das Hilfsprojekt NAZO - Schule für Mädchen. Dieses Projekt stellt die Regisseurin in der Naxoshalle erstmals mit einem kurzen Film dar und berichtet darüber, wie auch wir das Projekt unterstützen können...


8. Mai

Dienstag auf Naxos: zum Tag der Befreiung am 8. Mai 1945

"Die Finsternis"
über einen Staat ohne Territorium (84 Min.)

Dokumentarfilm von Thomas Tielsch

Im Sommer 1944 wird die gesamte französische Vichy-Regierung unter Marschall Pétain, die mit der deutschen Besatzungsmacht kollaboriert, angesichts der näher rückenden Alliierten evakuiert und nach Süddeutschland gebracht. Das Sigmaringer Hohenzollern-Schloss wird zum französischen Regierungssitz - ein Staat ohne Territorium.

Im Gefolge der Regierung überschwemmen über tausend prominente Kollaborateure und ihre Familien den kleinen abgeschiedenen Ort und bleiben dort bis zum März 1945. Unter ihnen Louis Ferdinand Céline, der 1932 mit seinem ersten Roman "Reise ans Ende der Nacht" Weltruhm erlangt hatte und sich später mit antisemitischen Pamphleten kompromittierte. Céline hat diese Zeit in Sigmaringen in dem infernalischen Roman "Von einem Schloss zum andern" beschrieben, der 1957 erschien. Die letzten Monate vor der deutschen "Stunde Null", wie sie sonst niemand überliefert hat: dokumentarisch und wild, im Fieberwahn der Realität.


01. Mai

Keine Vorstellung (Feiertag)


17. April

Dienstag auf Naxos: Tschernobyl & Wackersdorf - 20 Jahre danach (1)

"Halbwertszeiten"
Dort der GAU, hier der Widerstand (2006 / 80 Minuten)

Dokumentarfilm von Irina Kosean

20 Jahre sind seit dem Reaktorunfall in Tschernobyl vergangen. 20 Jahre ist es her, dass sich eine ganze Region gegen den Bau der Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf auflehnte: "Aufruhr, leistet Widerstand - keine WAA in unserm Land!" Damals hat "Denk-mal-Film" (Klaus Strigel und Bertram Verhaag) einen Aufsehen erregenden Dokumentarfilm darüber gedreht.

?Die Sprechchöre sind verhallt, die Inschriften verblasst. Transparente und andere Reliquien des großen Widerstands verstauben unter ausgemustertem Kinderspielzeug. Wir Kinder der Aufruhrgeneration sind erwachsen geworden - und die Aufrührer irgendwie auch. Der ehemalige "Feind" ist im Ruhestand. Was hat sie bewegt die Kontrahenten von damals, was bewegt sie heute und wie sehen sie die damalige Bewegung jetzt? Die Halbwertszeit radioaktiver Isotope ist berechenbar lang. Tschernobyl hat die Welt physikalisch für Generationen verändert, aber wie sieht es mit den Veränderungen der Menschen durch den damaligen Widerstand aus?


24. April

Dienstag auf Naxos: Tschernobyl & Wackersdorf - 20 Jahre danach (2)

"Verstrahlt und vergessen"
Freunde in Tschernobyl (2006 / 58 Min.)

Dokumentarfilm von Christoph Boekel

Der Filmemacher Christoph Boekel hat lange Jahre in Russland gelebt und gearbeitet. Bei Recherchen und Dreharbeiten zu seinen Filmen hat er Menschen kennen gelernt, die Opfer der Atomkatastrophe wurden. In seinem Film 'Verstrahlt und vergessen' zeichnet er Schicksaale nach und befragt Augenzeugen - ihm nahestehende Menschen, deren Leben durch die Katastrophe von Tschernobyl tiefgreifend verändert wurde.

Der junge Künstler Dmitrij Gutin z. B. wurde in den letzten Tagen seines Militärdienstes zum Bau einer Eisenbahnlinie in der hochverstrahlten Zone um den explodierten Reaktor abkommandiert. Nach langen Leidensjahren starb er kurz vor seinem 40sten Geburtstag. Der eindringlich aus der persönlichen Sichtweise des Regisseurs erzählende Film ist ein Requiem für die Opfer und eine Mahnung vor dem bedingungslosen Vertrauen in den Fortschritt.


