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FILM-ARCHIV 2005/2006
- alle unsere bisherigen Filme von 11. Oktober 2005 bis 2007


28. November

"Neruda" von Ebbo Demant (2004 / 120 Min.)
Grimmepreis - Träger 2004

Er sei ein "Dichter der verlorenen Menschenwürde", beschrieb ihn die Stockholmer Akademie, die ihm 1971 den Literatur-Nobelpreis verlieh. Und in der "New York Times" hieß es: "Sein Werk hat so mächtig gewirkt, dass es geografische Grenzen, nationale wie kontinentale, sprengte." Pablo Neruda, 1904 als Neftali Ricardo Reyes Basalto im chilenischen Parral geboren, galt als literarische und politische Stimme Lateinamerikas. In den 20er Jahren veröffentlichte er erste Texte, bevor er 1927 in den konsularischen Dienst trat. Sein Beruf führte ihn u. a. 1935 nach Madrid. Nach dem Putsch General Francos solidarisierte sich Neruda mit dem antifaschistischen Kampf. 1945 trat er in die Kommunistische Partei Chiles ein und wurde Senator. Drei Jahre später ging er nach Europa ins Exil und entzog sich damit seiner Verhaftung. Nach ausgedehnten Reisen kehrte Neruda 1952 nach Chile zurück, wurde 1969 von der Kommunistischen Partei Chiles sogar als Präsidentschaftskandidat nominiert, trat aber zugunsten von Salvador Allende zurück.

Zwei Wochen nach dem Sturz und der Ermordung Allendes starb Neruda im September 1973. Seine Beisetzung wurde zu einem Protestmarsch gegen den faschistischen Terror. Die Dokumentation "Neruda" zeichnet die wichtigsten Lebensstationen Nerudas anhand historischer Aufnahmen nach, folgt seinen Spuren in die zahlreichen Länder, die er bereiste und lässt neben Zeitzeugen auch Neruda selbst zu Wort kommen. Die Stimme leiht ihm der Schauspieler Otto Sander, er liest aus Nerudas biografischen Texten: "Es geht mir nicht um Politik oder Poesie, sondern um die Menschenrechte." "Neruda" und nur "Neruda" hat Ebbo Demant seinen Film überschrieben. Ein Name, eine Biographie, ein Superlativ. Einen "Dichter der verletzten Menschenwürde" nannte ihn die Stockholmer Akademie, als Pablo Neruda 1971 den Nobelpreis zuerkannt bekam.

Pablo Neruda hat das 20. Jahrhundert gelebt, er half, um nur ein winziges Detail hervorzuheben, Hunderten Bürgerkriegsflüchtlingen aus Spanien heraus, wie ihm 1949 bei seiner Flucht aus Chile geholfen wurde. Wer will beim Sehen und Genießen von Ebbo Demants Film nicht aufseufzen? Aufseufzen darüber, wie fern die Zeit scheint, die einen Dichter, einen Intellektuellen als die politische und literarische Stimme eines Zeitalters, eines Kontinents, Lateinamerikas gefeiert hat. Ebbo Demant feiert Pablo Neruda. Und unter der Hand beschreibt er einen Verlust.

Filmbilder: Neruda 1 | Neruda 2


21. November

Dienstag auf Naxos: Deutschlandreise (8)

"1704 - der Marsch 2004" Dokumentarfilm von Peter Schubert (2004 / 90 Min.)

Vor genau 300 Jahren schlugen sich in der Schlacht von Höchstädt auf Befehl ihrer Feldherren über 100 000 Mann in einem "greulichen Spectaculum". Habsburger, Bayern, Franzosen und einige katholische Iren, gegen protestantische Hannoveraner, Preussen, Schwaben, Franken, Engländer, Dänen und Hessen, ein bunt zusammengewürfeltes (Söldner-) Heer. Am Abend des 13. August 1704 lagen 25 000 tot oder verwundet auf dem Schlachtfeld. Aus Anlaß dieses "greulichen" Jubiläums hat der Militärhistoriker Dr. Marcus Junkelmann eine Gruppe von militärhistorisch interessierten Enthusiasten um sich versammelt, um zusammen mit diesen Männern den historischen Marsch der alliierten Armee, unter der Führung des englischen Feldherrn Duke of Marlborough, unter heutigen Bedingungen, möglichst realistisch nachzuempfinden.

Steve, Wolfgang, Friedrich, Ludwig, Anton und ein zweiter Marcus begleiteten Junkelmann bei dem Marsch über die Schwäbische Alb, auf dem letzten Drittel des legendären Feldzugs von Marlboroughs Armee, bis auf das Schlachtfeld am Donauufer. Fast drei Wochen, mit einigen Unterbrechungen, waren die Sieben auf ihrem Feldzug, holten sich Blasen, litten Hunger und Durst, erregten Aufsehen und Argwohn, übernachteten in Scheunen und Ställen, verirrten sich und trafen sich wieder. Man hielt sie für verrückt oder bewunderte sie.

Bürgermeister gaben sich die Ehre sie zu beherbergen und zu verabschieden, örtliche Honoratioren liessen sich die Gelegenheit nicht entgehen sich in Szene zu setzen, Bauern und Bäuerinnen waren bereitwillige Gastgeber, englische Veteranen zeigten ihren Gattinnen das Schlachtfeld.

Filmbilder: marsch1 | marsch2 | marsch3 | marsch4


14. November

Dienstag auf Naxos: Deutschlandreise (7)

"ANNA ZEIT LAND" Dokumentarspielfilm von Christoph Hübner (1990 - 1994 / 96 Min.)

"Alles kann geschehen und alles passt zusammen.-
gibt kein übriges Leben. Das Leben ist eins.
Ohne Anfang, ohne Mitte, ohne Ende" (John Cage)

Die Idee am Anfang: eine Reise, ein Land, eine Zeit, eine Figur. Ihr Name ist ANNA. Sie reist ohne Auftrag, ohne Ziel. Eine Reise ins Offene. Nach einiger Zeit bekommt ANNA eine Schwester. Ihr Name ist ebenfalls ANNA. Die eine sammelt Bilder, die andere Töne. Eine Reise ins Offene. Beide reisen durch das Land und bleiben ihm doch fern. Sie reisen kreuz und quer, kommen an Orte, die ihnen bekannt vorkommen, als seien sie schon einmal dort gewesen, sie begegnen Menschen der Zeit.

Ein Landfotograf, die Bildredaktion einer Tageszeitung, ein Empfang zur deutschen Einheit, ein Tonarchiv, die Parzival-Geschichte, die Welt der Medien...

Keine lineare Geschichte, eher ein Gemälde, eine Zeit-Fläche. Deutschland 1989 - 1993. ANNAs Reise, das ist: Hinschauen und hinhören ohne zu urteilen.

Ein Film ohne Drehbuch, eine Improvisation zwischen den Genres, zwischen Fotografie, Film und Video. Geschichten tauchen auf und verlieren sich, Dokumentarisches steht neben Inszeniertem, Historisches neben Gegenwärtigem. Nichts ist fest, alles gilt gleich... Ein Kino der Momente.


07. November

Dienstag auf Naxos: Deutschlandreise (6)

"cross over" "Roadmovie" von Thomas Tielsch (90 Minuten / 1996)

Eine Reise im deutschsprachigen Süden, den Blick auf die regionalen Eigenheiten gerichtet. Ein Exkurs in die jüngere Geschichte derer, die man die kleinen Leute nennt: eine Geschichte der Wanderungen und Umsiedlungen, der Fremdheit und der Anpassung. Und ein Spiel mit traditioneller Musik, deren vornehmste Tradition die ist, dass sie sich ständig verändert, solang sie nicht am Tropf der Pfleger stillgestellt oder von den Ideologen leisegetreten wird.

Wir folgten dem Lauf des Rheins, dem ältesten Weg von Norden nach Italien. Wir blickten in das verborgene Beziehungsgeflecht der Fasnachtscliquen in Basel, in ein Narren-U-Boot sozusagen, das nur einmal im Jahr an die Oberfläche kommt, bevor es womöglich platzt. Wir kamen in ein Dorf in Kärnten, wo noch vor einer Generation die Leute in einem slowenischen Dialekt miteinander gesprochen hatten. Wir nahmen den Weg vom Land in die Stadt Linz, wo die ländliche Musik auf das Stampfen des Stahlwerks trifft. Wir kehrten mit dem Fremdenverkehr zurück und suchten im Appenzeller Land die Heile Welt.

An jedem Weg liegen Perlen.
Das Interesse an den Möglichkeiten (und überbleibseln) einer regionalen kulturellen Identität hierzulande steht vor dem Hintergrund der Diskussionen um das "Nationale" in Deutschland. Sie wird, sicher nicht von ungefähr, zu einem Zeitpunkt geführt, wo das Entstehen "neuer" Nationalstaaten in Osteuropa massenhaft neue Minderheiten, Vertriebene: Fremde produziert hat. Unterhalb seiner Struktur als "road movie mit Volksmusik" bewegt sich der Film also in dem Spannungsfeld zwischen dem Beharren darauf, daß alles seine Grenzen habe und dem Beharren auf dem Durchlässigsein dieser Grenzen.

Filmbilder: crossover


31. Oktober

Keine Vorstellung! Die Naxoshalle ist belegt.


24. Oktober

Dienstag auf Naxos: Deutschlandreise (5)

"Ein deutscher Terrorist" Dokumentarfilm von Alexander Oey (90 Min. / 2006)

Die Geschichte des Hans-Joachim Klein

Es waren nur 10 Minuten, aber sie haben sein ganzes Leben verändert. Was an diesem 21. Dezember 1975 passierte, verfolgt ihn bis heute, denn in diesen zehn Minuten fielen die Schüsse, die drei Menschen das Leben kosteten. Hans-Joachim Klein hat nicht selbst geschossen, aber er fühlt sich verantwortlich, denn er war einer der sechs Terroristen, die drei Tage vor Heiligabend unter Führung des Topterroristen Carlos gewaltsam den Konferenzraum des OPEC Gebäudes in Wien stürmten und siebzig Minister als Geiseln nahmen.

23 Jahre später stellt sich der bis dahin untergetauchte Hans-Joachim Klein der deutschen Polizei. In einem spektakulären Prozess, in dem alte Weggefährten der damaligen Frankfurter Hausbesetzerszene wie Joschka Fischer, Daniel Cohn-Bendit und Matthias Beltz aussagen, wird er zu neun Jahren Haft verurteilt. Seit 2003 lebt Hans-Joachim Klein wieder in jenem kleinen Dorf in der Normandie, in dem er bis zu seiner Verhaftung unter falschem Namen gelebt hatte. Erstmals spricht er nun offen vor der Kamera über seinen Werdegang zum deutschen Terroristen, über seine Geschichte. Der niederländische Regisseur Alexander Oey hat Hans-Joachim Klein in der Normandie aufgesucht und ist mit ihm an die Orte der Vergangenheit zurückgekehrt:

Im heutigen Frankfurt begegnet er Daniel Cohn-Bendit und Tillmann Schulz - ein Treffen alter Weggefährten, die gemeinsam den Zeitpunkt nachzeichnen, an dem sich ihre Wege so schicksalhaft trennen sollten. Und er trifft noch einmal auf den Richter, der ihm mit seinem fairen Prozess, die Chance auf ein neues Leben gegeben hat.

Filmbilder: terrorist1 | terrorist2


17. Oktober

Dienstag auf Naxos: Deutschlandreise (4)

"Am Arsch der Welt" von Claus Strigel (90 Minuten / 2004)

Ein dokumentarischer Western im deutschen Osten

Once upon a time in Ostvorpommern: Im Windschatten der neuen deutschen Völkerwanderung hat sich weit draußen im Osten eine Art Vakuum gebildet. Wer noch Pläne hatte in diesem Leben, der hat sich aus dem Staub gemacht. Verlassenes Land, Geisterstädte, wie geschaffen für einen Neuanfang.

Klein Jasedow, im äußersten Nord-Osten Deutschlands: 1997 ein Ort in Auflösung. Zur Tilgung von der Landkarte freigegeben. Durch stetigen Wegzug seit der Wende ging die Einwohnerzahl gegen Null. Die "Wüstung" steht kurz bevor. Eine 16-köpfige Lebensgemeinschaft in der Schweiz wird auf das bevorstehende Ende von Klein Jasedow aufmerksam. Einige der Ruinen werden gekauft, der Ort wiederbesiedelt. Seitdem erlebt die Gemeinde eine nie gekannte Blüte: Die neuen Siedler stampfen eine ganze Palette von Projekten aus dem Boden, neue Arbeitsplätze entstehen. Klein Jasedow ist die einzige Gemeinde in Vorpommern, die wächst und nicht schrumpft.

Doch mit dem Erfolg kommt Gegenwind auf. Die Leere trog, die Claims waren bereits abgesteckt: Die Agrar-Großindustrie hat den Landstrich fest im Griff. Ein Unfall beim flächendeckenden Großeinsatz mit Pflanzengift bringt die schlummernden Konflikte zur Explosion. Die Siedler finden sich plötzlich in einem Szenario, das an das Konfliktpotential eines klassischen Western erinnert. Aufgehetzter Mob, gesteuerte Provokation, Intrigen, aber auch überraschende Offenheit gegenüber dem "tapferer Existenzkampf der Zugereisten".


10. Oktober

Dienstag auf Naxos: Deutschlandreise (3)

"Mittendrin" von Marco Wilms (86 Minuten / 2003)

Mythos Berlin: In euphorischer Aufbruchstimmung und chaotischem Schöpfungsdrang besetzten 1989 junge "Selbsthelfer" leerstehende Häuser in Berlin Mitte. Ausgehend vom Punkt Null - dem Mauerfall am 9.11.1989 - geht der Regisseur Marco Wilms auf die Suche nach 5 Utopisten dieser Zeit. Was ist aus ihrem eigenwilligen Geist, aus ihren Träumen und Projekten geworden? Mit Lebensentwürfen, die unterschiedlicher nicht hätten sein können, brachen sie auf, das brachliegende Stadtviertel zu besetzten. Folgerichtig haben ihre Lebenswege extrem unterschiedlichen Verlauf genommen.

Jochen Sandig verwandelte sich vom Sprecher der Anarchoruine "Tacheles" zum Intendanten der Schaubühne und feiert mit seiner Lebensgefährtin Sasha Waltz Erfolge in der ganzen Welt. Jutta Weitz, Sachbearbeiterin der Kommunalen Wohnungsverwaltung, war für die gesamte Gewerberaumvergabe in Berlin Mitte zuständig. Mathias Ambellan, Sozialarbeiter, kämpft engagiert bis heute gegen die sozialen Folgen der Kommerzialisierung des Stadtviertels. Christian (Flake) Lorenz wurde vom Ostpunk zum weltberühmten Rockstar. Rocker Andre Greiner Pol brennt noch heute seine CD Holzhüllen mit dem Eisen in der Küche.

Die Wandlungsfähigkeit oder auch das sture Festhalten an unkonventionellen Lebensansichten trotz des schnellen, gesellschaftlichen Veränderungsprozess prägt die „Neue Mitte" bis heute. Aus den kontrastreichen Biografien der 5 Protagonisten entsteht ein vielfarbig schillerndes Porträt der Verschmelzung von Ost und West in Berlins Mitte. Es ist ein Film über das persönliche Wachsen und Scheitern in der Auseinandersetzung zwischen individuellen Lebensentwurf und gesellschaftlichen Zwängen. Ein Film über ungewöhnliche Biographien vor dem Hintergrund eines einzigartigen historischen Ausnahmezustands.

Filmbilder: mittendrin


03. Oktober

Dienstag auf Naxos: Deutschlandreise (2)

"Wege in der Dämmerung" (2004) von Anja Unger (94 Min.)

Eine Filmfantasie aus Deutschland (2004)

15 Jahre nach dem Mauerfall - Jahre, die die Regisseurin in Frankreich erlebte - zog es sie zurück nach Deutschland, das so anders auf sich selbst zu schauen pflegt als es zum Beispiel Frankreich tut. Im Zwiespalt von "fremd" und "vertraut" ließ der jahrelange Blick aus der Ferne viele Fragen dringlich werden. Madame de Stael und Heinrich Heine haben es im 19. Jahrhundert mit "über Deutschland" und "Deutschland, ein Wintermärchen" vorgemacht: Das Nachdenken über nationale Identität. Die junge Filmemacherin Anja Unger beschäftigt sich 200 Jahre und 2 Weltkriege später ebenfalls mit dem Verhältnis zu ihrem Vaterland. Ausgehend von der eigenen Kindheit und ihrem persönlichen Lebensweg befragt die Filmemacherin Anja Unger Verwandte und Mitbürger über die deutsche Identität und ihre Gefühle gegenüber ihrem Land. In der Schatztruhe der Geschichte sucht sie nach Geschichten, Gedanken und Träumen von Menschen, die lange Zeit vor ihr gelebt haben und die doch mit ihr verbunden sind. Das Ergebnis ist eine sehr subjektive Deutschlandreise mit geographischen, kulturellen und psychologischen Aspekten. Deutschland, das sind Fragmente. Symbole, Landschaften, Erinnerungen - für jede Zeit etwas Eigenes. Die Kaiserzeit mit ihren preussischen Idealen, das Dritte Reich, Hitler und sein totaler Krieg, der Zusammenbruch Deutschlands, Heimatverlust, die Teilung Deutschlands und die erzwungene Zerissenheit der Familien, die Empörung der 68er, der mörderische Druck des SED-Apparats, Flucht und Schwierigkeit eines Neubeginns im Westen, die Wendezeit...: all dieser ganz normale Wahnsinn der deutschen Geschichte hat sich tief in die Lebensläufe der Familie der Regisseurin gegraben. Die gefühlsstarken Erinnerungen ihrer Verwandten und auch deren Schweigen zeigen, wie sehr Vergangenheit(en) Teil unserer Gegenwart sind: Ein Fantom, der ewig suchende deutsche Wanderer, begleitet diese Spurensuche. In Form von Gedichten, Liedern und Kinderreimen lässt er Erinnerungswelten innerer Bilder wach werden. Ein mosaikartiges Porträt des heutigen Deutschlands.

Filmbilder: wege1 | wege2 | wege3 | wege4


26. September

Dienstag auf Naxos: Deutschlandreise (1)

"Sieben Brüder" von Sebastian Winkels(1984) (86 Minuten / 2003)

Sieben Brüder, geboren in Mülheim an der Ruhr zwischen 1929 und 1945. In der magischen Stille eines dunklen Filmstudios verweben sich ihre Erzählungen zum faszinierenden Familienuniversum, in dem sich deutsche Geschichte auf außergewöhnliche Weise spiegelt. Ein dokumentarisches Ereignis, das die Zuschauer gleichsam zum Teil der Erzählung werden lässt.

Wie wird man zu dem, der man ist? Was ist das, ein Bruder, eine Familie? Wie spannend und komplex muss die Gemeinschaft gewesen sein, die sieben Brüder unter einem Dach geteilt haben? 7 Brüder erzählt von den individuellen Wahrnehmungen des gemeinsam Erlebten, vom Gleichen und Ungleichen, das aus den familiären Wurzeln hervorgegangen ist.

Im Spannungsfeld von Geschichte und Eigensinn, Gemeinsamkeit und Selbstbehauptung zeugen sieben Lebenswege von einer Generation, deren Kindheit zur Stunde Null endete bzw. gerade erst begann. Ihre Biographien entwickeln sich in eigene Richtungen: Kaufmann, Bäcker, Musikprofessor, Schauspieler, Manager, Lehrer. Die enge Verbundenheit der Brüder bleibt, über alle Unterschiede der Lebensentwürfe hinweg.

Regisseur Sebastian Winkels gab seinen Protagonisten keine Themen vor und stellte keine Fragen. Allein der freien Erzählung, der unbedrängten Erinnerung der Brüder gilt die Aufmerksamkeit, die sich aus einer Atmosphäre der absoluten Stille entwickelt.

Filmbilder: Dieter | Hannes | Hartmut | Jochen | Klaus | Volker | Wolfgang


19. September

Dienstag auf Naxos: die etwas anderen Fußballfa
"Solo Ultra" - die Superfans von Eintracht Frankfurt Dokumentarfilm von Erik Winker (67 Min. / 2003)

Vor fünf Tagen hat Eintracht Frankfurt das Hinspiel im UEFA-Cup begangen, in neun Tagen ist das Rückspiel - ein guter Anlass, einen Blick auf Eintrachts treueste, aber eigenwillige Fans zu werfen: die Ultras!

"Ultra" steht für eine spezielle Form des Fan-Daseins, die - aus Italien kommend - immer mehr Zulauf unter den deutschen Fußballfans findet. Die "Ultras" widersetzen sich der fortschreitenden Kommerzialisierung des Sports und lassen sich von ihren Vereinen nicht vereinnahmen. Sie tragen ihre eigene Kleidung und nicht die Fanartikel aus den Fanshops. Sie malen ihre eigenen Plakate, komponieren immer neue Gesänge und kreieren somit ein Gegengewicht zur immer mehr um sich greifenden "Spaßkultur" in den deutschen Stadien. "Back to the roots" könnte ihr Motto heißen, zurück zu den Wurzeln des Fandaseins, so wie es früher war - pur, gerade heraus und leidenschaftlich.

Der Film begleitet vier führende Mitglieder der "Ultras Frankfurt" durch eine Saison von Eintracht Frankfurt, die sich als die schwerste in der gesamten Vereinsgeschichte herausstellen wird. Der Verein steht nach jahrelanger finanzieller Misswirtschaft und zahlreichen Skandalen kurz vor dem Ruin.

"Solo Ultra" pendelt zwischen lauten, emotionalen Szenen aus dem Fanblock, privaten und zurückgezogenen Gesprächssequenzen mit den Protagonisten und der Chronik des Niedergangs des Vereins und verdichtet die Geschehnisse zu einem spannenden Porträt einer Gruppe von Fans, die sich den gängigen Klischees der tumben und gewalttätigen Fußballanhänger immer wieder entzieht.

Filmbilder: Ultra1 | Ultra2 | Ultra3 | Ultra4


12. September

Dienstag auf Naxos und auf den Spuren der Ureinwohner
"Der Ruf des Fayu Ujmu" (45 Min.)

1) "Der Ruf des Fayu Ujmu" von Rainer Simon (45 Min.)

Fayu Ujmu, ein böser Urwald-Geist, erscheint den Chachi in Menschengestalt mit einem gewaltigen Schnabel, den er benutzt, seinen Opfern den Kopf aufzuhacken, um ihnen das Gehirn auszusaugen. In der Filmgeschichte attackiert er den 13-jährigen Indianerjungen Mico, als der im Urwald beim Kanubau hilft. Mico folgt einem geheimnisvollen Ruf und entfernt sich in den Dschungel. Später finden ihn Vater und Großvater bewusstlos. Am Abend erkennt der Schamane, dass Mico vom Fayu Ujmu angegriffen wurde. In einem Ritual zähmt der Schamane den bösen Geist und beauftragt den Vater, ihn zu suchen und zu fangen. Der Vater macht sich auf den Weg mit dem bewusstlosen Sohn auf dem Rücken, ein weiter, tagelanger Weg. An einer Kaskade weit oben am Fluss findet der Vater den Fayu Ujmu und überwältigt ihn.

Filmbilder: Fayu Ujmu1 | Fayu Ujmu2 |

2)"Heiliger Lauf durch Heiliges Land" (45 Min.) von Frank Sputh (45 Min.)