10.April

Dienstag auf Naxos: Die fantastische Welt des Fußballs

"Futbol Fanatico" (2006 / 83 Minuten)

Von Carlo Farsang und Jörg Heinisch

Die Leidenschaft, mit der Fußball-Anhänger ihre Mannschaften begleiten und unterstützen, hat auf der Welt die unterschiedlichsten Ausprägungen. Die fanatischsten sind in Südamerika anzutreffen. Vor allem in Argentinien wird auf den Rängen ein visuelles Erlebnis in farbreichen Fahnen, Bändern, Papierschlangen und Konfetti geboten, das von Gesängen unterstützt wird, die den eigenen Klub huldigen. Das Spiel

geschehen auf dem Rasen gerät dadurch nicht nur kurzzeitig in den Hintergrund. Für die Anhänger steht ihr Klub im Vordergrund ihres Lebens. Entsprechend entladen sich die Emotionen an den Spieltagen. Diese fanatische Leidenschaft kannte man in Europa bisher höchstens vom Hörensagen.

Der Blick richtet sich auch nach Osteuropa auf die Tribünen dreier traditionsreicher Derbys: Levski Sofia - ZSKA Sofia; Dinamo Bukarest - Steaua Bukarest; Partizan Belgrad - Roter Stern Belgrad. Das ungewöhnliche Derby der Ländermannschaften von Seychellen - Mauritius hebt sich dann von den vorangehenden Begegnungen ab.

...und dazu eine Ausstellung in der Naxoshalle ...

... mit Bildern von Fußballspielen aus 75 Ländern ...

Am Filmgespräch nehmen teil der Filmemacher Jörg Heinisch und Stefan von Ploetz, Frankfurter Fanprojekt. Angefragt sind mehrere Spieler von Eintracht Frank-furt


03. April

"Mein Freund der Mörder"
Eine "Legende vom edlen Ritter"? (90 Minuten / 2004)

Dokumentarfilm von Peter Fleischmann

Bis zu drei Panzerschränke knackte Bernhard Kimmel, der "Al Capone von der Pfalz", mit seinen Kumpanen in einer Nacht und verteilte anschließend seine Beute in pfälzischen Vorgärten. 1970, als Peter Fleischmann Kimmel zum ersten Mal traf, war dieser 34 Jahre alt und bereits eine Legende. Während der Interviews mit dem entlassenen Straftäter schlossen die beiden Freundschaft, die auf eine harte Probe gestellt wurde, denn 1982 erschoss Kimmel bei einem Einbruch einen Polizisten. Nach 22 Jahren wird Kimmel auf Bewährung entlassen und Fleischmann stellt das Portrait eines Mannes fertig, der den größten Teil seines Lebens hinter Gittern verbracht hat und nun nicht mehr weiß, wo er hingehört - in die Legende vom edlen Räuber oder in eine Realität, die an ihm vorbeigegangen ist. Nicht nur ein "normaler Kriminalfall" - er greift massiv ein in die Diskussion um die Begnadigung von und die Bewährung für ehemalige RAF-Terroristen. Die wollen wir denn am 3. April in der Naxoshalle auch führen. Zu Gast sind der Kriminologieprofessor Dirk Fabricius von der Frankfurter Uni und der langjährige Butzbacher Gefängnispfarrer Otto Seesemann
Der Regisseur Peter Fleischmann und Bernhard Kimmel haben leider kurzfristig abgesagt!.


27. März

Keine Vorstellung (Die Naxoshalle ist belegt)


20. März

Vom 18. bis 24. März lädt die Anti-Rassismus-Woche dazu ein, sich über Rassismus in aller Welt zu informieren und dagegen zu protestieren. Die Stiftung "maecenia" und "Kino im Theater" laden Sie - in Zusammenarbeit mit FIS und Pro Asyl - dazu ein: 2 Filme und eine Diskussion im Anschluss.

17.30 Uhr "Haus - Halt - Hilfe" arbeiten im fremden Alltag (90 Minuten)

Dokumentarfilm von Petra Valentin

"Das Schlimme an der Hausarbeit ist, dass sie nie aufhört, nie zu Ende ist." Ulla H. putzt in fremden Haushalten, obwohl sie in der eigenen Wohnung Hilfe bräuchte: Lebenssituationen der sieben Hausangestellten aus dem Film HAUS - HALT - HILFE . Sie kommen aus Polen und Peru, von den Philippinen und aus Hessen, betreuen Kinder, machen sauber, bügeln und pflegen Gärten. Während die arbeitgebenden Familien sich von der Hausarbeit entlasten können, bleibt den Haushaltshilfen, überwiegend Migrantinnen, diese Tätigkeit als einzige Erwerbs- und Existenzmöglichkeit und trennt sie häufig von ihren eigenen Familien.

Die Philippinin Maria G. zum Beispiel hat keine Aufenthaltsgenehmigung und lebt in ständiger Angst, aufgegriffen und ausgewiesen zu werden. Ihre Tochter hat sie als 3 Monate altes Kind zu Hause gelassen und konnte sie seitdem 13 Jahre lang nicht sehen.