Poetische Dokumentation über den SACRED RUN Australia/Aotearoa, den HEILIGEN LAUF der nordamerikanischen Ureinwohner für die Bewahrung der Schöpfung, der über 50 TeilnehmerInnen aus aller Welt mehr als 10.000 Kilometer durch Australien und über die Nordinsel von Neuseeland oder Aotearoa, wie es die Maori nennen, führte. Der Film versucht mit filmkünstlerischen Mitteln einen Beitrag zur Diskussion um die existentielle Grundfrage unserer Zeit zu liefern, die Frage nach unserem Verhältnis zu dem Planeten, auf dem wir leben, die Frage nach dem Verhältnis zu unserer eigentlichen Ur-Mutter. Visuelle und musikalische Metaphorik sowie die Perspektive der Ureinwohner verschiedener Länder und Kontinente sind die tragenden formalen und inhaltlichen Pfeiler dieses bis auf eine kurze Einführung unkommentierten Filmes.

Filmbilder: Heiliger Lauf 1 | Heiliger Lauf 2


05. September

"Cinemania" - Sucht ist Sehnsucht (80 Min.) von Angela Christlieb & Stephen Kijak

Die fünf New Yorker Jack, Eric, Harvey, Roberta und Bill teilen eine Leidenschaft: Sie sind vom Kino besessen. Arbeiten, Essen und soziale Kontakte werden zu Nebensächlikeiten, wenn sie ihren täglichen Filmmarathon durch den "Big Apple" absolvieren, um so viele Vorstellungen wie möglich in ihrem Tagesablauf unterzubringen. Ihr Leben ist streng organisiert, sie kennen Spiel- wie U-Bahnfahrpläne auswendig, hetzen durch den Personennahverkehr, damit sie das Angebot Dutzender Kinematheken, Programmkinos und Underground-Kinos der Millionenmetropole koordinieren können. Der Preis, den die Cinemaniacs für ihre Leidenschaft zahlen ist allerdings hoch: sozialer Abstieg, keine Freunde, kein Sex. Allesamt leben sie in ärmlichen Verhältnissen.

Angela Christlieb und Stephen Kijak begleiten die fünf Extrem-Cineasten, verbinden Filmszenen mit Bildern aus dem Leben der Protagonisten und verdichten sie zu einer interessanten Charakterstudie, die die Porträtierten ernst nimmt und Verständnis für die ungewöhnliche Passion zeigt. Das Ausmaß dieser obsessiven Leidenschaft ringt dem Zuschauer zunächst ein Lächeln ab, das späteraber in Bewunderung umschlägt: Wie schafft man es nur, 1000 Filme in acht Monaten zu sehen? Dabei gleichen sich die Protagonisten nur wenig, denn jeder hat seine ganz persönlichen Vorlieben.

Der Film wurde ausgezeichnet mit dem "Golden Starfish" für den besten Dokumentarfilm 2002 des Hamptons International Filmfestivals.


29. August

Dienstag auf Naxos - Willy Praml zum Geburtstag!
VORWÄRTS! UND NICHT VERGESSEN! (II)

Der Theatermacher Willy Praml / Dokumentarfilme aus vier Jahrzehnten

  1. Willy's Erzählungen: 40 Jahre Theaterarbeit vor Ort Ein bunter Bilderbogen toller Projekte
  2. Willy's Meisterwerk: "Wilhelm Meister"

Seit 40 Jahren macht Willy Praml Theater. Er ist hinausgegangen zu den Menschen - den Höchster Lehrlingen zum Beispiel oder den Einwohnern von Niederbrechen - um mit ihnen gemeinsam Theaterstücke zu entwickeln und zu spielen. Von diesen ersten Jahrzehnten handelt der erste Teil des Abends: Fotos, Filmsequenzen und Originaltöne aus mehreren Projekten, kommentiert von Willy Praml selbst.

Stellvertretend für die letzten 15 Jahre "Theater Willy Praml" in der Naxoshalle, steht der "Wilhelm Meister", eine Theateradaption von Goethes Entwicklungsroman in drei Teilen, was weithin als ein Meisterwerk an modernem blutvollen Theater gelobt wurde. Einen Ausschnitt von etwa 65 Minuten zeigen wir im "Kino im Theater".

Im Anschluss (und zwischendrin) gibt es reichlich Gelegenheit zu Gesprächen mit und über Willy Praml.


15. August

Dienstag auf Naxos mit kreativer Kunst
"Das Weite suchen" (90 Min.) Harald Szeemann, die Kunst und die Ausstellung Dokumentarfilm von David Wittenberg (2004)

Harald Szeemann inszenierte die phantasievollsten Ausstellungen, die daran erinnerten, in den Künsten und im Leben könne es auch ganz anders zugehen. Ihm bei der Arbeit - und im Film - zuzusehen heißt: Träume und Albträume der Kunst, Erinnerungen und Visionen, Obsessionen und Utopien genauer wahrnehmen können.

Für die Freiheit und den Humor, mit denen er Künstlern entgegen kam, haben ihn viele geliebt – den Unruhestifter der Phantasie. Szeemanns Arbeiten - im Mittelpunkt des Films - haben immer deutlich herausgestellt, wie komplex, schwierig die alte Moderne und die neueste Moderne sind: er hat immer versucht, das so einfach wie möglich zu zeigen, aber kein Stück einfacher. Gerade moderne Kunst braucht Vermittlung, einfallsreiche Präsentation; da war Szeemann zuhause, er lebte in den Künsten, das war sein Glück und das Glück für Publikum und Künstler.

Der Film war fast fertig, als Harald Szeemann am 18. Februar 2005 starb.

Er zeigt sich als der lebendige, selbstbestimmte Mensch, der stets mehrere Sachen gleichzeitig liebt und macht. Kein Nachruf, sondern Bilder und Worte für neue Kunstzeiten: was er machte, daran können jetzt andere anders anknüpfen.


08. August
19:30 Uhr

Dienstag auf Naxos : Vater unser ...
"Vaters Land" (84 Min.) von Peter Krieg (1986)

Nach der Fußball-WM scheint die Nation, scheint Deutschland sich als Begriff zu wandeln. Gerade junge Leute können sich offenbar mit dem Herzen zu ihrem Vaterland Deutschland bekennen ohne Hochmut, überheblichkeit und Aggression. Umso wichtiger ist es, einmal dreißig Jahre zurück zu schauen.

"Vaterland - Nation - Deutschland über alles": Die Gespenster der deutschen Geschichte geistern nach wie vor nicht nur durch unseren Wortschatz. Als sei nichts gewesen, rufen die Söhne und Enkel immer ungenierter nach mehr Vaterland. Der Film von Peter Krieg ist eine respektlose und radikale Auseinandersetzung mit dem Mythos der Nation und der Vaterordnung, die ihm zu Grunde liegt, eine politische und autobiografische Suche nach der eigenen Identität als Vater, nach einer neuen Definition der Vaterrolle in einer reaktionären Vaterordnung. Stationen der Filmreise von Peter Krieg sind Mutlangen ebenso wie Freiburg, Berlin oder die Germania am Rhein. Ex-Ministerpräsident und "furchtbarer Richter" Hans Filbinger vertritt im Film die Gegenposition der Alt-Väter.

Der damalige CSU-Innenminister Zimmermann hätte den Film am liebsten verboten. Stattdessen hat er ihn mitfinanzieren müssen. über diesen urkomischen Hintergrund und viel anderes Interessantes berichtet Regisseur Peter Krieg im anschließenden Filmgespräch.

Filmbilder: Vaters Land


01. August

Ab jetzt geht es wieder weiter in der Naxoshalle!
Dienstag auf Naxos: Musik & Film unter freiem Himmel!
Einlass:19:30 Uhr
Beginn:20:30 Uhr

Es geht los mit Live-Musik:"Menschlich Feine Kerls" spielen Rockmusik in der Tradition von "Ton Steine Scherben" - mit Falk Trapp (Gitarre), Christopher Mersinger (Bass), Jens Koch (Schlagzeug) und Thomas Wiederspahn (Gesang). Die Gruppe über sich:

"Unsere Liebe zur Rockmusik speist sich aus vielen Richtungen. Ungebrochene Begeisterung über Größen des Hardrock, psychedelische Klänge, der Drive des Punk und die rhythmische Elegan des Reggae finden sich in den Stücken wieder. Der Rausch des Grunge ist in unserem musikalischen Gedächtnis ebenso aufbewahrt wie die hypnotisierende Schwere des Blues."

Menschlich Feine Kerls Bild 1 | Bild 2 |

Film:21:40 Uhr
"Der Traum ist aus" oder "Die Erben der Scherben" - Dokumentarfilm von Christoph Schuch (90 Min. / 1999)

Eine Veranstaltung des "Kinosommer Hessen"

Gesamt-Eintritt: 8,50 € (mit Musik und open air)

Der Film erzählt die Geschichte von TON STEINE SCHERBEN, der bisher einflussreichsten deutschsprachigen Rockband, und stellt vor allem die Frage, was am Beginn des 21. Jahrhunderts von ihrem Engagement für eine klassenlose Gesellschaft und den Ideen von 1968 übrig geblieben ist. Wie agieren heute Punk-Rocker, Hip-Hopper oder Bands der "Hamburger Schule" auf dem Musikmarkt? Für oder gegen was singen sie? Was verbindet sie mit Rio Reiser und den "Scherben", deren Songs von Liebe & Zorn in den 70er und 80er Jahren den Soundtrack zum politischen Protest der Studenten-, Hausbesetzer- und Umweltschutzbewegung lieferten? Mit Macht kaputt was euch kaputt macht nahmen sie 1970 den Punk vorweg.. Zwischen aktuellen und historischen Konzertmitschnitten kommen u.a. Musiker der Bands Ton Steine Scherben, Die Sterne, Element of Crime und Das Department zu Wort. Es geht um Widersprüche, Ansprüche, Feindbilder, Ideale und natürlich Musik.

Filmbilder: Traum1 | Traum2 | Traum3 | Traum4


08. August
22:00 Uhr

moviemiento Der Nomade unter den Kurzfilmfestivals
Eintritt gegen Spende

Das Ziel des in Berlin entstandenen Projekts ist es, den jungen europäischen Film zu fördern und den innereuropäischen Austausch zwischen Filminteressierten und Filmschaffenden anzuregen. Moviemiento versteht sich als verbindendes Forum zwischen Menschen verschiedener Kulturen durch das Medium Film. Um diese Traum zu verwirklichen begibt sich das Team alljährlich mit ihrem mobilen Kino auf eine abenteuerliche Fahrt quer durch den Kontinent.

Die Filmmacher reisen an für Gespräche vor und nach den Filmen.

www.moviemiento.com


07. August
Montag!
22:00 Uhr!


Liebe dich ... (92 Min.) von Sylvie Banuls / Sabina Engel

Ein Schauspieler-Liebespaar mit Down Syndrom

Ein Film der Superlative: ein außergewöhnliches Theater, zwei besondere Schauspieler und eine ungewöhnliche Liebe. Moritz und Nele sind "Down-Syndrom-Kinder", umgangssprachlich "geistig behindert". Sie sind Kinder berühmter Theaterfrauen: der Regisseurin Gisela Höhne und der Schauspielerin Angela Winkler. Mit ihrer Behinderung stehen sie im Berliner Theater RambaZamba in mehreren Inszenierungen gemeinsam auf der Bühne. Und darüber hinaus sind sie ein Liebespaar.
Der Film öffnet den Blick in eine Welt, die man sich eher als defizitär vorstellt denn als reich. Er lässt ahnen, dass ein Leben ohne antrainierte Gesellschafts- und Konventionsfilter nicht nur anders, sondern auch besonders sein kann. In den Theaterstücken von RambaZamba spiegeln sich lebensweltliche Bezüge der geistig behinderten Menschen wieder - besonders spannend wird es, wenn sie die Normalität spielen und uns in überhöhter Weise mit unseren inneren Grenzen konfrontieren. Der Theaterregisseurin Höhne gelingt es, die Kunst der behinderten Schauspieler zu fassen und so zu kanalisieren, dass eine "RambaZamba"-Aufführung zum wahrhaft berührenden und amüsierenden Erlebnis wird.

Filmbilder: Liebe dich


01. August
23:00 Uhr

Ein Sommernachtsalptraum Spielfilm der Dramatischen Bühne Frankfurt (60 Min.) 6 / 4 €

Zur Diskussion werden Regisseur und Darsteller erwartet.

Eine Theaterkomödie voller zickiger Diven, besoffenen Knattermimen und genialischen Regietitanen, über Blödsinn und Herrlichkeit des Theaters und die Narren des Glücks.

In dem Mikrokosmos eines abgerissenen Schmierentheaters, das natürlich die Welt bedeutet, entfaltet sich die kleine, possenhafte Burleske der menschlichen Leidenschaften, unter den grotesken Kostüme, hinter Kulisse und Schminke, scheinen die ewigen Wahrheiten der menschlichen Komödie hervor: scheiternde Sehnsüchte und vergebliche Träume.

Vorstellungsbeginn im schlechtesten Theater des Universums: „Ein Sommernachtstraum" mit wackelnden Pappkulissen, altertümelnd chargierenden Schauspielern in mottenzerfressenen Kostümen vor gelangweiltem Publikum.

Hinter den Kulissen giftet sich das hoffnungslos zerstrittene Ensemble beim Kostümwechsel an, der alternde Darsteller des Zettel langweilt alle mit seinen ewiggleichen Theateranekdoten und beginnt, sich systematisch zu betrinken, der Sprecher der neugegründeten Nebenrollengewerkschaft fordert die tariflich zugesagte dreiprozentige Gagenerhöhung bei Verwendung von Körperschminke, Oberon und Titania, ein verkrachtes Ehepaar, erörtern ihre Beziehungskrise, dazwischen der völlig überforderte Regisseur, ein cholerisches Teilzeitgenie, welcher in komisch hilflosem Pathos die Aufführung zu retten versucht.

In diese Rahmenhandlung eingebettet werden nun in Rückblenden die Geschichten der verschiedenen Schauspieler erzählt, wie alle ihre einstmals hochfliegenden Träume in der Gosse endeten.

Inmitten all der Geschichten von zickigen Divas, missglückten Inszenierungen und genialischen Regisseuren droht die Aufführung zum Eklat zu werden, die wegen künstlerischer Differenzen in Bummelstreik getretenen Elfendarsteller müssen durch vom Arbeitsamt geschickte Dilletanten erstetzt werden, Oberon und Titania erörtern ihre Beziehungskrise auf offener Bühne und der hoffnungslos betrunkene Zetteldarsteller treibt alle an den Rand des Wahnsinns. Schlägereien in der Hinterbühne, das Publikum randaliert, der Untergang droht, doch während der Regisseur schon auf Freitod sinnt, geschieht wieder das unsinnige Theaterwunder und alles findet zu seinem glücklichen Ende.

www.dramatischebuehne.de


31. Juli
22:00 Uhr

"Resist" - ein Traum vom Leben (90 Min.) Dirk Szuszies preisgekrönter Film über das legendäre Living Theatre

Seit mehr als fünfzig Jahren reist das legendäre Living Theatre um die Welt, um Zeichen zu setzen und politisches Bewusstsein zu schaffen. Der Berliner Film- und Theaterregisseur Dirk Szuszies begleitet in seinem Film "RESIST" die charismatische Gründerin Judith Malina und ihre Truppe, die mit jungen Aktivisten auf der ganzen Welt zusammen arbeiten, zum G8-Wirtschaftsgipfel nach Genua, auf die Straßen von New York nach den Anschlägen vom 11.September und nach Khiam, dem berüchtigten ehemaligen Gefangenenlager der israelischen Armee im Südlibanon und Symbol schlechthin für den tragischen Konflikt im Mittleren Osten.

Das Living Theatre ist seit über fünf Jahrzehnten ein Beispiel für friedlich radikalen Widerstand. Das 1951 in New York von Judith Malina und Julian Beck gegründete Living Theatre verkörpert wie kein anderes auf der Welt den politischen und sexuellen Experimentiergeist der 60iger und 70iger Jahre. Auch in Europa besitzt die Gruppe Kultstatus: unvergessen sind die aktive Beteiligung an den Maiunruhen `68 in Paris und Auftritte wie "Paradise Now" im damaligen Sportpalast in Berlin.

Das Living Theatre war seit je ein empfindsames Barometer für politischen und sozialen Wandel, der Film "RESIST" versteht sich als Hommage an alle, die auch heute dem herrschenden Zeitgeist trotzen und an alternative Gestaltungsmöglichkeiten glauben. Judith Malina und das Living Theatre sind unbestritten ein mutiges und inspirierendes Beispiel für diese Haltung

Filmbilder: Resist1 | Resist2 | Resist3 |


25.Juli

Dienstag auf Naxos - weltweit!
"Nuestra America" (84 Minuten / 2005) von Christina Konrad

25 Jahre nach einer Revolution, die damals niemand für möglich hielt, kehrt die Filmemacherin Kristina Konrad nach Nicaragua zurück. In das Land, das sie als einen Ort der Utopie erlebt hatte: einen Ort der Revolutionen, wo Frauen ausbrechen und ein Volk den Diktator zum Teufel, respektive in die USA, jagt, wo alfabetisiert und umverteilt wird, wo Dichter Minister sind ...

Filmbilder: Nuestra America1 | Nuestra America2


18. Juli

Kultur2 und der Sportsommer (6): zum Start der Tour de France
"Alte Kameraden" (87 Min.) Senioren auf dem Rennrad - von Bernd Mosblech

Die Tour de France radelt heute von Bordeaux nach Dax Richtung Pyrenäen. Doch auch andere treten kräftig in die Pedale, obwohl sie nicht mehr die Jüngsten sind! Wir zeigen Ihnen, dass es zum Radfahren nie zu spät ist. Sport verlängert das Leben. Schön, wenn sich das einmal am Beispiel wirklich alter Männer bestätigen lässt. Die Helden in Bernd Mosblechs Alte Kameraden sind fast alle über 80 Jahre alt und noch immer aktive Radfahrer. Mehr als das, sie sind Radrennfahrer, und zwar alter Schule. Gedopt gewesen sind sie nie, sagen sie wenigstens und zeigen stolz ihre Pokale, einige noch aus den letzten Jahren. Mosblech hat mit seiner Dokumentation 1990 einen außerordentlich geschickten Film gemacht und dafür prompt den Adolf Grimme-Preis bekommen.

Einer, der 89-jährige Christian Pützfeld, ist so stolz auf seine immer noch wohlgeformten Beine, selbst seine Frau sei neidisch darauf, da könnte er ewig drüber reden. Macht er auch. Bis Mosblech den 84-jährigen "Kameraden" Eddy Bisson zahllose Gehässigkeiten über den eitlen Menschen ausschütten lässt. Im übrigen habe Pützfeld beim letzten Rennen nur deshalb besser abgeschnitten als er selbst, weil er gedopt gewesen sei.

Mitleiderregend sind Szenen wie die, in der einem der Alten von seinem jungen Arzt nahegelegt wird, wegen seines angeschlagenen Herzens am nächsten Radrennen nicht teilzunehmen. So sitzt er dann verlassen in seinem Krankenhausbett, starrt ins Leere, massiert sich schließlich selbst die schönen Beine. Gegen so etwas vermag auch der beste, an Turnvater Jahn geschulte deutsche Sportsgeist nichts auszurichten. Alternative lebensverlängernde Maßnahmen entnehmen Sie bitte den Zeitschriften Ihres Arztes oder lassen es bleiben. Zum Filmgespräch versuchen wir, Didi Thurau zu gewinnen.


11. Juli

Kultur2 und der Sportsommer (5): Lieben - leben - Fußball spielen
"Peladao - Elf Freunde und eine Königin" (88 Min.) von Jörn Schoppe und Stefan Deutschmann

Haben Sie erst mal genug vom Fußball und vom WM-Werbe-Rummel? Und lieben den Fußball trotzdem? Und die Menschen dazu, insbesondere die Frauen? Dann begleiten Sie uns nach Brasilien, wo es nicht nur Fußball-Weltmeister gibt!

Jedes Jahr findet nämlich am Amazonas ein Fußballturnier statt, das in Sachen Größe und Exzentrik weltweit seinesgleichen sucht. Mehr als 1.000 Mannschaften aus allen Schichten der Bevölkerung kämpfen 5 Monate lang um den Titel. Beim Peladao geht es aber nicht ausschließlich um die Schönheit des Fußballs. Auch die weibliche Schönheit spielt eine entscheidende Rolle: Jeder teilnehmende Klub muss eine eigene Schönheitskönigin präsentieren, die für den Erfolg im Turnier fast noch wichtiger ist als die eigentlichen Spieler. Scheidet eine Mannschaft durch eine Niederlage aus dem Turnier aus, kann ihre Beautyqueen sie durch ein Weiterkommen im parallelen Schönheitswettbewerb zurück ins Turnier bringen. "Peladao - 11 Freunde und eine Königin" nimmt den Zuschauer mit zu diesem exotischen und für europäische Augen verrückten Sportereignis. Immer nah an den Menschen begleitet der Film 6 Protagonisten auf ihrem Weg durch Fußballturnier und Schönheitskonkurrenz und erzählt von Triumphen, geplatzten Träumen, dem Ehrgeiz nach Ruhm und der Leidenschaft für Fußball und die Schönheit der Frauen.


04.Juli

Keine Vorstellung wegen WM-Halbfinale


27. Juni

Kultur2 und der Sportsommer (4): Fußballhelden von gestern

"Profis" 1980 / 90 Min. von Christian Weisenborn

Ein Blick hinter die Kulissen des Profi-Fußballs: Der FC Bayern München in der Saison 1978 / 1979, der verrücktesten in der Vereinsgeschichte. Die Kamera begleitet Paul Breitner und Uli Hoeness die ganze Saison über und gibt auch interessante Einblicke in das Privatleben der Stars.

Erstmals in der Fußball & Film - Geschichte wurde einem Spieler - Paul Breitner - auf dem Spielfeld ein drahtloses Mikrofon angesteckt. Ende der 70er Jahre vollendete sich der Wandel des Fußballers von einer kommerziellen Freizeitbeschäftigung zum handfesten Beruf: "Fußballprofi". Wie sich das in den vergangenen 25Jahren weiter entwickelt hat, konnten wir alle in der Sportberichterstattung verfolgen. Die Presse hat den Film 1980 gefeiert:

"Profis sind Breitner und Hoeness wohl deshalb, weil sie gelernt haben, ihre Situation kühl einzuschätzen... So etwas nannte man früher Lebenskunst. Und eben das ist es, was den Film "Profis'"so viel aufregender macht als viele zurechtgetrimmte Spielfilme." (Südd. Ztg.) "Dass so eine Dokumentation auch Zuschauer ohne Fußball-Neigungen fesseln kann, spricht für das Können ihrer Macher - ebenso wie die kritische Reflexion durch die große Nähe des Films zu seinen "Helden".

Wir haben Paul Breitner und Uli Hoeness zum Filmgespräch eingeladen.

Filmbilder: Bild 1 | Bild 2 | Bild 3 | Bild 4


19. Juni
MONTAG!

Kultur2 und der Sportsommer (3): Fußball und Kunst

"Schuss ins Blau" 2005 / 67 Minuten von Christian Bau

Der Film führt zusammen, was eigentlich nicht zusammen gehört: Fußball und Kunst. Gelsenkirchen 1958: Der Fußballverein Schalke 04 gewinnt die Deutsche Meisterschaft; der französische Künstler Yves Klein, damals noch völlig unbekannt, wird eingeladen, das Foyer des neuen Theaters zu gestalten. Das revolutionäre Ergebnis: 500 Quadratmeter strahlendes Blau. Blau ist auch die Vereinsfarbe von Schalke 04. Gibt es da einen Zusammenhang? Der Schauspieler und Schalkefan Peter Lohmeyer macht sich auf den weg. Er trifft Rotraut Klein-Moquay, Werner Ruhnau, Günther Uecker, Heinz Mack, Konrad Klapheck, Charles Wilp, Yves Eigenrauch, Rudi Assauer, Barbara Schöneberger und die Fußballer der Siegerelf von 1958.
Die ideale Alternative zur derzeitigen Fußball-Weltmeisterschaft: Fußball satt und doch spannende kreative Kunst!