Zwischen Selbstbehauptung und Ausgeliefertsein zeichnet der Film ein facettenreiches Bild vom Mikrokosmos Privat-Haushalt


19.30 Uhr "Wer bist du, dass du sprichst?" Frauenfolter in der Türkei (2006 / 64 Minuten)

Von Maria Binder und Verena Franke

Fünf Frauen aus Istanbul erzählen von sexueller Foltererfahrung durch den Staat, von Trauma-Verarbeitung und von ihrem Kampf um gesellschaftliche Veränderung. Sie sind zwischen 30 und 56 Jahre alt. Sie haben öffentlich über die ihnen widerfahrene Folter gesprochen. Einige der Frauen werden deswegen in einem bis heute dauernden Verfahren gerichtlich verfolgt. Die Anklage lautet: Beleidigung des türkischen Staates.

Wie wirkt sich das Erfahrene im alltäglichen Leben der Frauen aus?  Wie begegnen sie ihrer Angst vor Ablehnung durch Familie und Gesellschaft? Wie transportieren sich die Erfahrungen von Gewalt in die nächste Generation? Der Film handelt von Frauen, die ihren Weg suchen zwischen selbstbestimmten, emanzipierten Leben und traditionellen, patriarchalen Zwängen.

Im anschließenden Filmgespräch geht es um Strategien gegen Rassismus. Die Fragen sind vor allem: Wie gehen wir mit Frauen um, die Opfer quasi-staatlicher Gewalt geworden sind und nach Deutschland flüchten konnten? Und was können wir tun, damit in der Türkei und anderswo die Gewalt gegen Frauen endlich aufhört. Auf dem Podium: Vertreter/innen von Maecenia und Pro Asyl. Angefragt ist ein Vertreter des Sozialpsychologischen Zentrums für Flüchtlinge.


13. März

Dienstag auf Naxos: Frauensache (2)

"Eine Tanne beugt sich" Drei Frauen in einer bulgarischen Familie

Dokumentarfilm von von Juliane Schuhler (2002 / 79 Minuten)

Der Film beschreibt drei Frauen einer Familie aus dem Südwesten Bulgariens - unseres jüngsten EU-Partners. Das Leben der Großmutter verlief in den strikt geordneten Bahnen des Sozialismus. Sie arbeitete in der Telefonfabrik, wurde zur Vorarbeiterin

befördert. Sie und ihr Mann führten eine gute Ehe. Die Probleme kamen erst mit den Kindern. Ihre Tochter Boika konnte das ersehnte Studium nicht beginnen, weil sie gleich nach dem Abitur «gestohlen wurde» und den Mann heiraten musste. Die Familie beugte sich damit einer alten Sitte in Bansko, nach der junge Männer, die ein Mädchen über Nacht entführen («stehlen») und es erst am nächsten Morgen nach Hause zurückbringen, dieses Mädchen heiraten können. Nach dem schwierigen Start in die Ehe hat Boika später dann doch noch studieren können, mit der tatkräftigen Unterstützung ihrer Mutter. Doch ihre Ehe zerbrach und wurde bis heute nur zum Schein aufrechterhalten.

Eine Frage zieht sich durch den Film zieht:: schaffen es die beiden Enkeltöchter, sich ein eigenes, ihren Vorstellungen entsprechendes Leben aufzubauen? Schafft es z.B. Rositza, die Jüngste, gegen den Willen ihres Freundes zum Studium nach Sofia zu gehen und dort allein zu leben?


06. März

Dienstag auf Naxos: Frauensache (1)

"Afghanen flirten nicht" Krisenmanagerin in Kabul
(Dtsch. Fernsehpreis) (2004 / 74 Minuten)

Dokumentarfilm von Jochen Frank

Afghanistan im Sommer 2003, ein Land, irgendwo zwischen Krieg und Frieden. Als Leiterin einer deutschen Hilfsorganisation ist die Stuttgarterin Suzana Lipovac schon seit eineinhalb Jahren in Kabul und Umgebung tätig. Dort unterhält sie mit Mitteln des Auswärtigen Amtes sowie privater Spendengelder mehrere Notambulanzen, um eine medizinische Grundversorgung in der zerstörten Stadt zu gewährleisten.

Doch in den ländlichen Gebieten ist die Not oft noch schlimmer. Besonders der Südosten Afghanistans, ein Gebiet mit traditionell lebenden Paschtunen, gilt als gefährlich und wird deshalb von den Hilfsorganisationen gemieden.

Um diesen Missständen entgegen zu wirken, versucht die 35jährige Managerin eine Ambulanz in der Wüste südlich von Kabul, weit außerhalb der Sicherheitszone der internationalen Schutztruppe, aufzubauen



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