Filmbilder: Lohmeyer1 | Lohmeyer2 |


13.Juni

Keine Vorstellung wegen Fußball-WM!


06. Juni

Kultur2 und der Sportsommer (2): Fußball-WM-Kontrast
"Fussball wie noch nie" 1971 / 105 Min. von Hellmuth Costard

Das toppt noch jede Weltmeisterschaft: ein Fußballfilm, in dem kaum etwas vom Spiel, aber alles von einem einzigen Spieler zu sehen ist. 90 Minuten lang wird allein das Spiel von George Best verfolgt. Der gehörte in den 70er Jahren neben Pelé zu den weltbesten Fußballspielern. Acht erfahrene Kameraleute mit 16 mm - Kameras wurden am Spielfeldrand verteilt. Sie filmten jede Bewegung des Weltklassespielers: das Warten auf den Ball, die rasanten Sprints, die abrupten Stopps, wenn ein Pass sein Ziel nicht erreichte.

Manchester United gewann das Spiel damals in der Saison 1970 / 1971 mit 2 : 0. Costards Film ist als einzigartiges Dokument in die Film- und in die Fußballgeschichte eingegangen. Es ist ein radikaler Fußballfilm, der die Sehgewohnheiten des Sportschau-Zuschauers auf den Kopf stellt. Der Film führt vor, wie mühsam es für einen Spieler ist, Anschluss an den Spielverlauf zu halten, wie selten selbst ein Star wie George Best in Ballbesitz gelangt. In der zweiten Halbzeit schießt er innerhalb weniger Minuten ein Tor und bereitet das zweite vor.

Ein idealer Film zum Start in die Fußball-WM am Freitag! Für Fußballfans ebenso wie für Fußball-Laien.
Zum Filmgespräch erwarten wir u. a. Manfred Treutel (72), einen der sechs Kameraleute von 1971!!!


30. Mai

Kultur2 über die Jünger der Globalisierung
"grow or go" - Die Architekten des global village (95 Min.) von Marc Bauder und Dörte Franke

Diana, Steffi, Thomas und Marc-Philipp sind Absolventen einer privaten Wirtschaftshochschule, sogenannte "High Potentials". Mit vierundzwanzig Jahren sind sie wesentlich jünger als durchschnittliche Studienabgänger, wissen jedoch seit ihrer Kindheit, was Ehrgeiz und Disziplin bedeuten - und sehr genau, was sie wollen: Einen Job in einer der weltweit führenden Unternehmensberatungen. Wer sich innerhalb des extrem selektiven Rekrutierungsverfahren behaupten kann, dem winken Anfangsgehälter um die 60.000 Euro, ein Firmenwagen, Handy, Laptop, zahlreiche Dienstreisen und diverse Zusatzleistungen - vor allem jedoch: Die Zugehörigkeit zu einem der global operierenden Konzerne, die sich selbst als 'große Familie' verstehen. Doch ein Bekenntnis zur Leistungsgesellschaft und der weitgehende Verzicht auf ein Privatleben sind noch keine Garantie für eine Karriere in dieser Branche. Wer wirklich weiterkommen will, muss das Motto "grow or go" zu seiner Lebensphilosophie machen. Wer das als Einschränkung oder gar Bedrohung empfindet, ist hier falsch - denn "Stillstand ist Rückschritt".
"Dem Regisseur Marc Bauder wurde schon gesagt, "grow or go" lasse sich sehr viel Zeit. Das wollte er so, sagt er, "weil ich dem Zuschauer viel zutraue". Das ist eine Haltung, von der man wünscht, dass sie nicht abgeschliffen wird." (Südd. Ztg.)

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23. Mai

Kultur2 und der Sport-Sommer(1) - über American Football Fans
"Weekend Warriors" (90 Min.) von Alexa Oona Schulz

Ende dieser Woche gibt es das große Endspiel im American Football hier in Deutschland. Wir wollen uns deshalb dem Nachwuchs in der zweiten Reihe widmen. Für die Fans ist das nämlich etwas ganz Besonderes...
American Football ist wie Krieg, Strategie, wie Schachspiel auf dem Rasen, eine Choreografie, Familie, Erfolg und Misserfolg, Emotionen. American Football ist wie das Leben - bloß im Zeitraffer!
American Football spielt man nicht nur in den USA sondern auch in Deutschland. Der Film begleitet vier Amateur-Spieler bei ihrem Kampf um den deutschen Meistertitel: auf dem Footballfeld und in der Umkleidekabine, zu Hause auf dem Sofa und im Büro - bei Jubel und bei Tränen.
Football ist ein hierarchischer Sport mit militärischen Zügen. Er formt eine schwer durchschaubare, in sich geschlossene Welt mit eigenen Initiationsriten. Für die Protagonisten des Films stellt der Sport eine Parallel-Welt zum wirklichen Leben dar - eine bessere und einfachere Welt. Für sie ist Football ein System, das Struktur und Bedeutung gibt in einer Alltags-Welt, die chaotisch und hoch komplex ist. Im Football Team ist man Teil einer Familie und erfüllt eine klar umrissene Funktion, anstatt eine bloße Nummer in einem System zu sein, das man nicht versteht.

Filmbilder: Weekend Warriors1.jpg | Weekend Warriors1.jpg |


16. Mai
erstmals im Kino!

Kultur2 zum Gedenken an die Zerstörung jüdischer Kultur
"Kurt Gerrons Karussell" von Ilona Ziok
"Der Führer schenkt den Juden eine Stadt"
(ein erhaltenes Kapitel aus Gerrons Propagandafilm)

Mit Ovationen für den ersten Interpreten des Mackie-Messer-Songs beginnt 1928 der Siegeszug dieses Chansons rund um die Welt. - Der Durchbruch in der Karriere des großen Berliner Entertainers Kurt Gerron. Er ist der Magier in Der blaue Engel, wirkt in über 70 weiteren Filmen mit, spielt Theater, führt Regie bei den so beliebten optimistischen UFA-Komödien. - Ein Star seiner Zeit, dessen große Liebe dem Kabarett gehört. Gerron ist Jude, muss emigrieren, wird interniert und deportiert ins "Prominenten-KZ Theresienstadt".

Unser Film nähert sich dieser aus dem öffentlichen Bewusstsein verbannten wichtigen Künstler-Persönlichkeit der 20-er Jahre durch Zeitzeugenberichte, Spielfilmsequenzen und vor allem durch die unsterblichen Chansons, die Gerron prägte und in seinem Kabarett KARUSSELL, das er 1944 im Prominenten-KZ Theresienstadt gründet, noch einmal Revue passieren lässt.

In der Interpretation von Ute Lemper, Ben Becker, Max Raabe, Schall & Hauch, Ursula Ofner und Bente Kahan leben die Lieder des KARUSSELLs wieder auf - Evergreens, mit denen Kurt Gerron in Berlin, Paris, Amsterdam und Westerbork einst große Erfolge feierte. In dem Propagandafilm ertönt "sein" Mackie-Messer-Song ein letztes Mal.

"THERESIENSTADT - Der Führer schenkt den Juden eine Stadt" ist der Titel des Propagandastreifens, der Kurt Gerrons Andenken bis heute belastet. Es ist das letzte filmische Werk des Berliner Regisseurs und Entertainers. Von den ursprünglich 90 Minuten des Films, sind nur noch fragmentarische 20 Minuten erhalten, die nun, erstmals nach mehr als 60 Jahren, zusammenhängend vom "Kino im Theater" gezeigt werden.

Kurt Gerron sah nie einen Meter des entwickelten Films. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits tot.

Zum Filmgespräch kommen die Regisseurin Ilona Ziok aus Berlin und der Filmwissenschaftler Prof. Karl Prümm, der ein Buch über Kurt Gerron geschrieben hat.

Filmbilder: Bild 1 | Bild 2


09. Mai

Kultur2 zum Muttertag "Mutterjahre" (2004 / 100 Minuten) von Peter Heller und Sylvie Banuls

Der Film "Mutterjahre" begleitet das Leben einer kinderreichen Familie über drei Jahrzehnte und Generationen. Die Aufsteigersaga einer vormals obdachlosen Familie überlebte seit der Mitte der Siebziger Jahre allein dank der Gestalt der Mutter, der Kraft und Bindung der "Mama General". Nach ihrem Motto, "einer für alle, alle für einen", hält sie die Familie zusammen und gefesselt. Und doch ist es nicht mehr wie früher. Eine Kraft lässt spürbar nach. Mama General liegt im Sterben...

Filmbilder: Mutterjahre


02. Mai

Kultur2 und Reiselust - spanische Frauen
"Diese Erde macht mich glücklich!" (90 Min.) Die Frauen einer andalusischen Familie von Juliane Schuhler

Es ist Andalusiens Erde, die Rosario glücklich macht. Mit eigenen Händen hat die junge Künstlerin Orangenbäume ausgegraben und gestaltet, die jetzt einen Freiluftpark in Andalusien schmücken.

In dem Gebirgsort Coín ist sie aufgewachsen. Hier lebt ihre Familie, die ihr Geborgenheit und Schutz gibt. Aber das Dorf und das Nest ihrer Familie werden ihr immer schnell wieder zu eng. Sie muss hinunter ans Meer, an den Atlantik, will andere Landschaften und Menschen kennen lernen und sich auf ihrer Suche nach Bildern sich selbst begegnen und erfahren. Sie will dieses Leben in allen seinen Facetten auskosten und macht dabei auch nicht vor Drogen halt. Erst als eine Freundin daran stirbt, besinnt sie sich. Die für ihre Freundin tödlichen Erfahrungen mit den Drogen, ihr hemmungsloser Umgang mit Männern, die Spannung zwischen ihrer Liebe zur Heimat und ihrer Sehnsucht nach der ganzen Welt und den vielen Möglichkeiten, sich in der Kunst auszudrücken, haben Rosario zu einer faszinierend lebendigen jungen Frau wachsen lassen, die relativ wenig Rücksicht auf Konventionen nimmt.

Ihre Großmutter Lucia schüttelt über diese Lebensweise den Kopf. Für sie war der Ehemann die wesentliche Erfüllung einer Frau. "Ein Leben ohne Mann",sagt sie,"ist wie ein Baum ohne Schatten." Doch kommt dieser alte Baum heute auch ganz gut ohne den Schatten aus. Denn die 80jährige Witwe ist bei den vielen Festen Andalusiens immer aktiv dabei. Sie geht tanzen, tritt auf der Dorfbühne auf und geht zur Schule, um endlich schreiben zu lernen. Ihre Eltern waren arm und konnten das Schulgeld nicht bezahlen.

Filmbilder: Diese Erde macht mich glücklich!


25. April

Kultur2 weltweit (2) - dreimal IRAK hinter den Schlagzeilen "Fremde Kinder - Maryam lebt in Bagdad" 30 Min.
"Kein Frieden ohne Gerechtigkeit" (45 Minuten)
"Nach dem Krieg - Leben im Irak"

Drei Filme von Stefanie Landgraf und Hannes Gulde (2004)

1) Die 12jährige Maryam lebt mit ihren Eltern und drei Geschwistern in Khalij, einem christlich-muslimischen Viertel in Neubaghdad. Ihr Leben hat sich seit dem Krieg sehr verändert. Wegen der täglichen Entführungen, überfälle und Bombenanschläge darf Maryam nicht mehr allein auf die Straße gehen. Zur Schule wird sie von ihrer Mutter gebracht. Einkaufen gehen beschränkt sich auf das Notwendigste. Die wirtschaftliche Situation der Familie ist schlecht, besonders seit der Vater krank geworden ist und nicht mehr arbeiten kann. Maryam und ihre Familie sind Christen. Die Kirche bietet Kindern wie ihr mit Freizeitprogrammen ein wenig Abwechslung. In der Theatergruppe, in der sie gerade ein Weihnachtsspiel proben, schafft es Maryam, den bedrohlichen Alltag für ein paar Stunden zu vergessen.

Filmbilder: Maryam

2) Während der Irak durch fortgesetzte Kämpfe, Geiselnahmen und Folterskandale Schlagzeilen macht, treten die Gräueltaten des Regimes von Saddam Hussein beinahe in den Hintergrund, das etwa zwei Millionen Opfer gefordert hat. Unter ihm litten etwa zehn Millionen Menschen - kaum eine Familie, die davon nicht betroffen war. Dies dokumentieren sichergestellte Akten aus Geheimdienstarchiven, die die "Free Prisoners Association" derzeit auswertet. Schon im Sommer 2003, kurz nach dem Sturz des Diktators, gründete der Arzt und Maler Ibrahim Al-Basri die erste Opferorganisation "Iraqi Humanity Association for Victims of Saddam's Regime". Al-Basri, der in den 60er Jahren in der DDR Sportmedizin studiert hatte, spielte nach seiner Rückkehr in den Irak eine prominente Rolle im Team der ärzte Saddam Husseins. über die Jahre wandelte er sich zum Kritiker und Gegner des Regimes und wurde schließlich inhaftiert und gefoltert. Seine Organisation mit heute über 40.000 Mitgliedern fordert medizinische und therapeutische Hilfe, Entschädigung und Mitsprache bei politischen Entscheidungen.

Filmbilder: Basri

3) Wie gestaltet sich der Alltag von Wurud, 18, und ihren beiden Brüdern Ali, 16, und Laith, 15, in Baghdad nach dem Krieg? Was denken die Geschwister und wie beurteilen andere Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren in einer Moschee das Ende der Diktatur und die US-Besatzung? Wie nutzen Schüler heute das Satellitenfernsehen, das unter Saddam Hussein verboten war und das sie jetzt überschüttet mit Videoclips und Soaps aus ägypten, den USA und Europa?
Der Film bietet Einblicke in das wirkliche Alltagsleben nach dem Krieg, wie sie in den Fernsehberichten nicht zu sehen sind.


24. April
MONTAG

Kultur2 - extra: Grimme-Preis 2006 für Klaus Stern!!!
"Weltmarktführer" (95 Min. - 2005)
19.30 Uhr
Dokumentarfilm von Klaus Stern

Mit Ulrike Gehring (IHK) und Frank Lehmann (HR) beim Filmgespräch!!!

Der Schreibtisch ist fast leer. Ein paar zusammengeknüllte Notizzettel liegen am Rand. Der Mann hinter dem Schreibtisch wirkt abwesend, er scheint alles noch nicht recht zu begreifen. Im Jahr 2000 galt Tan Siekmann, heute 37, als das deutsche Modell von Bill Gates, der von Medien und Politikern gleichermaßen hofiert wurde. Damals war die Firma bei ca. 8 Mio. Euro Umsatz 2 Mrd. Euro wert! Biodata galt als Marktführer beim Thema Netzwerksicherheit. Was "damals" passierte, könne man sich "heute gar nicht mehr vorstellen". Wenn Siekmann dies ausspricht, denkt man, er spricht vom Zweiten Weltkrieg.

Irgendwann hätte er die übersicht über die AG verloren, gesteht er. "Wir sind völlig unkontrolliert gewachsen. Die unmöglichsten Leute haben Führungsaufgaben übernommen. Wer nicht bei fünf aus dem Raum war, saß plötzlich im Vorstand." Mehr als ein Dutzend Start-Up-Unternehmen und Beteiligungen rund um den Erdball werden hastig von den Börseneinnahmen zusammengekauft. Die Seifenblase platzt. Der Börsenkurs fällt. November 2001 muss die Biodata AG Konkurs anmelden. "Bevor ich unter Druck als Vorstandsvorsitzender zurücktreten musste, war die Firma gesund." Doch er ist wieder aufgestanden. Denn wirklich pleite war der Burgbesitzer nie. "Ich war vorher Millionär, und bin's heute wieder." Siekmann sieht sich verfolgt, wer genau dahinter steckt, weiß er nicht.

Zum Filmgespräch kommen Regisseur Klaus Stern, der Leiter Wirtschaft beim Hessischen Fernsehen, Frank Lehmann und Ulrike Gehring, Vizepräsidentin der IHK Frankfurt.

Filmbilder: Weltmarktführer1 | Weltmarktführer2


18. April

Kultur2 und der Traum vom Leben "Resist" - ein Traum vom Leben (90 Min.) Dirk Szuszies preisgekrönter Film über das legendäre Living Theatre

Seit mehr als fünfzig Jahren reist das legendäre Living Theatre um die Welt, um Zeichen zu setzen und politisches Bewusstsein zu schaffen. Der Berliner Film- und Theaterregisseur Dirk Szuszies begleitet in seinem Film "RESIST" die charismatische Gründerin Judith Malina und ihre Truppe, die mit jungen Aktivisten auf der ganzen Welt zusammen arbeiten, zum G8-Wirtschaftsgipfel nach Genua, auf die Straßen von New York nach den Anschlägen vom 11.September und nach Khiam, dem berüchtigten ehemaligen Gefangenenlager der israelischen Armee im Südlibanon und Symbol schlechthin für den tragischen Konflikt im Mittleren Osten. Das Living Theatre ist seit über fünf Jahrzehnten ein Beispiel für friedlich radikalen Widerstand. Das 1951 in New York von Judith Malina und Julian Beck gegründete Living Theatre verkörpert wie kein anderes auf der Welt den politischen und sexuellen Experimentiergeist der 60iger und 70iger Jahre. Auch in Europa besitzt die Gruppe Kultstatus: unvergessen sind die aktive Beteiligung an den Maiunruhen `68 in Paris und Auftritte wie "Paradise Now" im damaligen Sportpalast in Berlin. Das Living Theatre war seit je ein empfindsames Barometer für politischen und sozialen Wandel, der Film "RESIST" versteht sich als Hommage an alle, die auch heute dem herrschenden Zeitgeist trotzen und an alternative Gestaltungsmöglichkeiten glauben. Judith Malina und das Living Theatre sind unbestritten ein mutiges und inspirierendes Beispiel für diese Haltung

Filmbilder: Bild 1 | Bild 2 | Bild 3


11. April

Kultur2 in der Karwoche: Was würde Jesus dazu sagen?" (105 Min.) von Hannes Karnick und Wolfgang Richter

Martin Niemöller ist kein Held, obwohl schon viele versucht haben, ihn zum Denkmal zu machen und damit aus dem Leben zu verbannen. Viele Stationen und Erlebnisse aus seinen 92 Jahren sind allerdings so eindringlich, unvorstellbar und packend zugleich, dass wohl kaum ein Autor je gewagt hätte, eine solche Geschichte zu erfinden. Wir erzählen wenig Privates. Was sich uns in den vielen Gesprächen erschlossen hat, ist ein faszinierendes Stück deutscher Geschichte, mit ihren Sprüngen, Brüchen und Widersprüchen: ...informativ, provokativ, überraschend, preußisch, reaktionär, revolutionär. Für uns, aus der Generation der Nach-Nachgeborenen, war Martin Niemöller die Vaterfigur der Friedensbewegung. Im Verlauf der dreijährigen Reise durch sein protestantisches Leben lernten wir ihn näher kennen. Unser Interesse und unsere Zuneigung für den Menschen Martin Niemöller haben das, was wir zusammengetragen haben, entscheidend geprägt. Dieser Film kann und will deshalb nicht frei von persönlichen Empfindungen sein. Es geht um Preußen, um Deutschland, um zwei deutsche Staaten. Es geht um das Gewebe eines kämpferischen Lebens, um die Haltung eines Menschen, der sich selbst immer treu und andern immer unbequem blieb. Um einen jungen U-Boot-Kommandanten, der sich nach dem 1. Weltkrieg weigert, Schiffe an England auszuliefern und vierzig Jahre später die Ausbildung zum Soldaten als Ausbildung zum Berufsverbrecher bezeichnet. Um einen leidenschaftlichen Pastor, der sich immer wieder in tagespolitische Auseinandersetzungen verwickelt, ohne je Politiker sein zu wollen. "Was würde Jesus dazu sagen?" - der Haupttitel unseres Films war Leitmotiv für Martin Niemöllers Handeln. Wir verstehen diese Frage als Provokation, als provozierende Frage an unsere Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.


10. April
MONTAG

Kultur2 extra - in memoriam: Leb wohl, Ulf von Mechow
"Die Jüdin und der Hauptmann" - Eine Liebe in Minsk Dokumentarfilm von Ulf von Mechow (1994) 19.30 Uhr

Das jüdische Mädchen Ilse Stein lebt in einem idyllischen hessischen Dorf. Willi Schulz, NSDAP-Mitglied, wird bei Kriegsbeginn zur Luftwaffe eingezogen. Im November 1941 kreuzen sich ihre Wege in Weißrussland. Ilse Stein ist auf dem weg ins Judenghetto von Minsk. Schulz ist zuständig für den Einsatz der jüdischen Zwangsarbeiter aus dem Ghetto. Sie verlieben sich ineinander. 1943 bereitet die deutsche Wehrmacht ihren Rückzug aus Minsk vor. Schulz wird zum Hauptmann befördert und soll versetzt werden; sein Verhältnis mit dem jüdischen Mädchen war bemerkt worden. Einen Tag vor der Versetzung flieht er mit Ilse Stein, ihren Schwestern und 25 Jüdinnen zu den weißrussischen Partisanen.

"Ulf von Mechows Dokumentation ruft ein bisher kaum bekanntes Kapitel der im Osten begangenen Verbrechen in Erinnerung. Erlebnisberichte, Fotos und Archivfilme vermitteln eine bewegende Biografie aus diesem bewegten Jahrhundert." (Der Tagesspiegel, Berlin)

Georg M. Hafner, Leiter Politik und Zeitgeschehen beim Hessen Fernsehen, und Hans-Jürgen Linke, Redakteur der Frankfurter Rundschau, werden das Werk Ulf von Mechows würdigen und im Rahmen des Filmgesprächs auch einordnen helfen.


4. April

Kultur2 und das große Fressen (4): Ein großer Kartoffelabend
19.30 Uhr Das grüne Gold der Inkas (52 Min.) von Christoph Corves

Sommer 1997. Die Welt durchlebt den stärksten El Niño seit Beginn der Beobachtung dieses Klimaphänomens. Eine unheimliche Krankheit sucht die amerikanischen Kartoffeläcker heim. Curtis und den anderen Farmern in Idaho gelingt es nicht, die Epidemie mit Agrogiften zu kontrollieren. Kartoffeln mit natürlicher Resistenz gibt es in den USA schon lange nicht mehr. Die Industrialisierung der Landwirtschaft hat die genetische Vielfalt vernichtet. Wissenschaftler warnen, dass angesichts der beginnenden globalen Klimaveränderungen Monokultur in der Landwirtschaft die globale Ernährungssicherheit zunehmend gefährdet. Was verursacht Monokultur? Wer profitiert von ihr? Die Lösung für die Probleme der US-amerikanischen Farmer findet sich versteckt auf den kleinen Feldern der Campesinos in den Anden. Eine Reise auf den Spuren der Kartoffel vom peruanischen Hochland zu den Kartoffelebenen Idahos.

Filmbilder: Inka


4. April

20.40 Uhr Ein Traum von Amerika (1998 / 84 Min.) von Christof Corves

1955. Wulf, Sohn eines Bauern im hessischen Odenwald, macht sich auf den Weg, um in der Neuen Welt sein Glück zu suchen. Das Schiff bringt ihn von Bremerhaven nach New York. Im Herzen hat er einen Traum: irgendwann seine eigene Farm zu besitzen. Die Jahre vergehen. Wulf kauft sein erstes Land: 120 Hektar Dornbuschsteppe in der 'Big Old Desert'. Wulf, seine Frau Carol und die 6 Kinder roden das Gestrüpp, sammeln ungezählte Steine, verlegen Bewässerungsanlagen. Die Kinder wachsen, die Farm wächst. Wulfs Traum von Amerika scheint in Erfüllung zu gehen. 1997. Wulf ist stolzer Besitzer einer 1200 Hektar Farm. Doch dunkle Wolken brauen sich über der Farm zusammen. Mit einer Welle von Firmenfusionen bricht die Globalisierung über Idahos heile Welt herein. Multinationale Foodkonzerne machen sich breit; kaufen die lokalen Pommesfabriken, Getreidemühlen und Schlachthöfe; bilden Marktkartelle. Immer tiefer sinken die Preise für Wulfs Produkte. Ob Weizen, Kartoffeln, Schafe oder Heu - nichts deckt mehr die Produktionskosten. Kartoffeln bauen Wulf und Chris nicht mehr an. Das Risiko ist ihnen zu groß. Und gerade in diesem Jahr sind die Kartoffelpreise wieder gestiegen. Jetzt, wo viele Farmer den Kartoffelanbau aufgegeben haben, fehlen Kartoffeln auf dem Markt. Der Film begleitet Wulf in den dramatischen Jahren 1997-2001. Wird es ihm gelingen, seinen Traum von Amerika zu retten?

Ab sofort wird wieder normal gegessen!
Auch wenn's manchmal schwere Kost ist!


28. März

Kultur2 und das große Fressen (3): Unser täglich Brot...
Septemberweizen (1979 / 96 Min.) von Peter Krieg

Adolf - Grimme - Preis & Deutscher Filmpreis

Der Begriff "Septemberweizen" bezeichnet einen im September in den USA fälligen Weizenkontrakt. Der Film zeigt in sieben Kapiteln den Weg des Weizens vom Anbau in Amerika bis zum Verbraucher. Er beleuchtet, wie in den USA Farmer, Wissenschaftler, Händler, Verarbeiter und Politiker mit ihm umgehen. Saatgutzüchter werfen immer ertragreichere Hybriden auf den Markt und machen die Farmer von sich abhängig. Um ihren überschuss abzusetzen, starteten die USA das Dumpingprogramm „Nahrung für den Frieden" und ließen den Weizen in die Dritte Welt fließen. Beispiele aus Afrika, Lateinamerika und Asien zeigen, wie sie ihn durch Zuteilung oder Entzug als politische Waffe einsetzen. Die Weizenbörse in Chicago ist das Zentrum des Weltweizenhandels. Hier wird spekuliert, hier werden die Preise gemacht. "Continental Bakeries" stellen rund um die Uhr ein mit Aromastoffen und chemischen Substanzen versetztes "Wunderbrot" her, das kaum Nährwert besitzt und dazu beiträgt, dass die Ernährung immer gesundheitsschädlicher wird... Der Film gilt als Klassiker des Dokumentarfilms.


21. März

Kultur2 und das große Fressen (2): Fastfood contra Umwelt
Hackmäck (72 Minuten) von Peter Heller

Kostproben aus einem etwas anderen Schlaraffenland

Die Schlacht um die Mägen der Welt findet in technisch-standardisierten Fast-Food-Stores statt. An vorderster Front kämpft McDonald's, dessen Gründer Ray Kroc freimütig bekennt: "Ich erwarte Geld, wie man Licht erwartet, wenn man den Schalter anknipst." Die Filmreihe Mc Profit ist die Chronik der endgültigen Rationalisierung auch des vorletzten Intimbereiches: des Essens. "Wir erziehen den Menschen zu einer ganz neuen Lebensweise", heißt es in einer internen Werbe-Anweisung eines Hamburger-Konzerns. Big Mac is watching you: wir sollen alle Welt-Burger werden - angepasst an die Bedingungen von Softbrötchen-Fließbändern, Bulettenschockgefriermaschinen und computergesteuerten Friteusen. Der Hamburger trifft vor allem den Geschmacksnerv einer Generation, die das traditionelle Mahl verachtet. Was einst "Esskultur" hieß, wird, versteckt hinter aufwendig poppigen Ablenkungsmanövern, zur reinen Bedürfnisbefriedigung mit der Stoppuhr geworden. Für seinen Film ist der Autor bis in die Herzen der Hamburger-Giganten in Chicago und Miami vorgedrungen, hat in jahrelanger Recherche den Weg des US- Faustgerichts bis hin zum Widerstand der Konsumenten und Mitarbeiter verfolgt.


14. März

Kultur2 und das große Fressen (1): Guten Gen-Appetit!
Leben außer Kontrolle (95 Min.) von Bertram Verhaag und Gabriele Kröber

Von Genfood und Designerbabies

Mitte der 80iger Jahre findet die Wissenschaft mit der Gentechnologie den Schlüssel, sich die Erde und vor allem ihre Geschöpfe endgültig untertan zu machen. Plötzlich schien alles möglich! 20 Jahre später begeben wir uns auf eine Weltreise, um die fortschreitende Genmanipulation bei Pflanzen, Tieren und Menschen zu erkunden: Wegen einer katastrophalen Ernte bei gentechnisch veränderter Baumwolle stehen viele indische Bauern vor dem Ruin, verkaufen eine Niere oder begehen Selbstmord. In Kanada weht genmanipulierter Rapssamen auf die Felder benachbarter Biobauern und macht damit ökologischen Anbau unmöglich. Das isländische Parlament verkauft das gesamte Genpotenzial seiner Bevölkerung an eine private Firma, die die Daten wiederum gewinnbringend an die Pharmaindustrie und Versicherungen weiterverkaufen will. Als "Vampirprojekt" wird ein Forschungsprojekt bezeichnet, bei dem 700 sogenannten aussterbenden Völkern unter dem Vorwand gesundheitlicher Vorsorge Blut-, Haar-, und Speichelproben entnommen werden. Die Genproben verschwinden in den Labors der Industrie und sollen wertvolle Patente ermöglichen. Weltweit bieten nur eine Handvoll idealistischer Wissenschaftler der Industrie die Stirn und untersuchen - unabhängig von deren Geld - die Auswirkungen transgener Tiere und Pflanzen auf die Umwelt und auf unsere Gesundheit, wenn wir diese genmanipulierten Lebensmittel zu uns nehmen.


7. März

Kultur2 zum Weltfrauentag am 8. März:
Eine Legende lebt - Angela Davis (80 Min.) von Christel Priemer und Ingeborg Weber

Anfang der Achtziger Jahre ging ihr Porträt mit der Afro-Frisur um die Welt. Den Namen Angela Davis kannten viele. Für die einen war sie Symbol für den Kampf der Afro-Amerikaner um Menschenrechte. Für die anderen, etwa Kaliforniens Gouverneur Ronald Reagan, war sie die "Inkarnation des Bösen". Angela Davis war eine schöne Frau und hatte eine ungewöhnliche Ausstrahlung. Ihr wurde angelastet, sie habe Waffen beschafft für einen Gefangenenausbruch. Bürgerrechtler rund um den Globus durchschauten dies als abenteuerliche Beschuldigung mit dem Ziel, eine kritische Linke mundtot zu machen. Die Solidaritätskampagne war weltweit, forderte "Freiheit für Angela Davis" mit Kongressen, Demonstrationen und Konzerten. Am Ende konnte die Anklage nicht aufrechterhalten werden. 1973 wurde Angela Davis in einem spektakulären Prozess freigesprochen. 25 Jahre später haben die beiden Filmautorinnen Angela Davis in den USA besucht und eine faszinierende Frau getroffen, die noch immer gegen die Diskriminierung von Minderheiten kämpft. Zum Filmgespräch kommen die Autorinnen und Gäste aus der Frauenbewegung.

Kultur² und das Große Fressen - ein kulinarischer Vierteiler! Jetzt kommt was Besonderes. Wir haben Fastenzeit und denken während des Fastens besonders intensiv ans Essen. Das wollen wir mit Kultur² dadurch unterstützen, dass wir Ihnen dokumentarfilmische Einblicke hinter die Kulissen der Massenernährung bieten, und zwar gleich vier Wochen lang mit fünf Filmen! Es geht um Genpflanzen, Hamburger, Weizen - und zuletzt um die Kartoffel! Jedes Mal werden wir zum Filmgespräch Fachleute einladen.
14.März: Leben außer Kontrolle (Genfood)
21.März: Hackmäck (Hamburgers)
28. März: Septemberweizen (Getreide)
4. April: 19.00 Das Grüne Gold der Inkas (Kartoffeln I) 20.00 Ein Traum von Amerika (Kartoffeln II)


28.Februar

Kultur2 zum Faschingsdienstag:
Die Thuranos (95 Min.) von K. Stutterheim & N. Bolbrinker

Leben auf dem Drahtseil

»Die Thuranos" schreiben seit mehr als einem halben Jahrhundert internationale Varietégeschichte. Konrad Thurano, der charismatische Senior der Familie, ist mit seinen 95 Jahren der älteste noch aktive Artist der Welt. Seit 1927, als er im Apollo in Düsseldorf mit einer akrobatischen Nummer auf einer Perchstange begann, steht er beinahe täglich auf der Bühne. Heute noch tourt der alte Konrad zusammen mit Johnjohn durch die großen Häuser in Berlin, Düsseldorf, Kopenhagen oder Mailand. Stets als krönenden Abschluss des Abends zeigen die beiden ihren "Crazy Wire Act", eine clowneske Mischung aus Drahtseilakt und Comedy-Show. Neben der artistischen Brillanz ist es die feine Psychologie, die den "Crazy Wire Act" so erfolgreich macht. In ihm arbeiten Konrad und John mit dem oftmals so vertrackten Verhältnis zwischen den Generationen. In der Nummer kommt die Beziehung zwischen Vater und Sohn, also auch ihre eigene, auf die Bühne.

Ein anspruchsvoller Film zum Entspannen am Faschingsdienstag! Zum Filmgespräch kommen die Regisseure, und vielleicht gelingt uns noch eine überraschung!


21. Februar

Kultur2 und der Versuch, die Maschinen zu stoppen:
Das Netz (2004 / 115 Min.) von Lutz Dammbeck

EMAF Award: „Richtungweisende Arbeit der Medienkunst"

In jedem formal - logischen System gibt es Probleme, die nicht lösbar und entscheidbar sind. Die Wahrheit ist der Beweisbarkeit überlegen. Zwischen 1978 und 1995 erschüttert eine Serie von Bombenanschlägen die USA. Ziele sind Fluggesellschaften und Eliteuniversitäten. Das FBI tauft den Täter "Unabomber" - ein Kürzel aus "universities" und "airlines" und verhaftet 1996 den Mathematikprofessor Ted Kaczynski. Warum wird ein Mathematiker anscheinend zum Terroristen? Die Suche nach einer Antwort führt zurück in die Mitte des 20. Jahrhunderts. Mit Kybernetik, Systemtheorie, Multimediakunst werden die Fundamente der Moderne neu gesetzt. Das ist die Basis für heute weltweit vernetzte Maschinensysteme.
Der Film zeigt Konstrukteure, Maschinisten und Agenten dieser Systeme. Einer steigt aus und versucht, die Maschinen zu stoppen.


14. Februar

Kultur2 zum Valentinstag:
Liebe dich ... (92 Min.) von Sylvie Banuls / Sabina Engel

Ein Schauspieler-Liebespaar mit Down Syndrom

Ein Film der Superlative: ein außergewöhnliches Theater, zwei besondere Schauspieler und eine ungewöhnliche Liebe. Moritz und Nele sind "Down-Syndrom-Kinder", umgangssprachlich "geistig behindert". Sie sind Kinder berühmter Theaterfrauen: der Regisseurin Gisela Höhne und der Schauspielerin Angela Winkler. Mit ihrer Behinderung stehen sie im Berliner Theater RambaZamba in mehreren Inszenierungen gemeinsam auf der Bühne. Und darüber hinaus sind sie ein Liebespaar.
Der Film öffnet den Blick in eine Welt, die man sich eher als defizitär vorstellt denn als reich. Er lässt ahnen, dass ein Leben ohne antrainierte Gesellschafts- und Konventionsfilter nicht nur anders, sondern auch besonders sein kann. In den Theaterstücken von RambaZamba spiegeln sich lebensweltliche Bezüge der geistig behinderten Menschen wieder – besonders spannend wird es, wenn sie die Normalität spielen und uns in überhöhter Weise mit unseren inneren Grenzen konfrontieren. Der Theaterregisseurin Höhne gelingt es, die Kunst der behinderten Schauspieler zu fassen und so zu kanalisieren, dass eine "RambaZamba"-Aufführung zum wahrhaft berührenden und amüsierenden Erlebnis wird.
"Liebe dich..." ist übrigens auch ein ganz besonderer (und selten gelebter) Aspekt des heutigen Valentinstages! Moritz Höhne, der junge Liebhaber und Schauspieler mit Downsyndrom, und seine Mutter, die Theaterregisseurin Gisela Höhne, kommen eigens aus Berlin zum Filmgespräch in die Naxoshalle. Auch Sylvie Banuls, eine der beiden Regisseurinnen, kommt aus München zum Gespräch! Lassen Sie sich das nicht entgehen!


7. Februar (2)

"Endstation Tirunelveli (30 Min.) von Katrin Melhop

Auf dem Busbahnhof von Tirunelveli in Südindien treffen sie ein - Kinder, die von zuhause weggerannt sind. So wie Raj, Seyed Ali und Madasamy. Sie halten sich mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser - als Erdnußverkäufer zwischen den Bussen oder als Gläserwäscher an den zahlreichen Teeständen. "So wie jetzt hier geht's" , sagt Syed Ali. "Wenn ich nach Hause zu den Eltern komme, schlagen sie mich." Ihr neues Zuhause ist die Straße. Mitten im Verkehr schlafen sie auf den Trottoirs und träumen davon, eines Tages selber Teeladenbesitzer zu werden. Zum Filmgespräch erwarten wir die beiden Regisseure und überraschungsgäste


7. Februar (1)

Kultur2 weltweit (1): zweimal Indien:
Das indische Räderwerk (60 Min.) von Michael Plümpe

Ein Haufen Lumpen, ein schmuddeliger Sack, wie tot liegen Menschen auf den Straßen, Müll und Abfall. Es riecht nach Kot und Urin.Straßenkinder wünschen sich nichts sehnlicher, als einen guten Charakter. Leichen schwimmen im heiligen Fluss, und die Raben fressen ihr Fleisch. Ein Bauer hütet seine Kühe im Zentrum von Bombay auf einem Bürgersteig. "Ich sitze nur hier und tue gar nichts" berichtet er glücklich. "Und die Milch kommt!" Eine Entdeckungsreise der anderen Art in eine fremde Gesellschaft und Kultur, in eine Wirklichkeit, die auf ganz eigene Weise funktioniert. Eine Maschine Gottes: "Das indische Räderwerk".


31. Januar

"Fern vom Krieg" (1984) von Wolfgang Landgräber 82 Min

"Bowling for Columbine" auf deutsch:

Seit mehr als 150 Jahren lebt das Schwarzwaldstädtchen Oberndorf am Neckar vom Waffenbau. Die Firma Mauser versorgte Reichswehr und Wehrmacht in beiden Weltkriegen mit Millionen von Sturmgewehren und Maschinengewehren und war auch als Exporteur des "Karabiners 98" in der ganzen Welt erfolgreich. Das Erbe der Firma übernahmen nach dem Zweiten Weltkrieg die Gewehrkonstrukteure Heckler und Koch und gründeten die gleichnamige Dynastie, die seitdem die gesamte Welt mit Pistolen, Sturm- und Maschinengewehren überschwemmt. Nach einer vorübergehenden Krise behauptet Heckler & Koch seit Jahren wieder seine Vormachtstellung beim Kleinwaffenbau und -export. Wie leben die Oberndorfer damit, dass ihre Erzeugnisse auf nahezu allen Kriegsschauplätzen der Welt im Einsatz sind und Tausende von Soldaten, Milizionären und Zivilisten töten oder verstümmeln? Zum Filmgespräch erwarten wir Wolfgang Landgräber, einen Rüstungsspezialisten der IG Metall und den Buchautor Jürgen Gräßlin ("Den Tod bringen Waffen aus Deutschland"; "Versteck dich, wenn sie schießen")


24.Januar

Ab jetzt finden alle Veranstaltungen wieder im "Theater Willy Praml" statt!!!
Kultur2 zum Jahrestag der Machtergreifung (2) - 30. Januar 1933:
Kinderland ist abgebrannt - Sibylle Tiedemann (90 Min)

Zwölf Frauen, alle über 70, erinnern sich an ihre Kindheit in Ulm. Sie besuchten dieselbe Schule. Wer Jude, wer Christ war, welche politische Haltung die Eltern vertraten, spielte keine Rolle. Das änderte sich mit dem 30.Januar 1933 radikal. In den Erzählungen der Frauen wird diese Zeit wieder lebendig. Dabei sind ähnliche Ereignisse ganz unterschiedlich im Gedächtnis festgeschrieben. Die NS-Fackelzüge durch Ulm z. B. wurden von den einen als faszinierend, von den anderen als bedrohlich erlebt. So nimmt alles seinen Lauf bis zum bitteren Ende in der Trümmerlandschaft von 1945. Die Juden und die Christen, die Sozialisten und die Völkischen unter den Mädchen erleben ihr sehr unterschiedliches Schicksal. Soweit sie überlebt haben, treffen sie sich nach 60 Jahren wieder und können auch wieder miteinander reden. Das Ergebnis kurz gefasst: "Für die einen hat es Kinderland in Ulm nach 1933 nicht mehr gegeben, für die anderen verliert es im Rückblick eine Unschuld, die es nie besessen hat."


17. Januar

Kultur2 zum Jahrestag der Machtergreifung (1) - 30. Januar 1933:
Hitlers Hitparade - Oliver Axe & Susanne Benze (85 Min.)

Kaum von ARTE im Fernsehen ausgestrahlt, ist dieser Film schon wieder in den Archiven verschwunden. Das Schicksal allzuvieler wertvoller Dokumentarfilme. Dabei ist es ein genialer Film, um unterhaltsam das Nazisystem auszuleuchten und seine suggestive Propaganda zu entlarven. Deshalb zeigt "Kultur2" diesen Film als Bildungsveranstaltung zur mahnenden Erinnerung an Hitlers Machtergreifung. "Liebling, was wird nur aus uns beiden...?" - ein Schlager von Anfang der 30er Jahre, Oma kennt ihn noch. So fängt es an. Wie eine bange Vorahnung dessen, was da mit vernichtender Gewalt auf Europa und die Welt zurast. Der Film steigert sich von Hit zu Hit, immer häufiger unterbrochen durch Bilder der Vernichtung und Zerstörung. Und endet folgerichtig mit der letzten Zugabe: US-Soldaten dirigieren die soeben befreiten Bürger Weimars zwischen den Leichenbergen im Konzentrationslager Buchenwald hindurch. Anschließend Filmgespräch mit dem Marburger Medienwissenschaftler Prof. Dr. Karl Prümm. Außerdem kommt der Produzent des Films, Cay Wesnigk.


20. Dezember

"Die chinesischen Schuhe" (2005) - Tamara Wyss (104 Min.)

Eine persönliche Reise durch Chinas Landschaften und Geschichte. Ausgehend von einer historischen Geschichte - dem Aufenthalt meiner Großeltern - habe ich mich aufgemacht das China von heute zu erleben. Im Gepäck habe ich die alten Fotografien, Tonaufnahmen, Aufzeichnungen und Briefe der Großeltern, und ein kleines Paar alter chinesischer Schuhe. Diese Dinge sind mein "Reiseführer" durch das Land und zu den Menschen. Ich fahre den Jangtse hinauf, durch die "Drei Schluchten" in die großen Städte Sichuans. überall treffe ich auf Zeichen einer großen Veränderung. So ist in den Drei Schluchten der Welt größter Staudamm fast fertig, in wenigen Wochen beginnt die Flutung. Ich erlebe den Abriss der letzten Städte und den Bau neuer Häuser. Nichts wird bleiben wie es ist, auch die Landschaft der "Drei Schluchten" die meine Großeltern noch gekannt haben, wird in kurzer Zeit nur noch Geschichte sein. Für mich ist es nicht immer leicht dass zu akzeptieren - anders für viele Menschen die ich treffe, und die mir ihre Geschichte erzählen. Teilnehmer am Filmgespräch werden nachgereicht.
Zum Filmgespräch erwarten wir die Regisseurin sowie Hans Hofele als Vertreter von amnesty international.


13.Dezember

"Deckname Dennis" (1996)

von Th. Frickel / M.Beltz

An dieser halb dokumentarischen Realkomödie hat noch weiland Matthias Beltz mitgeschrieben. Er wurde schnell zum Kultfilm, "gefährlich und geschmacklos", "eine respektlose, muntere und dann doch ein wenig erschrockene Besichtigungstour zu den Absonderlichkeiten der deutschen Volksseele." Der US-Agent Denniswird, skurril ausgerüstet, nach Deutschland geschickt mit dem Auftrag, "die deutsche Mentalität zu erkunden". (so, so, den Rest können Sie sich denken? Dann kommen Sie erst recht ins Kino zum Schauen!) 

Zum Filmgespräch kommen jedenfalls die Regisseure.


6.Dezember

Kurz- und Experimentalfilmabend (ca.90 Min.)
Das Beste aus Weiterstadt

Kurzfilme von den Filmfesten im Wald von Weiterstadt.

(Filmthemen werden nachgereicht)


29. November

"Fern vom Krieg" (1984) von Wolfgang Landgräber

"... auf den 31, Januar 2006 verschoben ..."


22. November

"Kunst zur Braut" (2004)

von S. Minke / M. Zandanel

Die drei Künstler Thomas Hirschhorn, Wolfgang FLATZ und Thomas Huber entstammen einer Generation. Die Wurzeln ihrer künstlerischen Auseinandersetzung liegen in den siebziger Jahren. Dennoch sind Form und Inhalt ihres Schaffens sehr unterschiedlich. Immer wieder stellt sich die Frage nach dem eigenen Standpunkt, zwischen Kunstmarkt und Produktivität, Privatem und Gesellschaftlichem. Ist es noch möglich, die Kunst zur Braut zu nehmen, und welche Mitgift muss man entrichten?

Der Schweizer Thomas Hirschhorn sieht sich als Soldat und Arbeiter. Ob in der unmittelbaren Nachbarschaft seines Ateliers in Paris oder bei der Documenta 11 in Kassel: Hirschhorn will Kunst für alle: aus Sperrholz, Klebebändern, Pappe und anderen Materialien ohne "Mehrwert" soziale Monumente errichten. Auch FLATZ hält der Gesellschaft den Spiegel vor: als lebender Glockenschlägel oder in Christuspose, blutüberströmt und aufgehangen an einem Kran in dreißig Meter Höhe. Er will auf Mißstände hinweisen, kulturelle Gewalt und Aggression am eigenen Körper erfahren. Diese Formen der Darstellung haben ihn als Künstler bekannt gemacht.

Anders ist der Werdegang des Malers Thomas Huber. In seinem Elternhaus gehörten Künstler wie Max Ernst und Pablo Picasso zum Freundeskreis. Kunst wird hier privater gelebt: Mit Frau und sieben Kindern. Thomas Huber scheint den Lärmpegel von Kinderspielen und Hausarbeit als Quelle der Inspiration zu brauchen, um im hauseigenen Atelier die Erfahrungen der letzten Familienstreitigkeiten mit ölfarben fast mathematisch auf die Leinwand zu bannen.


15.November

"An der Grenze" (2005) von Wolf Lindner (90 Min.)

Eine Biografie der großen Humanistin Lore Perls und ein "Aquarell" ihres Lebenswerkes: der Gestalttherapie. Der Film lässt mit vielen bisher unveröffentlichten Materialien und mit farbenfrohen Erinnerungen ihrer Freunde und Schüler ein dichtes Bild dieser ungewöhnlichen Frau entstehen. Zugleich wird die Gestalttherapie deutlich als eine radikale Therapiemethode im besten Sinne, die ihren Klient/innen mit den Grundsätzen des Humanismus und des Existenzialismus bege